Radiohead - My Iron Lung EP - Cover
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Radiohead My Iron Lung EP


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 28 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Titelgebende Track zeigt sofort, dass diese EP mehr als bloße Überbrückung ist.

Vielleicht wären die Jungs von Radiohead niemandem aufgefallen wäre da nicht ihre eine Single „Creep“ gewesen. Dieser Song hatte die Kritiker landesweit geeint und Radiohead mindestens zu einem Geheimtipp gemacht. Bei näherem Hinsehen war der Rest ihres Debüts „Pablo Honey“ nämlich nicht viel mehr als überdurchschnittlich guter Brit-Rock. Nichts wirklich Besonderes, aber nun einmal dieser eine magische Song. Wenn sich nach über einem Jahr ein Mini-Album anmeldet, dass nun eine Akustikversion dieses Liedes bietet horchen mindestens die Fans auf, was Thom Yorke und Band in einer knappen halben Stunde so mit ihren Instrumenten anstellen.

„My Iron Lung“, der Titelgebende Track, zeigt aber sofort, dass diese EP mehr als bloße Überbrückung ist. Es ist klare (und gute) Werbung für ihr nächstes Album. Verzerrte Klänge und ein Riff wie er brit-rockiger nicht sein könnte, geben Kritiker und Anhängern Hoffnung, dass Radiohead sich diesmal nicht so schnell mit gefunden Melodien zufrieden geben, sondern die Tracks sich nun auch innerhalb weiterentwickeln. Der Folgetrack „The Trickster“ knüpft genau da an, wo das Titellied aufgehört hat. Eher drückende Stimmung, vorantreibende Gitarren. Überraschend ist, dass nicht der Refrain selbst, sondern die Einleitung dazu das wohl emotionalste ist. Auf jeden Fall ein hörenswerter Track.

Es wäre natürlich zu schön, wenn sich das Niveau auf diesem Recht hohen Level halten könnte und auch wenn „Lewis (Mistreated)“ mit schwungvoller Strophe beginnt gerät das Stück letztendlich doch zu seicht. Auch „Punchdrunk Lovesick Singalong“ hat neben seinem interessanten Namen keine allzu großen Höhepunkte vorzuweisen. „Permanent Daylight“ punktet endlich wieder mit interessantem Arrangement. Zwar immer noch recht eingängig, aber das Lied ist dicht und geschlossen und erreicht eine hohe Intensität. Der Gesang Yorkes ist kaum zu verstehen und mehr ein Teil der Musik. Ein gutes Rockinstrumentallied. Der nächste Song spielt den tragischen Helden auf der EP. „Lozenge Love“ ist kein schlechtes Lied, nein, sogar ein recht gutes. Mit seinem sehr sauberen Akustikgitarrenspiel und den langen, hohen Tönen, die aus Thomas Mund kommen ist der Song wirklich gut, erscheint aber überflüssig in Anbetracht der Tatsache, dass ja noch die Akustiversion von Creep folgt. „You Never Wash Up After Yourself“ ereilt beinahe dasselbe Schicksal, doch dafür ist dieser nicht mal zweiminutenlange Song zu gut geraten.

Über „Creep“ lässt sich wohl nur sagen, dass man sich jetzt streiten darf welche Version man bevorzugt. Mit Akustikgitarre und klarerer Stimme kommt DAS Lied natürlich noch einmal ganz anders herüber. Letztendlich ist das Mini-Album von Radiohead doch gut gelungen und lässt in eine rosige Zukunft blicken. Vieles steckt zwar weiterhin nur in Ansätzen, aber im Vergleich mit dem ein wenig zu konventionellen Debüt war das doch schon ein ordentlicher Schritt. Eine Spieldauer von guten 28 Minuten ist für eine EP auch nicht schlecht und meist sinkt der Preis eines Silberlings ja im Zusammenhang mit den beiden Buchstaben EP.

Anspieltipps:

  • The Trickster
  • Permanent Daylight
  • You Never Wash Up After Yourself
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