Gravenhurst - The Western Lands - Cover
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Gravenhurst The Western Lands


  • Label: WARP/Rough Trade
  • Laufzeit: 43 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Nur minimale Verwechslungsgefahr: Eine Band die heißt wie eine Stadt in Kanada und eine Pfarrei in Großbritannien und eigentlich auch keine wirkliche Band ist. Gravenhurst = Nick Talbot. Aber da der Mastermind aus Bristol lieber die Musik im Vordergrund sieht als sich selbst, entschied er sich für eben jenen Namen. Mit seinem mittlerweile vierten Album „The Western Lands“ knüpft Talbot nahtlos an seinen hochgelobten Vorgänger „Fires In Distant Buildings“ und den danach aufgenommenen Soundtrack zum Kinofilm „Ein Freund Von Mir“ an. Eine traumhafte Mischung aus LoFi-Pop, besinnlichem Klanggetüftel, schwälgerischen Soundwelten und poetischen Texten, macht dieses Album zum Hochgenuß für Freunde intimer und sich unter die Haut schleichender Melodien.

Schon der Opener „Saints“ wirkt sehr zerbrechlich, was auch mit dem hier von Talbot besungenen Themas des (scheinbar) romantisch anmutenden Suizides zu tun hat. Die Frage nach dem Sinn des Lebens und denen damit ständig aufkommenden Gefahren und Hindernissen zieht sich wie ein roter Faden durch die Lyrics dieser Platte. Auch das ruhige „She Dances“ handelt vom viel zu jungen Tod. Ein Lied über die ambitionierte und auch sehr jung verstorbene Folksängerin Sandy Denny. Teilweise verstörende Soundpfade suhlen sich hier in düsteren Arrangements und einer bedrückenden Stimmung. Den „Song Among The Pine“ kennen einige vielleicht schon aus dem zuvor erwähnten 2006er Kinofilm mit Daniel Brühl in der Hauptrolle. Gänsehaut ist garantiert wenn Drakes klare, aber dennoch gläserne Stimme aus diesem Stück ein ganz besonderes erwachsen läßt.

„Trust“ wirkt dagegen schon beinahe rockig. Die melodiöse E-Gitarre führt dezent durch diesen nachdenklich stimmenden Song, welcher die berüchtigten „Was wäre gewesen, wenn?“-Frage versucht zu ergründen. Wie auch auf „Hollow Man“ wird der Volume-Regler nun auch mal bis fast zur Hälfte hochgedreht. In beiden Fällen beträchtlich gelungen und ohne Frage sehr hörenswert. „Farewell, Farerwell“ ist dem traditionellen Folksong „Willie O’Winsbury“ zu verdanken. Das bereits von der Band Farewell Convention (u.a. die zuvor besungene Sandy Denny als Mitglied) mit neuen Vocals aufgenommene Lied wird von Gravenhurst bewusst lärmender (aber nicht laut) wiedergegeben, ohne dabei die ursprüngliche Melodie aus den Ohren zu verlieren. Ein wirklich sehr gelungene Neuinterpretation eines bereits tollen Remakes. Drakes ganz persönliche Liebeserklärung an London „Hourglass“ handelt von dieser so oft zur selben Zeit auftretenden Zwiespältigkeit zwischen Bewunderung und Abneigung gegenüber Gewohntem und weiß genauso zu berühren wie das wunderschöne und liebevoll gezupfte „The Collector“.

Dies ist Gravenhursts bislang stimmigstes und bewegendstes Werk. Ein Album über Liebe, Wut, Romantik und Vergänglichkeit. „The Western Lands” ist ein beeindruckende Momentaufnahme eines grandiosen Songwriters, dessen Musik schlicht und einfach als wunderschön zu bezeichnen ist.

Anspieltipps:

  • Saints
  • Song Among The Pine
  • Hourglass
  • The Collector
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