Stars - In Our Bedroom After The War - Cover
Große Ansicht

Stars In Our Bedroom After The War


  • Label: City Slang/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 56 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Zerbrechliche Klanggebilde wie die wunderschöne Pianoballade „Barricade“ oder das teilweise von Campbell mit Kopfstimme vorgetragene „The ghost of Genova Heights“ versetzen den Hörer in stille Trance.

Die Frage, wann eine Indie-Band ihr Schattendasein in verrauchten Bars und kleinen Clubs abgelegt hat und zur aufstrebenden, kommerziell erfolgreichen Speerspitze des Undergrounds gezählt wird, verwischt in der heutigen Zeit, wo Plattenverkäufe aus dem Keller nicht mehr herauskommen wollen, zusehends. Reicht es bereits international im Gespräch zu sein oder muss schon zusätzlich eine Edelmetall-Auszeichnung her um wirklich als Topseller angepriesen zu werden, damit in weiterer Folge der Sprung vom aufstrebenden Indie-Act zu einer massenkompatibleren Band gemeistert werden kann? Die kanadische Truppe Stars kann das bereits alles vorweisen. Ein in ihrer Heimat mit Gold ausgezeichnetes Album („Set yourself on fire“, 08/2005), beinahe weltweites Medienecho und ein Selbstbewusstsein wie die ganz Großen.

Jedoch fehlt anscheinend noch immer der zündende Funke, der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt und Torquil Campbell (Gesang), Amy Millan (Gesang, Gitarre), Evan Cranley (Bass), Chris Seligman (Keyboard) und Pat McGee (Schlagzeug) über Nacht zu richtigen Stars macht, denn dann könnte man das „Indie“ aus der Genre-Bezeichnung einfach streichen, merken würde das angesichts der fabelhaften Songs des Fünfers sowieso niemand. Da gibt es zum einen den düster betitelten und keineswegs fröhlicher auf musikalischer Ebene tieftönenden Opener „The beginning after the end“, der den roten Teppich für den ersten Höhepunkt, das still und gemächlich vor sich hin flackernde „The night starts here“, ausbreitet, welches eine Überleitung in das euphorische Pop-Juwel „Take me to the riot“ findet, die, wie die meisten Songs der Stars, zu großen Teilen von der Chemie zwischen Campbell und Millan leben. Ab da ist man gefangen in der stets lyrisch-melancholischen und doch optimistischen Welt der Kanadier, die ihr Füllhorn an Melodien und Harmonien für Ungeduldige bereits über zwei Monate vor dem offiziellen Release als digitalen Download angeboten haben, um möglicher Internet-Piraterie von vorhinein eins auszuwischen.

Drei Jahre hat es gebraucht, bis der Nachfolger zu „Set yourself on fire“ das Licht der Musikläden erblickt hat. Drei Jahre, in denen die Band dem großen Erfolg und der unzähligen Konzerte auf dem halben Erdball verstreut zum Trotz nicht an den persönlichen Turbulenzen in dieser Zeit zum Opfer gefallen, sondern standhaft geblieben ist. Der Titel „In our bedroom after the war” darf also durchaus als Statement der Band verstanden werden, dass sämtliche Krisen überwunden sind und sich der kreative Arbeitsprozess um intime Geschichten und berührende Erzählungen „in our bedroom“ gedreht hat. Zerbrechliche Klanggebilde wie die wunderschöne Pianoballade „Barricade“ oder das teilweise von Campbell mit Kopfstimme vorgetragene „The ghost of Genova Heights“ versetzen den Hörer in stille Trance, doch die Stars beweisen, dass sie auch richtig laut aufdrehen können. „Bitches in Tokyo“ ist so ein rockiges Ungetüm, dem man sich erst gar nicht widersetzen will und auch der Titeltrack baut zaghaft eine Wall of Sound auf, die zwar nicht mit der eines Arcade Fire-Outputs konkurrieren kann, aber dennoch eine ungeheure Sogwirkung entstehen lässt. Und letztendlich gibt es noch Stücke wie z.B. „Midnight coward“, in denen mit Mädchenstimme und männlichem Gegenpart dem Pop in bester Reinkultur gefrönt wird. „It´s us / Yeah, we´re back again” verlautbart Torquil unaffektiert im titelgebenden Stück – Danke dafür!

Anspieltipps:

  • Bitches In Tokyo
  • Take Me To The Riot
  • The Night Starts Here
  • The Ghost Of Genova Heights
Neue Kritiken im Genre „Indie-Pop“
5/10

Mints
  • 2017    
Diskutiere über „Stars“
comments powered by Disqus