Katie Melua - Pictures - Cover
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Katie Melua Pictures


  • Label: Dramatico/Rough Trade
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Melua intoniert ihre Stücke ein weiteres Mal mit unnahbarer Grazie.

2007 setzte sich fort, was 2005 begann. Die Singer/Songwriter-Gilde erhielt in Zeiten von unaufhaltbaren, rückgängigen Plattenverkäufen einen riesengroßen Aufschwung und profilierte sich gleich mit mehreren Künstlern in den Charts. Natürlich durften da die arg krisengebeutelten Plattenfirmen nicht hinterher hecheln und nahmen alles, was zwei Beine, eine angenehme Stimme und äußerlich ein gewisses Charisma verströmt, unter Vertrag oder forcierten ihre bisher in diesem Segment agierenden Künstler mit groß angelegten Promo-Touren. Vorrangig wurde das Augenmerk auf hübsche Damen gelegt, die bereits mit wenigen Blicken das gewisse Etwas verströmten, sich ganz und gar ladylike präsentieren und den Hörer mit ihrer Stimme bezirzen konnten. Corinne Bailey Rae, Maria Mena, Anna Ternheim oder jüngst Colbie Caillat sind nur einige wenige, die in dem Boom der One Woman-Shows als Retter der Musikindustrie herhalten müssen.

Trotzdem warteten Freunde der meist in luftigen-lockeren Kleidern präsentierten Musik vor allem auf das Album einer Dame, die die Lawine unter anderem verursacht hatte: Katie Melua. Mit „Call of the search“ (04/2004) und „Piece by piece“ (09/2005) gelang der mittlerweile 23jährigen Sängerin mit georgischer Abstammung ein Durchbruch aus dem Bilderbuch. Mit insgesamt 13 Platin- und 2 Gold-Auszeichnungen zog sie es vor den langen steinigen Weg durch verrauchte Bars ein wenig abzukürzen und gleich in größeren Hallen aufzuspielen. Mit dem dritten Werk, das ein weiteres Mal mit Hilfe ihres Mentors Mike Batt entstanden ist, schlägt Melua allerdings nicht nur in dieselbe musikalische Kerbe der Vorgänger, sondern entdeckt zusätzlich noch den Reggae für sich. „Ghost town“ heißt das gute Stück, das in andächtigem, karibischem Rhythmus die Stilvielfalt der derzeit in Surrey, England beheimateten Georgierin erneut ausweitet.

Ansonsten ist jedoch alles beim Alten geblieben. Melua intoniert ihre Stücke ein weiteres Mal mit unnahbarer Grazie, wird dabei dezent in den Vordergrund gemischt, bekommt etwas Hall auferlegt, damit alles fülliger klingt und schmiegt sich behutsam an die zurückhaltende Instrumentierung, die sich dieses Mal zwar stärker im Pop geerdet fühlt, aber auch erneut Blues und Rock einfließen lässt. In diesem Sinne hätte gut die Hälfte der Songs auch von den beiden ersten Platten stammen können, schleichende Ohrwürmer, wie sie dort zuhauf anzutreffen waren, gibt es auf „Pictures“ aber eher weniger. Das Problem liegt schlicht und ergreifend in der ermüdenden Langsamkeit der Songs, die dieses Mal durch das Fehlen von hervorstechenden Melodien weit weniger funktionieren als z.B. auf „Piece by piece“.

Dadurch sind die wirklich guten Tracks wie das fröhlich-beschwingte „Spellbound“, die melancholische Ballade „What it says on the tin“, das optimistische „If the lights go out“, das ebenso gut ein Cover einer 70er Soft Rock-Band sein hätte können oder der durch eine Trompete mit einem zarten Western-Flair ausgezeichnete Track „Dirty dice“, leider an einer Hand abzuzählen. „Ich lerne ständig. Es gibt Sachen, die fand ich damals so super, aber wenn ich jetzt zurückschaue, war es nur ein Haufen Mist“ soll Melua kürzlich gesagt haben und schließt damit auch gleich ihre beiden, bisher erschienenen Alben mit ein. Angesichts der alles in allem doch etwas enttäuschenden Vorstellung auf „Pictures“ sollte sie ihre Aussage vielleicht noch einmal überdenken.

Anspieltipps:

  • Spellbound
  • If The Lights Go Out
  • What It Says On The Tin
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