Panda - Tretmine - Cover
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Panda Tretmine


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 42 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Was machen Die Ärzte eigentlich, wenn sie mal nicht auf Tour, im Urlaub oder im Studio sind? Dass Farin Urlaub solo mit seinem Racing Team bereits recht beachtliche Erfolge erzielt hat, ist ja bekannt, aber was treiben eigentlich Rodrigo Gonzalez und Bela B. abseits der musikalischen Dreifaltigkeit BelaFarinRod? Nun, Bela versuchte letztes Jahr mit seinem ersten Solo-Album „Bingo (05/2006) wie Herr Vetter für Aufmerksamkeit zu sorgen, während Rod sich um das Label RodRec kümmert, das Künstler wie Rantanplan, Abwärts oder Graue Zellen unter Vertrag hat. Außerdem nahm er sich vor kurzem der Berliner Punkrocker Panda als Produzent an, die jetzt ihren Erstling fertig gestellt haben.

Diese bedienen mit ihrem Debüt „Tretmine (jeder ist für sich selbst verantwortlich)“ jedoch keine vorgefertigten Erwartungshaltungen an eine simple Punkrock-Platte, sondern zerschmettern sie gekonnt mit dem Charme der Beat-Musik der 60er Jahre, der in der ersten, ruppigen Single „Jeht kacken“ zwar hinten an gestellt wurde, auf dem kompletten Werk jedoch genug Luft zum Atmen bekommen hat. Das sorgt für hinreißend schmissige und tanzbare Nummern mit dem gewissen Etwas, wäre da nicht Fräulein Anna Fischer, die mit ihrer astreinen Berliner Schnauze die Texte nur so aus sich herauskotzt, dass einem die (im Vergleich dazu) fast zu brave Darbietung von Chris Lippert (Gitarre), Sascha Nieman (Gitarre), Christopher Brandt (Bass) und Oskar Alpen (Schlagzeug) beinahe leid tut.

Wer also mit Zeilen wie „Ejal, was ich mach, ihr seid eh jemein“ oder „Ick hab zu beeden keen Vertrauen“ rein gar nichts anfangen kann, der sollte einen großen Bogen um die „Tretmine“ machen, alle anderen dürfen probeweise in „Du kotzt ma an“ und „Meene Wohnung“ reinhören, die in etwa das Flair des kompletten Longplayers wiedergeben. Mal zurückhaltende („Hierbleiben“, „Dinge“) mal lautstarke Mucke („Schnauze“, „Terror anna Türe“), die zu 80 Prozent von Frau Fischer mit ihrem quengelndem Organ in Grund und Boden gesungen wird und im Fall „Sex umschreiben“ und „Stefan & Tina“ eigentlich nur nervt. Dabei sind die in Zusammenarbeit mit Luci van Org (Lucilectric) und Rodrigo Gonzalez gefertigten Stücke keinesfalls sinnlos und handeln von kleinen Querelen zwischen Mann und Frau, die die Band selbst in „Herzschmerzkacke“ zusammenfasst, und den Nebensächlichkeiten des Lebens. Doch selbst dann wenn „Hierbleiben“ statt in rotzige Beat/Punk-Schale gehüllt im relaxten Bossa-Nova-Kleid ertönt und einige kritische Töne aufgeworfen werden, die Stimme von Fräulein Fischer bleibt. Und die mag man eben oder nicht.

Anspieltipps:

  • Jeht kacken
  • Du kotzt ma an
  • Meene Wohnung
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7.5/10

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