Bruce Springsteen - Magic - Cover
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Bruce Springsteen Magic


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 47 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit sicherer Hand legt Springsteen immer zur rechten Zeit das richtige Album vor.

Vor fünf Jahren arbeitete Bruce Springsteen mit „The Rising“ sein ganz persönliches 9/11-Trauma und das einer ganzen Nation auf. Mit krachenden Hymnen zeigte er den Bedrohern die Faust und ermutigte sein Land den Kopf oben zu tragen. Das war der Boss, der in den 80er Jahren die Arenen füllte und mit „Born In The U.S.A.“ so erfolgreich wie niemand zuvor und erst recht keiner nach ihm missverstanden wurde: Hemdsärmelig, patriotisch, theatralisch, die Welt im Sturm nehmend.

Doch neben seinem Dasein als einer der größten Rockstars aller Zeiten hat sich Springsteen immer wieder Nischen gesucht und Auszeiten genommen. Mit introvertierten Werken wie „Nebraska“ (1982), „The Ghost Of Tom Joad“ (1995) und zuletzt „Devils And Dust“ (2005) zeigte er sich als nachdenklicher Songwriter, der mehr kann als Football Stadien zu rocken. Doch von Zeit zu Zeit juckt es den Boss in den Fingern. Dann wird die Telecaster rausgekramt und die Jungs von der E Street Band zusammengetrommelt. Und obwohl die neuen Songs bereits Ende letzten Jahres in ihren Grundzügen feststanden, brauchte es noch eine Art Übergangsalbum („We Shall Overcome: The Seeger Sessions“), um endgültig bereit zu sein. Denn während seines Ausflugs in die Folkmusik zusammen mit der Sessions Band im vergangenen Jahr, hat sich Springsteen durch furiose Konzerte wieder an die Spielfreude und die überbordende Energie des Rock’n’Roll herangetastet. Danach, im Frühjahr dieses Jahres, war es endlich an der Zeit, ein neues Rockalbum einzuspielen.

Während der zweimonatigen Aufnahmen von „Magic“ in den Southern Tracks Studios in Atlanta saß mit Brendan O’Brien (Incubus, Pearl Jam, Aerosmith) zum dritten Mal nach „The Rising“ und „Devils And Dust“ derselbe Produzent an den Reglern. Da hat sich offenbar ein Dreamteam gefunden, das sowohl düstere Songwriter- als auch optimistische Rock-Platten machen kann. Und gerockt wird auf „Magic“ ziemlich ordentlich. Zumindest während der ersten Zweidrittel. Hier lässt der Boss die E Street Band mit der vollen Wucht ihrer Instrumente zupacken und der Hörer fühlt sich tief in die 80er Jahre zurückversetzt, wenn Clarence Clemons’ Saxofon, Roy Bittans Piano und die scheppernden Drums von Max Weinberg Boxkämpfe miteinander austragen.

Kein Wunder, dass einige Tracks nette, kleine Déjà-Vus bereithalten und inhaltlich mit Selbstzitaten vollgepackt sind. So wird es auch heuer Meckerer geben, denen „Radio nowhere“ (die erste Singleauskopplung) zu simpel und „Livin’ in the future“ zu sehr in der „Glory days“-Abteilung wildert. Aber hier geht es schließlich um Rock’n’Roll und einen Bruce Springsteen, der musikalisch gereift ist. Denn immer wenn ein Lied zu sehr in die „Tunnel Of Love“/„Human Touch“/„Lucky Town“-Ecke abzudriften droht, zaubern der Boss und seine alten Jungs überraschende Hooks aus dem Hut („Last to die“, „You’ll be comin’ down“) bzw. berühren den Hörer mit eindringlichen Balladen („Terry’s song“). Dazu läuten große Kirchen- und kleine Weihnachtsglocken („Your own worst enemy“), was leicht peinlich werden kann, ist der Song nicht über alles erhaben, und wird augenzwinkernd in den Summer of Love zurückgeblickt, in dem junge Mädchen leicht bekleidet in Straßencafés sitzen – beobachtet von einem schmachtenden Boss („Girls in their summer clothes“). Ganz stark sind auch das an Bob Dylan gemahnende „I’ll work for your love“ und der tatsächlich an den späten Mark Knopfler erinnernde Titeltrack.

Bruce Springsteen ist und bleibt ein Phänomen. Mit sicherer Hand legt er immer zur rechten Zeit das richtige Album vor. Ob stampfender Rock’n’Roll für die Massen, introvertierte Singer/Songwriter-Kost, mitreißende Folk-Reminiszenzen oder, wie jetzt, ein von vorne bis hintern ausgewogenes, sehr charismatisches Rockalbum mit einer beseelt aufspielenden E Street Band und einem Dutzend Songs, die qualitativ im vorderen Viertel der Springsteen-Werkreihe einsortiert werden können. Alles macht Sinn und ist wie alles vom Boss in den vergangenen zehn Jahren ganz große Klasse!

Anspieltipps:

  • Gypsy biker
  • Long walk home
  • You’ll be comin’ down
  • Your own worst enemy
  • Terry’s song
  • Girls in their summer clothes
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