The Weakerthans - Reunion Tour - Cover
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The Weakerthans Reunion Tour


  • Label: Burning Heart/SPV
  • Laufzeit: 37 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Led Zepplin, The Who, Cream, Police, Smashing Pumpkins und die Spice Girls. Wie Hollywood noch nie so viele Sequels und Remakes produziert hat, so hat die Musikkultur dieser Tage noch nie so viele Reunions gesehen. Doch Warum sollte man sich fragen. Juckt es wieder in den Fingern, so dass man alte Alphamännchenkonflikte über Board wirft, oder ist es wie in der Traumfabrik nur das Geld, was einen breit grinsend anlacht und man plötzlich doch wieder Lust hat mit den alten Jungs eine Bühne zu teilen. Glücklicherweise weiß man bei vielen Bands, dass es niemals zu Reunion-Tourneen kommt, wie zB The Beatles und den Rolling Stones, und bei anderen Bands wünscht man sich, dass sie niemals eine Wiedervereinigung, den das würde ja bedeuten, dass sich die Band zumindest kurzzeitig trennen würde. The Weakerthans aus Winnipeg, Kanada, ist eine solche Band. Entstanden aus der Punkband Propaghandi entwickelte sich schnell eine Popband um den Songwriter John K Samson, der es schaffte die Band mit dem bereits zweiten Album „Left And Leaving“ einen festen Platz in der Independent-Musik zu sichern. Drei Jahre später folgte das Album „Reconstruction Site“, bei dem sich Fans bis heute streiten, ob dieses oder doch das zweite Album das beste Album der Band sei. Eines ist jedoch für alle sicher: Das 2007 erschienene Album „Reunion Tour“ gehört nicht zu dem besten was die freundlichen Kanadier vollbracht haben.

Bereits das erste Stück „Civil Twilight“ deutet an, dass sich einiges in der Band getan hat. Nicht nur dass Greg Smith für den ausgestiegenen John P. Sutton jetzt den Bass bedient, auch die Arrangements an sich sind viel dichter und der Opener begrüßt den Hörer mit einem Stereo-Synthesizer. Doch spätestens im Refrain ist man sich sicher, dass man hier immer noch die Weakerthans von früher hört. Und vielleicht schwächelt deshalb auch „Reunion Tour“, denn wenn man vier Jahre lang die vergangenen drei Alben immer wieder hören muss, kommt einem plötzlich das „Hymn of the Medical Oddity“ unheimlich vertraut vor und man denkt beim Anfang von „Relative Surplus Value“ an „Our Retired Explorer“ oder ähnliche Weakerthans-Lieder, die einem so wichtig sind.

Erst ab „Tourmament of Hearts“ fühlt man sich wohler, zwar denkt man immer noch an eine zweitklassige Kopie des brillianten Originals, erstrecht wenn man wieder hört, dass John K. Samson danach wieder seinen Kater besingen möchte („Virtute the Cat explains her Departure“). Aber das macht er so schön, dass die ersten Gänsehaut-Attacken auftreten, wenn er im ¾-Takt „I can’t remember the sound you found for me“ singt und man feststellt wie lyrisch brilliant das Leben aus der Sicht eines Katers sein kann.

Der Rest des Albums fließt an einem vorbei wie die flüchtigen Sonnenstrahlen in „Sun in an empty Room“, die Bläser in „Bigfoot“ und die Erinnerungen an die schöne Studio-Session mit Sarah Hammer, die im Internet zufinden ist, und die großartigen GHvC-Konzerte. Gerade das schöne Gitarrensolo am Ende von „Utilities“ beendet das Album und die Reunion Tour und man steht vor der CD und weiß nicht so recht, ob man nicht noch länger hätte warten sollen oder ob es das überhaupt wert war; der Ruf einer Band ist gegen das persönliche Glück abzuwägen, dass man hat, wenn man noch einmal seine Lieblingsband sieht. Und eine Sache fehlt noch zu einer erfolgreichen Reunion Tour: Der Hit-Song, der Song weswegen der Stein ins Rollen gebracht wurde. Und meist ist er dann doch nur mittelmäßig.

The Weakerthans schicken „Night Windows“ ins Rennen. Einer der besten Songs, die in den letzten Jahren geschrieben wurden, womöglich sogar der Beste! Selten war eine Bassline so einprägsam, so catchy. Selten berüht ein Text so sehr, dass man ihn immer und immer lesen muss und es auch noch kann, mit der nötigen Distanz und der unvoreingenommenen Nähe. Der Song entwickelt einen Sog, dass man ihn immer und immer wieder hören muss; hätten The Weakerthans ein Album nur mit „Night Windows“ als einzigen Song gemacht, CDStarts wären sicher nicht die Einzigen sein, die die volle Punktzahl vergeben würden. Und man steht plötzlich neben John K. Samson, durch die Stadt gehend, die Lichter der Nacht nimmt man nur flüchtig wahr. Ein kalter Schauer läuft einem über dem Rücken, wenn er anfängt zu singen. „Remember how I’m sorry that I miss the way it could be“. Man selbst steigt in den Chor ein, melancholisch und an die verflossene Liebe denkend. Und man ist froh hier zu stehen mit jemandem, der einen versteht, man ist froh, dass sie wieder auf ihrer Reunion Tour sind, man ist froh, dass sie einfach wieder für einen da sind, die wunderbaren Menschen, die das ausdrücken, was man selbst nicht ausdrücken kann. Das können die Weakerthans am besten.

Anspieltipps:

  • Tournament of Hearts
  • Virtute the Cat explains her Departure
  • Night Windows
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