Down - Over The Under - Cover
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Down Over The Under


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 60 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

„Over The Under“ ist laut, dreckig und rockt.

Anfangs ein in den Himmel gelobtes Nebenprojekt, dann wieder in der Versenkung verschwunden um zwar mit einem Knall, aber einer kommerziellen und künstlerischen Bauchlandung zurückzukehren, hat die Supergroup Down schon mit ihren bisher zwei veröffentlichten Werken „NOLA“ (1995) und „A bustle in your hedgerow“ (2002) bereits alle Höhen und Tiefen einer jeden x-beliebigen, herkömmlichen Rock/Metalband erlebt. Und auch der dritte Longplayer wird die Gemüter spalten, die Kritiker zur Weißglut bringen und die Fans einem Wechselbad der Gefühle aussetzen, denn „Over the under“ ist keineswegs eine einfache Platte.

Was einen im Opener „Three suns and one star“ für 40 Sekunden erst einmal völlig außer Gefecht setzt, ist die hereinbrechende Instrumentenlawine aus tiefer gestimmten E-Gitarren und einem unheilvoll agierendem Schlagzeug, deren düstere und geschwärzte Beschaffenheit durch einen vor sich hin murmelnden Phil Anselmo (Pantera, Superjoint Ritual) zusätzlich verstärkt wird. Willkommen in England, anno 1970, wird sich da ein mancher denken, erinnert diese präzise in Szene gesetzte Geräuschkulisse schließlich an die Atmosphäre auf Black Sabbaths selbstbetitelten Erstling. Ein Eindruck, der sogleich durch zähflüssiges Riffing in „The path“ bestätigt wird. Dafür schrauben Down mit einer rhythmischen Breitseite der nachfolgenden Tracks (N.O.D., „I scream“) das Tempo in die Höhe und zeugen von einer sowohl musikalischen als auch bandinternen Einheit.

Danach geht das Spiel wieder von vorne los und doomiges Schneckentempo und zugekiffter Stoner Rock geben sich die Klinke in die Hand, wodurch Down einen herben Seiltanz zwischen den beiden Stilen vollführen und eben nicht nur amtlich abrocken, sondern auch düster und mit jeder ihnen zur Verfügung stehenden instrumentalen Gewalt aus den Boxen fließen. Die Gitarristen Pepper Keenan (Corrosion Of Conformity) und Kirk Windstein (Crowbar), sowie Bassist Rex Brown (Ex-Pantera) und Drummer Jimmy Bower (Crowbar, Superjoint Ritual, Eyehategod) haben sich in dieser Hinsicht nicht nur auf die Produktion von Warren Riker (Santana, The Fugees), der auch den Vorgänger betreut hat, verlassen, sondern dreschen dafür auch stärker auf die Felle oder greifen erbarmungsloser in die Saiten.

Keine Frage: „Over The Under“ ist laut, dreckig und rockt. Leider reicht das nicht, denn je länger der neue Silberling der Allstar-Truppe im CD-Player rotiert, desto eintöniger, behäbiger und einfallsloser wirken die rauschhaften Klanggebilde, die von Durchgang zu Durchgang an Härte und Überzeugungskraft verlieren, ganz so als sei „In der Stärke liegt die Kraft“ der Leitspruch bei den Aufnahmesessions gewesen. Da kann man nur von Glück reden, dass sich mit dem besonnen Zwischenspiel „His majesty the desert“ und dem herausstechenden, acht Minuten langen Wälzer „Nothing in return“ doch noch zwei Stücke auf die Platte verirrt haben, die neben dem trotzigen „Pillamyd“ und der Dampfwalze „I scream“ so etwas wie einen Wiedererkennungswert in sich tragen.

Anspieltipps:

  • I Scream
  • Pillamyd
  • Nothing In Return
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