Lisa Bund - Born Again - Cover
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Lisa Bund Born Again


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 40 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Born Again! Lisa Bund ist wiedergeboren! Wahlweise als Kelly Clarkson, Avril Lavigne oder gern auch als Pink, wie in der Presseinfo ihres Labels Sony BMG zu lesen ist. Trauen wir Frau Bund ein wenig Selbstironie zu, ist der Albumtitel vielleicht tatsächlich der Einsicht geschuldet, zwischenzeitlich den medialen Tod gestorben zu sein, da das Interesse an Castingshow-Kandidaten erfahrungsgemäß nur von äußerst kurzer Dauer ist.

Würden ehemalige DSDS-Kandidaten wie Alexander Klaws, Elli Erl, Juliette Schoppmann oder Tobias Regner demnächst wieder Musik veröffentlichen, wären wohl Albumtitel wie „Dead & Gone“ oder „Lost In Space“ eine angemessene Selbstauskunft der „Künstler“. Vergleichsweise nachhaltig ist da der Eindruck, den die fünftplatzierte der ersten DSDS-Staffel hinterlassen hat: Gracia Baur schrieb deutsche Musikgeschichte, als ihr unterirdisch schlechter Beitrag zum Grand Prix 2005 völlig zu Recht für ungewohnte Einigkeit in der geschmackssicheren europäischen Bevölkerung sorgte und mit vier Punkten abgeschlagen den letzten Platz belegte. Ebenfalls ein wenig länger hielt sich Daniel Küblböck in den Schlagzeilen, allerdings nicht durch seine musikalischen Entgleisungen sondern vielmehr durch zahlreiche mehr oder weniger geschickt iniziierte Skandale.

Um das Produkt Lisa Bund nun erfolgreich in der ersten Liga der Popwelt zu platzieren, verpflichtete Bunds Label Sony BMG eine wahre Autorenarmada: Neben Alex Christensen (der bereits u.a. für Bro’Sis, Marianne Rosenberg und N’Sync unvergessliche Lieder erdachte) und Lukas Hilbert (u.a. für Nena, Udo Lindenberg und Yvonne Catterfeld tätig), trugen auch die Autorenteams von Alexander Klaws, Westlife und Monrose ihren Teil zur Entstehung von „Born Again“ bei. Klingt nicht unbedingt nach guten Voraussetzungen für ein homogenes Werk, doch weil keiner der Songs auch nur im Ansatz die 08/15-Richtlinien für eingängige Popsongs missachtet, fällt überhaupt nicht auf, wie viele verschiedene musikalische Entwicklungshelfer hier tatsächlich werkelten.

Zielgruppenorientiert sind auch die Texte, in denen sich sowohl glücklich verliebte als auch von der Liebe enttäuschte Kinder, Jugendliche und geistig Junggebliebene irgendwo wieder finden werden. Gleich fünf Mal taucht das Wort „You“ in der Titelliste auf. Liebe ist halt auch Selbstaufgabe. Und Liebe ist das Tollste auf der Welt. Manchmal ist Liebe auch Scheiße. Oder eben alles gleichzeitig. Und die Lieder sind dementsprechend Möchtegern-Rocknummern (stets mit leichtem Grummeln in der Stimme vorgetragen) oder Balladen (deren emotionalste Stellen sich an der deutlich dünner werdenden Gesangsstimme erkennen lassen, denn die Höhen sind nicht so ihre Welt) - oder eben rockige Balladen.

Trotz ihrer anbiedernden Eingängigkeit erfüllen die Songs allesamt den Tatbestand der Austauschbarkeit. Es sei denn, sie sind so schlecht, dass sie an den Grundfesten der Erträglichkeit rütteln. „What Goes Up“ tut dies, trotz Stimmverzerrer und bemühten Rhythmusvariationen mag hier so gar nichts abgehen. Oder die Schunkelballade „Here I Am“, die demnächst vielleicht - von Marianne und Michael ins Deutsche übersetzt - den Mutantenstadl bereichern könnte. Bevor sich dies hier wie ein Totalverriss liest, sei angemerkt, dass Lisa Bund ihren Job erstaunlich routiniert erledigt. Nur ist dieser halt irgendwie doch ziemlich langweilig. Und was ihren musikalischen Anteil betrifft, in etwa so kreativ wie „Malen nach Zahlen“.

Trotzdem besteht Hoffnung für jene Eltern, deren Kinder sich „Born Again“ zu Weihnachten wünschen. Denn Lisa besitzt durchaus Talent, tut niemandem weh und taugt mit Abstrichen gar als Vorbild für angehende Pubertäter. Schließlich hat sie trotz ihrer fehlgeschlagenen Versuche bei den Castingshows „Star Search“ und „Popstars“ nie aufgegeben und sich mit ihrer Teilnahme bei „DSDS“ letztlich doch ihren Traum erfüllt, berühmt zu werden. Zur musikalischen Früherziehung ist „Born Again“ deshalb besser geeignet als die Mehrzahl der Produkte, welche die Musikindustrie sonst so auf diese noch naturgemäß noch recht orientierungslose Zielgruppe loslässt. Und über die gelungene Coverversion von Grönemeyers „Flugzeuge im Bauch“ am Ende des Albums dürften sich auch Mama und Papa freuen!

Anspieltipps:

  • Live To Forget You
  • Born Again
  • All That I Am
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