Múm - Go Go Smear The Poison Ivy - Cover
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Múm Go Go Smear The Poison Ivy


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 45 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Schon die Aufmachung der limitierten Ausgabe von „Go Go Smear The Poison Ivy“ lässt erahnen, welchen extravaganten Opus uns die Isländer von Múm erneut präsentieren. In dem Frontcover des zu 100% recyclebaren Digipaks stecken vier austauschbare Karten, die mit sieben Zeichnungen von Ingibjörg Birgisdóttir geschmückt sind, und frei wählbar in der als Fensterrahmen fungierenden Vorderseite untergebracht werden können. In der Stammformation wieder auf die Gründungsmitglieder Gunnar Örn Tynes und Örvar Póreyjarson Smárason geschrumpft, machten sich Múm ohne die frühere, markante Stimme von Kristin Anna Valtysdóttir ans Werk, dessen Ergebnis unter anderem in einer finnischen und isländischen Schule eingespielt wurde.

Insgesamt sieben Musiker sind für diesen Longplayer verantwortlich und lassen ihn eingängiger als noch „Summer Make Good“ (2004) klingen. Obwohl auf das schemenhafte Zusammenspiel von vielseitiger Instrumentierung und bizarrer Electro-Sounds Verlass ist, gehen die Isländer auf „Go Go Smear The Poison Ivy“ gradlinigere Wege, die im Hause von Múm aber immer noch gute zehn Hördurchgänge brauchen, um sich als Hörer zurechtzufinden. Dafür wird sich aber jede investierte Minute auszahlen, denn was auf „Summer Make Good“ bereits außergewöhnlich, aber vielleicht einen Tick zu verquer war, kommt auf dem Nachfolger nahezu ohne Makel aus. Tanzbar von schwungvollen Percussions unterlegt, lässt einen schon der Opener „Blessed Brambles“ nicht mehr los, wenn eine kindlich entrückte Atmosphäre auf Glockenspiel, ein tröpfelndes Piano und plötzlich verstörende Schätze aus dem Synthesizer trifft.

Ein schier endloses Sammelsurium an in der Pop-Musik sträflich vernachlässigten Instrumenten erquickt so gut wie in jedem Stück und lässt durch die spielerische Herangehensweise viel Raum für Improvisationen, die auf eine definitiv nicht zu beschreibende Art eine klare Linie erkennen lassen. Es fügt sich patchwork-artig zusammen, was augenscheinlich nicht zusammen gehört und bricht mit Songwriting-Konventionen, dass es über die ganze Distanz eine außerordentliche Freude ist, diesem wieselflinken Ideenreichtum zu lauschen. Zum Glück ist auch kein Anzeichen davon zu merken, einer gewissen Einbahnstraße von allzu übertriebener Frickelei zum Opfer zu fallen. Dafür sorgen eingängige, manchmal sogar fast simple Elemente (man nehme nur die zurückgefahrene Piano-Ballade „Moon Pulls“) und das wundervolle Zusammenspiel aus männlichen/weiblichen Vocals. So endet das Album opernhaft und von sehnsüchtiger Inbrunst getragen mit „Winter (What We Never Were After All)“, dem bei einem Faible für isländisch extravaganter Musik nur eines folgen kann, nämlich die Repeat-Taste.

Anspieltipps:

  • Blessed Brambles
  • They Made Frogs Smoke `Til They Exploded
  • Marmalade Fires
  • Dancing Behind My Eyelids
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