Diverse - 80´s Flashback - Cover
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Diverse 80´s Flashback


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Idee klingt gut: Klassiker der 80’s werden gepimpt von angesagten Vertretern des Deutschen HipHop. Und von HP Baxxter. Mit allen künstlerischen Freiheiten, textlich wie musikalisch. Zeitreise also, zurück in das Jahrzehnt, in dem die Maschine den Menschen zu ersetzen begann. Eine Zeit übrigens, in der einige der Interpreten ihre Scheiße noch brav in die Windel setzten, anstatt diese auf CD zu pressen. Verantwortlicher Geburtshelfer von 80’s Flashback ist der Hamburger Produzent Petone, der in Absprache mit den beteiligten Jungs die Songs neu arrangiert, komponiert und produziert hat.

Erfreulich abwechslungsreich geraten die Bearbeitungen von Knallern wie Shout (Tears For Fears), Take On Me (AHA), Eisbär (Grauzone), Kokain (Extrabreit), oder Vamos A La Playa (sic!) von Righeira. Und während sich einige der (Möchtegern-) Rapper schwer an den Originalen verheben, gelingt es Anderen, das Feeling der Achtziger tatsächlich erstaunlich stilvoll und kreativ in die Gegenwart zu transportieren. Das Introducing besorgt mit Nachrichtensprecher Wilhelm Wieben eine echte Ikone der 80er, der seine Lobhudelei auf das, was da folgen wird, mit den Worten: „Alter, Fahr Ab Den Scheiss“ schließt. Eindeutig die coolste Sau, die auf diesem Sampler zu hören ist, der alte Wilhelm.

Nachdem Das Bo und Samy Deluxe ihre Aufgaben („Das Blech“ von Spliff und „Bin Da Da“, im Original von George Kranz) sehr routiniert erledigt haben, sorgen Jan Delay und Dendemann für das erste echte Highlight des Samplers, indem sie Tears For Fears’ „Shout“ bis auf einige Samplesplitter komplett auseinander nehmen um es zu einem Tanzflachenfüller wieder zusammenzusetzen, der seinem Namen „Sturm & Drang“ alle Ehre macht. Sido hingegen beweist im Anschluss mal wieder eindrucksvoll sein fehlendes musikalisches Vermögen und bleibt auch mit einer so genialen Vorlage wie LL Cool J’s „I Need Love“ so blass, wie es sich für einen eindimensionalen Flegel aus dem Block gehört.

Ärgerlich ist es, dass Afrob im starken 80’s Flashback- Titeltrack („Take On Me“ von Aha), der eigentlich sehr treffend die Grundidee dieses Werkes umsetzt, textlich mal wieder nichts Besseres einfällt, als seine Minderwertigkeitskomplexe abzuarbeiten („Ihr seid nicht besser weil ihr auf der Uni wart/Überdurchschnittlich talentiert/Hab nie phantasiert/Nie gelogen/Bin sozial engagiert“). Mensch Afrob, Du hast den Längsten, bist der Allergeilste, aber erzähl die Details aus der Therapie doch besser deinem Friseur! HP Baxxter darf dann ungestraft einen Eisbären vergewaltigen, doch seine Version des Grauzone-Klassikers bleibt ein verzeihlicheres Verbrechen an der Musik als seine üblichen Auswürfe als Brüllwürfel („Jigga, Jigga“!) der unsäglichen Kirmesmusiker Scooter. Im Anschluss gibt’s ’ne Linie Koks, und wer könnte die aufgrund ausführlichster Selbsterfahrungen kompetenter unter die Leute bringen als Rocko Schamoni? Niemand, eben! Und Denyo darf auch mitziehen.

„Wir wolln euch antörn“ ist die mit Abstand dümmlichste Übersetzung eines Originals (Hier: „Vamos A La Playa“) ins (mehr oder weniger) Deutsche, macht sonst aber nur wenige Fehler und ist eine der originellsten Neubearbeitungen auf 80’s Flashback. Kein bisschen originell ist dagegen die von Illo & Emory verantwortete Version des Überfliegers „Straight Up“, der fast 1:1 ins Hier und Jetzt befördert wird und deswegen reichlich peinlich klingt. Immerhin ist der Name gut gewählt, „Oh Mein Gott“ wäre vermutlich auch das Erste, was Paula Abdul zu dieser Dorfdisko-Karaokeversion ihres Hits einfallen dürfte. Nico Suave und Henning Wehland zeigen im Anschluss noch einmal, wo der Frosch die Locken hat und begegnen „Fade To Grey“ zwar mit der gebotenen Ehrfurcht, erstarren jedoch nicht in derselben und ermöglichen dem Visage-Klassiker ein unterhaltsames Danefloor-Comeback.

Wilhelm Wieben liest seine Beschreibung dieses Samplers vermutlich wie eh und je vom Teleprompter ab, wenn er im Intro die „fantastischen Interpretationen sensationeller Fetenhits aus den 80er Jahren“ ankündigt.

Trotz einiger Ausfälle lässt sich jedoch bestätigen, dass „80’s Flashback“ tatsächlich das Kunststück gelingt, für die ewiggestrigen Liebhaber der verwursteten Originale nicht weniger interessant zu sein als für jene Zielgruppe, die ob ihrer Jugend hinter dem Namen „Extrabreit“ bisher eher eine besonders komfortable Slipeinlage vermutete!

Anspieltipps:

  • Sturm & Drang
  • Flashback
  • Kokain
  • Wir Rolln
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