Kasabian - Kasabian - Cover
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Kasabian Kasabian


  • Label: RCA/SonyBMG
  • Laufzeit: 41 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie aus dem Nichts (dafür aber aus der Schmiede der wöchentlichen Sensationen) und aus Leicestershire, England kommt die neue, wahrscheinlich am meisten angesagte Band des United Kingdoms.

Wer dachte, dass das Jahr 2004 gegen Ende musikalisch nichts mehr zu bieten hat, liegt falsch. Wie aus dem Nichts (dafür aber aus der Schmiede der wöchentlichen Sensationen) und aus Leicestershire, England kommt die neue, wahrscheinlich am meisten angesagte Band des United Kingdoms. Der Name der Band Kasabian. Ziemlich merkwürdig, ist dies doch der Nachname der Fluchtwagenfahrerin des Massenmörders Charles Manson. Aber nun war der Name gewählt, er klang cool und so beließ man es dabei. Von Massenmorden distanzieren sich die Engländer Christopher Karloff (Gitarre, Synthesizer), Sergio Pizzorno (Gitarre, Vocals), Tom Meighan (Vocals), Chris Edwards (Bass) und Ian Matthews (Schlagzeug) selbstverständlich und machen lieber Musik die für viel Aufsehen sorgt.

So schön es ist, dass das Album dieser hippen band jetzt auch endlich bei uns ist fragt sich der Rezensent (welcher auch die Tracklist des Originals kennt), warum die drei Instrumentalintros „Orange“, „Pinch Roller“ und „Ovary Stripe“ fehlen. Sei’s drum. Man verpasst nicht all zu viel, denn es handelt sich tatsächlich nur um In- beziehungsweise Outros, welche die Atmosphäre ein wenig abrunden und gewissermaßen auch auf der kleinen Tracklist nicht verloren gehen. Wie es bei debütierenden Bands so ist, ist die Presse weitestgehend unfähig ihnen die eigene Note zuzusprechen, sondern es wird immer nach Vergleichen gesucht. The Stone Roses, Oasis, Pet Shop Boys und viele andere populäre Namen tauchen auf und man denkt sich kopfkratzend lediglich: „Hä?!“

Gleich der Auftakt mit „Club Foot“ zeigt das eigentliche Gesicht dieser Band, zeigt sofort warum diese Jungs so angesagt sind. Treibende Samples und Beats aus dem Synthesizer, verbunden mit ebenso treibenden Drums und einer geradlinigen Basslinie, die von beinahe untergehenden und verschwommenen (aber keinesfalls schlichten) Gitarrentönen untermalt werden. Als I-Tüpfelchen gesellt sich der schlichtweg coole Gesang Meighans hinzu. Es passt einfach alles. Von der Demo der Jungs war „Processed Beats“ einigen schon bekannt, aber einer der ganz starken Tracks des Albums enthüllt sich jetzt auch vor den Massen. Im Grunde haben alle Tracks auf diesem Album dieselbe Struktur, aber es sind halt immer wieder ganz andere Samples, die Mastermind Karloff vorgibt. Alles wird zu einer Einheit und überrascht ein fürs andere Mal mit Ohrwurmqualitäten. Das erste Drittel schließt „Reason Is Treason“, welches zeigt, dass nicht alles gleich klingt, denn der dritte Song ist treibender, wie ein Rausch, der sich von nichts stoppen lässt, ohne außer Kontrolle zu geraten.

Apropos Kontrolle. Diese verlieren die Jungs wirklich nie. Nach großen Ausreißern innerhalb der einzelnen Tracks sucht (und horcht) man vergebens. Somit lassen sich Kasabian zwar Monotonie unterjubeln, aber die meisten Songs bleiben einfach so abgeklärt, dass ein Höhepunkt nicht wirklich passen würde. So begnügt man sich mit immer wieder verschiedenen Elektronikeinschüben und Gitarrensoli der schrammeligen Sorte. „I.D.” ist auf diesem Debüt mit eines der elektronischsten Stücke, gleichzeitig aber auch eines der langsameren Sorte. Den Höhepunkt bilden die anderen beiden Stücke des Mittelteils. „L.S.F. (Lost Soul Forever)“ lässt sich in kein Jahrzehnt einordnen. Klingt alt und neu zugleich und die Stärken, die schon bei Club Foot so herausstechen sind hier vielleicht noch besser zu erkennen. Das zweite große Schmankerl „Running Battle“ kommt mehr im Stile von I.D. daher kann aber mit einem Chorus und einer Melodie der Extraklasse auffahren. Hier haben sich die Jungs beinahe selbst übertroffen und die Grenze zwischen „einfach nur hip“ und „wirklich herausragend“ verschwimmt schließlich.

Wie eine Interlude kommt „Test Transmission“ daher, welches überraschend poppig ist und den bisherigen Rhythmus des Albums ein wenig stört. Die Ansätze innerhalb des Liedes wissen zu Gefallen, doch der Song wirkt etwas glatt. „Cutt Off“ zeigt wie das klingen muss. Eine Hymne für die Massen? Kein Problem! Aber es klingt einfach eigenständig, klingt nach Kasabian. Mit „Butcher Blues“ wird wieder der Coolness-Faktor von L.S.F und „Processed Beats“ erreicht und wenn das Album dann mit dem mehr als soliden „U-Boat“ abschließt weiß der Hörer warum die Band so angehimmelt wird. Zugegeben: Dieses Debüt ist keine Offenbarung, aber dafür der (beinahe) uneingeschränkte, interessante Stil einer neuen Band. Als Trendband dürften sie es auch kaum schwer haben. Was die Jungs hier zusammengesetzt haben klingt viel versprechend und auch wenn sie wohl nie ein Klassiker sein werden: Diese Typen sind irgendwie schon verdammt cool (oder monoton?). Man muss sich entscheiden.

Anspieltipps:

  • Club Foot
  • L.S.F. (Lost Soul Forever)
  • Running Battle
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