Genepool - Sendung Signale - Cover
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Genepool Sendung Signale


  • Label: Nois-O-Lution/INDIGO
  • Laufzeit: 39 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Unbeabsichtigtes Soundkalkül. Genepool experimentieren zwar was das Zeug hält, aber weniger ist oft mehr. Und der Verzicht mancher überflüssiger Klangtüftelei, hätte „Sendung/Signale“ zu einer weitaus eindringlicheren Dosis musikalischer Signalwirkung verholfen.

Mehr Projekt als Band. Ob „Scumbucket“, „Ken“ oder „Intern. Friendship Society“. Irgendwie hatte immer ein Abgesandter eben genannter Gruppen eine Hand oder mehrere im Spiel, als die Aufnahmen zu Genepools’ zweitem Studioalbum in Angriff genommen wurden. Zusammen mit Frontmann Jake Letten (Smoke Blow) will die Band anno 2007 unstrukturierter, unverfälschter und gegensätzlicher ertönen, wie all die anderen uns bekannten Indie-Pop/Elektro-Formationen zusammen. Aber vielleicht ist auch gerade dieses Streben der Grund dafür, dass Sendung/Signal umso mehr nach den Kasabians, Maximo Parks oder Kaiser Chiefs’ unserer heutigen Musiklandschaft klingt als beabsichtigt. Denn Außer einem etwas eindringlicheren, noch mehr ins 80er Jahre New-Wave-Gewand gehüllten Sound, sind die audialen Gemeinsamkeiten mit denen fast täglich aufs neue gehypeten „Britrockern“ unserer Tage nicht vom Ohr zu weisen.

Ob vorsätzlich düster und kühl produziert wie der Opener „About To Say Hello“ (Interpol lässt grüßen!) oder das mit nervenden „Supernintendo-Klängen“ hoch Synthesizer-ierten „Please Do Not Go“. Das erinnert doch stark an den Tanzflächigen Pop-Sound aktueller Prägung. Mit trendig unterkühltem Grundtenor versehen, um danach mit dem geradewegs hymnisch ausufernden Refrain den Indie-Dancefloor zum kochen zu bringen. „Sence Of Distance“ wirkt überspannt hektisch und man wartet vergebens auf eine individuelle akustische Duftmarke der Band. Das total überflüssige in Trance-Sampler-Sphären abdriftende „Dead Radio“ kann man schlicht als Totalausfall titulieren. Ein lieblos vor sich hinbummernder Füller, den wahrscheinlich jeder ansatzweise Computerbefähigte Teenager mit seinem PC und diverser Mix-Software hätte zusammenstückeln können.

„Killer Bee“ hat zwar einen erfrischend punkig-schimmernden Anstrich, bröckelt dann aber kurz darauf wieder zu einem melodischen Allerlei zusammen. Erst „Just A Dream“ leitet schließlich doch noch, den nicht mehr für möglich gehaltenen Umbruch zum Positiven ein. Hier werden die Gitarren nach allen Regeln der Rockkunst bearbeitet und in bester „Sisters Of Mercy“ Tradition huscht die Band durch des Hörers Gehörgänge. Es geht doch! Präziser, härter und geradliniger als die teilweise uninspiriert zu scheinenden vorherigen 25 Minuten. „The trend is your friend“ sinnierte einst Uli Hoeneß. Und eben dieser positive Aufwind setzt sich mit dem bissigen „Suicide Drive“ nahtlos fort. Spätestens nach „Susperia“ kann man wenigstens den letzten Stücken dieser Platte Sympathien abgewinnen. Hier werden die teilweise überladenen elektronischen Mischpult-Sounds auf ein Minimum reduziert und geradeaus nach vorne gerockt.

Eine Platte die nach schwachem Start, gerade im letzten Drittel enorm an Charme gewinnt. Trotz allem verweist das Meiste auf Sendung/Signal zu verkrampft nach Ich-Will-In-Die-Indie-Charts-Attitüde. Schade eigentlich. Denn mit ein bisschen mehr „Band“ und etwas weniger „Projekt“, hätte dieses Album sicherlich für einen weitaus höheren Unterhaltungswert sorgen können.

Anspieltipps:

  • Just A Dream
  • Suicide Drive
  • Susperia
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