Annie Lennox - Songs Of Mass Destruction - Cover
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Annie Lennox Songs Of Mass Destruction


  • Label: RCA/SonyBMG
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer im Musikbusiness einen großen Namen hat, der kann sich die Duettpartner aussuchen. Annie Lennox, Sängerin der weltbekannten Band Eurythmics, und seit den 90er Jahren solo sehr erfolgreich, heuerte für einen Song ihres neuen Longplayers 23 Sängerinnen der Extraklasse an: Madonna, Anastacia, KT Tunstall, Melissa Etheridge, Pink, Joss Stone und noch viele mehr begleiten Lennox bei dem Song „Sing“. Textlich beweist Annie Lennox mit ihrem Album wie dunkel sie die Welt betrachtet: Umweltzerstörungen, Aids und Unterdrückung sind nur ein kleiner Auszug aus den wirklich desillusionierten Ergüssen der Ausnahmesängerin Lennox. Sie schafft es in fast allen Tracks ihre Stimme zum Instrument umzuwandeln, die wie ein Sturm durch die Landschaft fegt, eindringlich und sehr emotional begeistert Lennox wieder ihre zahlreichen Fans, die ihr seit dem exzellenten Erstling „Diva“ aus dem Jahre 1993 die Treue halten.

Produzent Glen Ballard (Alanis Morissette, Shakira, Goo Goo Dolls) unterstützt die 52jährige bei ihren elf Eigenkompositionen, doch die Chefin ist eindeutig Mrs.Lennox. Die erste Single „Dark Road“ beschwört eine düstere Atmosphäre herauf. Die Facetten der lennoxschen Stimme werden offengelegt und mit dominierendem Piano gibt die Melodie alles, sich ins Ohr zu schmuggeln. Nach 2½ Minuten bindet Lennox die anderen Instrumente einschließlich Drums ein und ein kraftvoller Rock-Popsong von Dramatik und auch Pathos ist geschaffen, der die Klasse der Songschreiberin Lennox unter Beweis stellt.

„Love is blind“ enthält einen schwungvollen Melodievortrag und wirkt recht energisch, die Drums geben den schon fast marschähnlichen Takt vor. „Ghost in my Machine“ besitzt auch recht treibende Elemente, die viel Energie verbreiten und recht rockig vorgetragen werden. Mit „Womankind“ zieht Annie ein musikalisches As aus dem Ärmel, den hier herrschen auf einmal Black Music-Töne vor. Neben der Rapeinlage von Nadira X, die Dave Stewart entdeckte, überzeugt auch Backgroundchor. Das bringt Abwechslung. Als echte Reminiszenz an die gute 80er-Jahre-Synthiezeit geht „Coloured Bedspread“ durch, welches mit unterkühlten Beats und ebensolcher Stimme sehr elektronisch daherkommt, aber nicht so überzeugt wie die Balladen der schottischen Sängerin, beispielsweise das emotionale „Fingernail moon“.

„Sing“, das erwähnte Duett, fällt ein wenig aus dem Qualitätsrahmen, denn trotz des immensen Staraufgebotes besteht der Song fast nur aus dem Refrain, der immer wieder intoniert wird. Die hehre Botschaft des Textes, die Grundrechte für HIV-infizierte Frauen aus Südafrika zu fordern, reicht leider nicht aus, um musikalisch zu überzeugen. Ein echtes Highlight des Albums stellt aber „Big Sky“ dar: mit hypnotisch wirkendem Gesang und einem beherrschendem Piano spielt sich der Track in die Liga der überragenden Lennoxgoldstücke.

Um es noch einmal klarzustellen: Auch wenn Annie Lennox ein nicht so überzeugendes Stück komponiert, ist es immer noch überdurchschnittlich und ihre stimmlichen Fähigkeiten sind sowieso über jeden Zweifel erhaben. Nicht nur ihre Fans können sich über dieses Werk freuen, auch Musikinteressierte, die eine unverwechselbare und einzigartige Stimme mögen, die düstere Botschaften verbreitet, sollten sich diesen Longplayer zulegen.

Anspieltipps:

  • Dark Road
  • Ghost in my machine
  • Womankind
  • Big Sky
  • Fingernail Moon

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