Babyshambles - Shotter´s Nation - Cover
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Babyshambles Shotter´s Nation


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Seit nun schon fünf Jahren ist Pete Doherty (28) der Skandalrocker Nummer eins in Europa, denn der Ex-Libertine und Neu-Babyshambler steht mindestens einmal pro Woche dick in den Schlagzeilen. Aber nicht wegen seiner kreativen Künste, die Musikliebhaber und die Fachwelt in zwei Lager teilt (Dilettantismus vs. Genialität), sondern wegen seiner privaten Eskapaden. Da gibt es öffentlich ausgetragenen Beziehungszwist mit der berühmten Model-Freundin, Knastaufenthalte, laufend neue Gerichtstermine, Drogenabstürze, Reporter, die tätlich angegriffen werden und Termine (Konzerte, Interviews), die auf den letzten Drücker abgesagt werden – wenn überhaupt. Denn Herr Doherty bleibt auch gerne einfach so fort.

Das nervt gewaltig. Und trotzdem hat die britische EMI Pete Doherty einen gut dotierten Plattenvertrag gegeben. Wahrscheinlich dachten sich die Verantwortlichen, dass sie ein Produkt noch nie so einfach und günstig vermarkten konnten, da Pete Doherty höchstselbst für „Dauerwerbung“ sorgt. Doch ist dem wirklich so? Auch wenn es politisch höchst unkorrekt ist: Es gibt Menschen, die kommen auf Droge ziemlich cool rüber, und es gibt Menschen wie Pete Doherty, denen man für ihren Drogenkonsum und dem damit einhergehenden Verhalten stundenlang in die Fresse hauen möchte, bevor es für mindestens ein halbes Jahr ab in die Betty Ford Klinik geht.

Dass es Doherty und seine Band (Mick Whitnell an der Gitarre, Drew McConnell am Bass und Adam Ficek an den Drums) neben all dem Chaos irgendwie geschafft haben ein vollwertiges Album einzuspielen, ist die erste Sensation des Jahres 2007. Die zweite Überraschung ist, dass das von Stephen Street (Kaiser Chiefs, The Zutons, Suede, Graham Coxon) produzierte Werk streckenweise ein sehr hohes musikalisches Niveau erreicht, das einem vermeintlichen Drogenwrack wie Doherty nicht zugetraut werden konnte.

So ist der schnoddrige Dilettantismus des Vorgängers „Down In Albion“ (11/2005) einem relativ ausgefeilten Songwriting gewichen, aus dem die schrägen Gitarren und der wie bei einem Betrunkenen leiernde Gesang Dohertys wie charmante Krönchen herausragen. Inhaltlich bestätigt sich der 28-Jährige erneut als kleiner Poet von der Straße, der nette Alltagsgeschichten sowohl in ruppige („Delivery“) als auch in sanfte Indie-Rocksongs verpackt („The lost art of murder“) und zum besten gibt. Das ist zwar alles in allem längst nicht so sensationell wie es einige gerne hätten, aber trotzdem ganz weit von den täglichen Doherty-Klatschspaltenkatastrophen entfernt, die man, ob man nun will oder nicht, um die Ohren gehauen bekommt. In diesem Sinne: Gute Besserung!

Anspieltipps:

  • Delivery
  • Unbilotitled
  • Side of the road
  • French dog blues
  • The lost art of murder
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