Pohlmann - Fliegende Fische - Cover
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Pohlmann Fliegende Fische


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 44 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Es gibt ja Lieder, da kennt man weder den Interpreten noch irgendwelche Hintergründe, und trotzdem kann man den Text vollständig mitsingen, weil der Song im Radio rauf und runter läuft. Und bei solchen Liedern, da ist es auch völlig gleich, ob man sie mag oder eigentlich ziemlich doof findet. „Wenn jetzt Sommer wär“ war so ein Song, der sich aus dem Nichts in die Gehörgänge fräste, als er im Jahr 2006 eine Aussicht auf das lieferte, was als „Sommermärchen“ in die Geschichte dieses plötzlich zu einem Hort der Herzlichkeit und Weltoffenheit mutierten Landes einging. Auch für sein Zweitwerk ist diesem Interpreten, der übrigens Ingo Pohlmann heißt, so ein Lied eingefallen: „Auch wenn es scheeeeint, dass nichts gelihiiiingt, ist’s manchmal das, ganz genau dahas, waaaas uns weiterbrihiiiiiingt“ singt er in seiner ersten Single seines zweiten Albums, pfeift dazu fröhlich und sichert sich einmal mehr aufdringlichste Präsenz im Radio. Wer den Namen des Interpreten noch immer nicht kennt, behauptet einfach, das sei „der deutsche Jack Johnson“, mit dem wird der gelernte Maurer nämlich gern mal verglichen.

Doch der fröhliche Gitarrenpopper hat noch mehr zu bieten als diese zwei Radiohits und einen schmeichelnden Vergleich. Auf seinem aktuellen Werk „Fliegende Fische“ gibt es nämlich gleich elf weitere, mehr oder weniger fröhliche Lieder, über Kunstwelten, Naturwunder und natürlich auch über die Liebe. Auf Albumlänge jedoch mag das Konzept der schlichten, greifenden Gitarrenmelodie nicht so recht aufgehen. Da gibt es ob der Einfachheit der Kompositionen nämlich bereits nach wenigen Hördurchgängen nichts Neues mehr zu entdecken. Nur selten lassen die Texte irgendwelche Fragen offen und musikalisch ist’s eben ein sehr überraschungsarmer Brei, den Pohlmann und seine Band dem Hörer servieren. Sicherlich, niemand braucht einen weiteren Künstler aus der Kopfficker-Fraktion der in verschachtelten Zeilen Alles und Nichts sagt, doch ein wenig poetisches Vermögen hat der Halbwertszeit eines Songs noch nie geschadet. Hier fallen die Botschaften doch sehr plump mit der Tür ins Haus. „Die Liebe lässt so gern auf sich warten, nur die Geduld hält sie in Atem“ weiß Pohlmann vom „Schlachtfeld der Liebe mäßig gereimt zu berichten, im balladesken „Das Glück“ ist eben Jenes „immer nur ein paar Tränen von dir entfernt“ und „du bist ihm schon der Spur“ soll uns sagen, dass nach dem Regen die Sonne kommt. Nein, wirklich?

Das Pohlmann’sche Lieblingsthema jedoch scheint zu sein, mal etwas zu riskieren und Grenzen zu überwinden, wozu er im Titelsong dann auch 1:1 auffordert. Fragt sich, warum er selbst es nicht so recht wagt, die ausgetrampelten Pfade zu verlassen. Der „Mördersong“ beweist nämlich zum Abschluss mit einer pointierten Gegenüberstellung von Glück und Unglück, dass Talent genug vorhanden ist, um nicht in Belanglosigkeit zu versinken. Und singen, das soll hier unbedingt noch erwähnt werden, kann er wirklich gut, der Ingo. „Fliegende Fische“ jedoch gerät insgesamt textlich und musikalisch zu eindimensional um wirklich zu beeindrucken. Aus einer kritischen Einschätzung seines Werkes wird Pohlmann aber sicherlich die richtigen Schlüsse ziehen, denn er weiß ja: Wenn es scheint, dass nichts gelingt, ist’s manchmal das, ganz genau das, was uns weiterbringt!

Anspieltipps:

  • Wenn Es Scheint, dass Nichts Gelingt
  • Mördersong
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