Seidenmatt - The Goal Is To Make The Animala Happy - Cover
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Seidenmatt The Goal Is To Make The Animala Happy


  • Label: Sinnbus/ALIVE
  • Laufzeit: 46 Minuten
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9.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Seidenmatt verlieren zwar alle ihre Vokale (und ein T). Gewinnen aber durch einen ungeheueren musikalischen Reifeprozess an Größe und Vielschichtigkeit. SDNMT musizieren kompakten und vielschichtigen Post-Rock inklusive verspielter Rhythmen, einer bemerkenswert aufeinander abgestimmten Instrumentierung und facettenreichen Klangkonstruktionen.

Auch das dritte Album der Berliner Band lebt erneut von seinen akustisch vorgetragenen Geschichten. Diese werden auf „The Goal Is To Make The Animals Happy“ wiederum vielmals instrumental abgehandelt. Aber auch die bei einigen der neuen Stücke vorgenommene, stärkere Einbindung des bisher eher vernachlässigten Gesangs, erweist sich als ein bemerkenswerter Schritt nach vorne. Wie auf „Sho-Ryu-Sdnmt“ oder dem verspielten, mit Chor besetzten „Waking The Forest“, beglücken uns SDNMT mit aus dem Bauch heraus gespielten und liebevoll arrangierten Songhighlights.

Schmiegten sich die Stimmen auf dem Vorgänger „If You Use This Software Often“ noch vielmehr wie zusätzliche Instrumente in ihren Sound, so stehen sie hier nun mitunter als selbstbewusste Führungspersönlichkeiten im Zentrum einiger Kompositionen. Was nicht heißen soll, dass wir es nun hier mit einer eindeutigen Vokalrockband zu tun haben. Die instrumentalen Berg- und Talfahrten überwiegen hier noch immer. SDNMT jonglieren mit bewährten Indierock-Elementen, erweitern diese durch krachend rasende Rock-Ausbrüche und schmücken ihre Zusammenstellungen mit elektronischem Beiwerk und melodiösen Refrains. Aus diesen Zutaten entsteht eine urgemütliche Soundlandschaft, in der man sich liebend gerne niederlassen, eine Familie gründen und alt werden möchte.

Ob die verschrobenen Rhythmen eines „Basses Basses“ oder die einen umschnürende und festzurrende Atmosphäre auf „26/20 (SOL Where Is It?)“. Hier fühlt man sich einfach pudelwohl. Hier will man für immer bleiben! Und Ihre Klangweiten erscheinen zielgerichteter und homogener denn je. SDNMT zeigen, dass intelligente und lebendige Musik auch ohne Schwierigkeiten in heimischen Gefilden gedeihen kann. Auf Instrumentalschönheiten wie „Smallest Narrative Unit“ oder „G.Ranulat U.Nd Z.Ehren, Y.All“ wird auf jegliche unnötigen Feinschliffmaßnahmen verzichtet. Töne gehen ineinander über, verstreuen sich kurz darauf wieder in alle Himmelsrichtungen, um schließlich in jenem unnachahmlichen Hörgenuss zu verschmelzen.

Wer sich auf der Suche nach ebenbürtigen Alternativen zu „Mogwai“, „Minus The Bear“ oder „The Appleseed Cast“ befindet, der wird an „The Goal Is To Make The Animals Happy“ auf keinen Fall vorbeikommen. Scheinbar von jeglichem inneren und äußeren Druck losgeeist, streben SDNMT entspannt und befreit, imposant und berauschend in Richtung Post-Rock-Olymp.

Anspieltipps:

  • 26/20 (SOL Where Is It?)
  • Sho-Ryu-Sdnmt
  • Waking The Forest
  • Smallest Narrative Unit
  • G.Ranulat U.Nd Z.Ehren, Y.All
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