Melissa Etheridge - The Awakening - Cover
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Melissa Etheridge The Awakening


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 59 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Melissa Etheridge singt noch kraftvoller und ausdrucksstärker wie vor ihrer schweren Krankheit.

Melissa Etheridge bekam früher immer das Etikett weiblicher Bruce Springsteen verpasst, das sicher eine große Wertschätzung für sie beinhaltete, denn Melissa Etheridge verfügt ähnlich wie Springsteen über die Gabe neben der guten alten Rockmusik auch qualitativ hochwertiges Sanftes herzustellen. Natürlich spielt der „Boss“ in einer höheren Songwriterliga, aber musikalisch entwickelt sich Etheridge eben hörbar immer noch weiter und das natürlich im positiven Sinne.

Die Songwriterin überstand kürzlich den Brustkrebs und gründete mit ihrer Lebensgefährtin eine kleine Familie. Sie gewann auch noch den Oscar für „I need to wake up“ und krönte so ihre schon so seit 1988 andauernde weltweite Karriere. Derartige Erlebnisse verarbeiten Musiker meist in ihren Texten und Kompositionen und so vertraut Melissa Etheridge ihre Gefühle und Erfahrungen dem Hörer an. Ein wenig verschwunden scheint der Rockmusikanteil zugunsten einer sehr großen Anzahl von bewegenden Folk-Pop-Elementen zu sein, die von der sehr guten Stimme der Sängerin eindrucksvoll dargeboten werden.

„Threesome“, „All We Can Really Do“, „Open your mind“ und „Imagine That“ besitzen streckenweise den treibenden Rock ihrer Anfangsjahre und lassen auch die Gitarristin Etheridge zum Zug kommen. „Message to myself“ soll die erste Singleauskoppelung werden und dieser Track glänzt mit erstaunlichem Popappeal, so eingängig hat man Frau Etheridge zuletzt selten gehört. Aber warum soll sie auch an alten Mustern hängen? Die erwähnten Rockanleihen in den obengenannten Tracks und die bewegenden Balladen vertragen eben auch einen richtigen Popsong, damit auch dem letzten Hörer deutlich wird, dass Melissa Etheridge viele musikalische Facetten besitzt und nicht nur eine einzigartige Rockröhre ihr eigen nennt.

„God is in the people“ schwelgt in eindeutigen Gospelgefilden und zeigt die nicht vorhandenen Berührungsängste der Vollblutmusikerin Etheridge. „Map of the stars“ gehört zu den ruhigen Vertretern, die mit einer kleinen und feinen Melodie ausgestattet, den Text und die Sängerin in den verdienten Vordergrund schieben. Zum Ende hin doch wird es ein wenig lauter, das klingt nach gelungenen Tempowechseln, die den Song durchziehen und ihn hörenswert machen. Das ist wohl auch die große Kunst der Etheridge-Kompositionen, denn fast immer zieht die Amerikanerin dann wieder das Tempo, auch innerhalb eines Songs, an, wenn es nötig erscheint.

„I've loved you before“ gibt dann die wirklich sehr sanfte Ballade dazu, so dass einem angesichts des eindringlichen Gesangs und des sehr emotionalen Textes kein Anlass zur Kritik mehr bleibt. Melissa Etheridge berührt nicht nur mit diesem Werk den Hörer mit erstaunlich traumwandlerischer Sicherheit. Bei „Open your mind“ regiert dagegen eindeutig die Gitarre und nach eher verhaltenen Beginn steigert sich der Track bis zum abschließenden Gitarrenriffgewitter von der Meisterin persönlich, der Song wirkt recht düster und die härtere Gangart passt ausgezeichnet dazu.

Es ist also wirklich so: Melissa Etheridge singt noch kraftvoller und ausdrucksstärker wie vor ihrer schweren Krankheit und auch wenn man nicht alle ihre Texte unterschreiben möchte, bleibt sie einfach ehrlich und authentisch. Sie experimentiert – natürlich weiterhin im Mainstream (warum natürlich? Ist das wirklich so selbstverständlich? Anm. d. Red.) – musikalisch sehr überzeugend. Der Longplayer strotzt vor guten musikalischen Ideen und nimmt sich den Albumtitel zum Vorbild: „Das Erwachen“ klingt zwar sehr pathetisch, trifft aber den Punkt: Melissa is back und knüpft angesichts der Qualität der neuen Songs sicherlich an ihre bisherigen Erfolge an.

Anspieltipps:

  • Map of stars
  • Imagine That
  • Open your mind
  • Message to my myself
  • I've Loved You Before
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