Dendemann - Die Pfütze Des Eisbergs - Cover
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Dendemann Die Pfütze Des Eisbergs


  • Label: Yo Mama/SonyBMG
  • Laufzeit: 51 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist soweit. Nach zahlreichen Mixtapes und der EP „Das Schweigen Dilemma“ liefert Dendemann, im bürgerlichen Leben Daniel Ebel, sein erstes Soloalbum ab. Und Dende ist in Hochform. Das zeigt schon, dass mit „3½ Minuten“ ein eher schwächeres Stück als erste Single ausgekoppelt wurde. Darüber kann das Video zur Single in D’Angelo-Manier nur bedingt hinwegtäuschen.

Der Rest von „Die Pfütze des Eisbergs“ ist aber deutscher HipHop der Premiumklasse. Bereits im Eröffnungstrack „Check mal die Rhetorik ab“ hat mehr Wortwitz als die meisten deutschen Rapalben insgesamt. Getreu dem Motto „Meine 26 Kumpels sind immer noch dieselben“ macht er vor nichts und niemandem halt, am allerwenigsten vor sich selbst: „Hab weder Chromfelgen noch Ledersitze / und stieg um von Jägermeister auf Jägerschnitzel / Früher riss ich über solche Streber Witze / heute bin ich selbst kleinkariert wie Megapixel“. Auch sein Image als „Studentenrapper“, mit dem auch Rapcombos wie Blumentopf oder Fettes Brot bezeichnet werden, nimmt Dendemann in „ErsoIchso“ auf die Schippe: „Hör dir dein‘ Studentenrap mal a cappella an / dir fehlt die Grauzone, so wie Stracciatella, Mann!“.

Überhaupt, „ErsoIchso“, gleichzeitig Abgesang und Verteidigung des HipHop, ist vielleicht der heimliche Höhepunkt des Albums. Dendes Spezialität, die Wortspielerei, erreicht hier ungeahnte Höhen, zum Beispiel in den Zeilen „Zieh noch mal, dann knallt der Flash geiler / das haut dich um, Alter, wie Walter Eschweiler / mein Pitbull will jetzt plötzlich nen Jetski / mann, die Töle hat mehr ice gesehen als Ötzi und Gretzky“.

Ganz neue Töne schlägt der „Dendemeier“ mit „Hoertnichauf“ an, und zwar in Sachen Tempo. Dieser Track steht in einer Reihe mit Deichkinds „Remmidemmi“, was die Tanzbarkeit angeht. Und die Lyrics sprechen natürlich für sich. Die sind auch im Track „Endlich Nichtschwimmer“, der wie einige auf dem Album in Kooperation mit Jansen & Kowalski entstand, erste Sahne, oder um es mit Dendemann zu sagen: „Der große Rockhaus“. Kostprobe: „Ich bin kein Rapper, nur ein Bluessänger auf Abwegen / bin kein Rebell, nur ein Fußgänger auf Radwegen“. Der Refrain könnte zudem Grammatikdebatten auslösen: „Ich schwimmte, schwamm und schwomm / endlich bin ich angekommen / endlich hab ich wieder Land gewonnen / endlich Nichtschwimmer, schmeiß‘ an den Song!“

Angekommen ist er, und freigeschwommen hat sich Dendemann mit „Die Pfütze des Eisbergs“. „Doch immer noch scheint derbe ungewiss / wer auf Deutschland Bühnen die Pferdelunge ist.“ („Inhalation“) Wirklich? „Die Pfütze des Eisbergs“ widerspricht vehement. Nach diesem Album sind die Unklarheiten zu diesem Thema beseitig, und Dendemann besteigt den Olymp des deutschen Rap, immer in der Gewissheit: „HipHop schmeckt wie Pizza besser selbstgemacht.“

Anspieltipps:

  • Check mal die Rhetorik ab
  • Hoertnichauf
  • Endlich Nichtschwimmer
  • ErsoIchso
  • Inhalation
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