Emanuel - Black Earth Tiger - Cover
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Emanuel Black Earth Tiger


  • Label: Vagrant/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 43 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Vor gut zwei Jahren legten Emanuel mit „Soundtrack To A Headrush“ einen kleinen aber feinen Überraschungserfolg hin. Das aus Louisville stammende Quartett bewies ein glückliches Händchen bei der Wahl der Zutaten ihrer Stil-Melange. Infektiöse Hooks trafen auf brachiale Power Riffs, schüchterne Delay-Gitarren umschmeichelten enthusiastisch dargebotene Gesangspassagen. In dem Genre-Buffet aus Punk, Post-Hardcore, Metal und Hardrock war für fast jeden ein kleines Schmankerl dabei.

Neugierig lege ich die Scheibe also in meinen Player. Oh ha, versehentlich zur aktuellen Deftones gegriffen. Was hat die bitte schön in der Hülle verloren? Seltsam. Obwohl, Moment! Genauer hinhören. Der Knabe, der da energisch aus den Boxen tönt, singt ja exakt das, was mir die Lettern des Emanuel Booklets verklickern möchten. Kein Irrtum also. Emanuel anno 2007 klingen großspuriger, ambitionierter. Mit einem gefühlten Produktionsbudget von sechsstelliger Höhe im Rücken, streben die Jungspunde in Richtung Stadion Rock. Dabei ist ihr Sound auf tracks wie „Anathamatics“ oder „Scenotaph“ deutlich von Glassjaw- bzw. Deftones-Reminiszenzen gefärbt, welche im direkten Referenzvergleich aber selten nach großem Tiger, sondern gezähmten Hauskater klingen. Wenn Matt Breen in exorbitanten Vocal-Sphären vor sich hinschwelgt, seidigen Organes die Flimmerhärchen des Hörers streichelt, gen Bridge dann den Screamo-Vorschlaghammer auspackt („My Antapex“), haben wir sie, die Zauberformel für das, was ein Plattenlabel gemeinhin wohl als „intense listening“ bezeichnen würde.

„Black Earth Tiger“ tritt das Gaspedal nie konstant durch, kaum ein Song rockt so knackig-tight geradeaus, wie man es noch vom Debüt in Erinnerung hatte („Hey Man“, „The New Violence“). Stattdessen: Prunk und Pomp en masse, Gitarrenwälle noch und nöcher und wenig eigene Identität. Spannungsbögen, die sich oft im Nichts verlaufen anstatt explosionsartig zu münden.

Emanuel erreichen weder das kompositionelle Geschick noch die emotionale Tiefe der Genregrößen, derer sie sich so offensichtlich bedienen. Zwar sind die Lieder strukturell sinnig und nach mainstream-kompatiblen Schemata arrangiert, trotzdem will sich selbst nach mehreren Durchgängen keines dauerhaft im Gehörgang einnisten.

Anspieltipps:

  • Anathamatics
  • Scenotaph
  • Phobos
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