Modeselektor - Happy Birthday - Cover
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Modeselektor Happy Birthday


  • Label: BPitch Control/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 75 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ideenreich und gleichzeitig kompakt.

Nach dem Debüt „Hello Mom“ aus dem Jahr 2005 ist es nun wieder Zeit für das Duo aus Berlin-Wedding, die kreativen Brainstormings und gutgelaunten Genre-Hoppings in Form eines Tonträgers auf die Freunde zünftiger elektronischer Musik loszulassen. Dabei haben sich Modeselektor illustre Gäste ins Studio eingeladen, die mit Thom Yorke von Radiohead sowie den allseits gefeierten Maximo Park (deren Beitrag nicht auf der Promo-CD enthalten ist) besonders prachtvoll klingen. Dazu kommen noch die Puppetmastaz, Paul St. Hillaire, Otto von Schirach und die französischen Rapper von TTC, wobei diese Gästeliste natürlich gut aussieht, doch auch ohne sie hätten Modeselektor mit „Happy Birthday“ für frischen Wind im elektronischen Sektor gesorgt. Den Stil der beiden zu beschreiben, grenzt an eine Unmöglichkeit. Nur soviel: Techno/House, Rap und cineastische Klanglandschaften bilden den Rahmen einer energischen, wie auch verspielt untermalenden Scheibe.

Das als Intro fungierende „Happy Birthday“ brilliert mit einem lockeren Beat, der fast schon im Reggae vorbeischaut und wird durch beherzte Melodien sowie dunklere Soundscapes zu einem atmosphärischen Allrounder, der im Club genauso wie auf dem heimischen Sofa Suchtpotential entwickelt. Während sich bei „2000007“ Liebhaber französischen Sprechgesangs an pumpenden Beats erfreuen, gefällt „Let Your Love Grow“ (feat. Paul St. Hillaire) mit einer gemächlichen Variante von Dancehall und entspannter Stimmung. Schon hier, also ziemlich am Anfang des prächtig bestückten Langspielers, fällt die Anordnung der Tracks positiv auf, denn so eine Stilvielfalt muss auch erst einmal verarbeitet werden. Immer wieder sind es ruhige, minimalistische Momente, die neben Club-Reißern wie „Sucker Pin“ und „Black Block“ platziert sind und so zu einer bestens präsentierten Gesamtatmosphäre verhelfen.

Besonders hervorzuheben ist die völlig auseinander genommene Coverversion von „Hyper Hyper“ (Scooter), die jedes Element des Originals destruktiv bearbeitet. Augenzwinkernd tritt dabei die Bass-Drum in den Mittelpunkt und jagt wie ein Flummi durch den Song. Man kann den Spaß, den Modeselektor dabei zusammen mit Otto von Schirach hatten, förmlich spüren und neigt zum dauerhaften Grinsen, wobei spätestens im überaus melancholischen, traumhaften „The White Flash“ wehmütige Eleganz diese Stelle einnimmt. Thom Yorke revanchiert sich mit diesem Gesangsbeitrag für den Modeselektor-Remix von „Skip Divided“ und macht einen guten Job, welcher schon anhand der vertrackten Beats und schwerelosen Melodie-Tupfer eine geniale Ausgangsposition bietet. Ein großartiges Stück in Radiohead-Manier, mit dem kein Track des Albums mithalten kann. Dennoch kann man festhalten, wie ideenreich und gleichzeitig kompakt sich die Berliner zurückmelden und ein ausführliches Probehören nahe legen.

Anspieltipps:

  • Happy Birthday
  • Sucker Pin
  • Edgar
  • The White Flash
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