Kristin Asbjørnsen - Wayfaring Stranger: A Spiritual Songbook - Cover
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Kristin Asbjørnsen Wayfaring Stranger: A Spiritual Songbook


  • Label: Emarcy/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Kristin Asbjørnsen stammt aus Oslo in Norwegen. Doch hört man sich ihr Debütalbum „Wayfaring Stranger: A Spiritual Songbook“ an, könnte man durchaus der Meinung sein, die 36-Jährige käme irgendwo aus der Tiefe der amerikanischen Südstaaten, was nicht nur an dem darauf versammelten Songmaterial liegt, sondern auch an der einzigartigen Stimme der Sängerin, die zwischen einer gemäßigten, weiblichen Variante von Tom Waits und Janis Joplin angesiedelt ist. Die Karriere der Norwegerin begann vor zehn Jahren als Mitglied eines weiblichen Gesangsquartetts und setzte sich später mit der Band Dadafon fort. Doch erst jetzt, mit einem starken Soloalbum im Gepäck, könnte sie so richtig durchstarten.

„Wayfaring Stranger“ bietet dem Hörer eine Kollektion aus elf kaum bekannten afro-amerikanischen Spirituals, die Asbjørnsen durch die aus Chicago stammende schwarze Sängerin Ruth Reese kennenlernte. Reese wanderte 1960 nach Norwegen aus und lebte dort bis zu ihrem Tod im Jahr 1990. Kurz vor ihrem Tod vermachte sie Asbjørnsen ihr umfangreiches Songbook mit Spirituals, die von Sehnsucht, Trauer, Einsamkeit und Überlebenskampf, aber auch von Hoffnung und freudigen Ereignissen handeln. Dazu Kristin Asbjørnsen: „Die Spirituals dienten ursprünglich dazu, die Fesseln der Sklaverei zu ‘lockern’. Und ich stellte immer wieder fest, dass diese Songs sich auch auf unsere heutigen Probleme, auf unsere eigene Suche nach persönlicher Freiheit, Entwicklung und Schutz übertragen lassen.”

Mit dem Perkussionisten/Pianisten Anders Engen, dem Gitarristen Jostein Ansnes und dem Bassisten/Backgroundsänger Jarle Bernhoft nahm Asbjørnsen das vorliegende Album in Ulf Holands Puk Studios in Dänemark auf. Dem Quartett gelang es dabei ein faszinierendes Werk auf die Beine zu stellen, das mit spartanischer Instrumentierung und tiefgehenden Texten von Beginn an fesselt und Gänsehautatmosphäre versprüht. Die Stücke fallen so authentisch aus, dass sich der Hörer vor dem geistigen Auge in eine staubig-heiße Wüste versetzt fühlt, in der Strafgefangene bei schwerer körperlicher Zwangsarbeit schuften, aber die Hoffnung nicht aufgeben und im Überlebenskampf ihre Lieder voller Mut und Zuversicht in die Welt hinaussingen. Wer so ein Kopfkino mit Musik erzeugen kann, leistet wahrlich Großes.

Anspieltipps:

  • Oh glory
  • In that morning
  • Don’t be weary traveler
  • Wish I was in heaven sitting down
  • I am a poor wayfaring stranger/Going over Jordan
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