Herbie Hancock - River: The Joni Letters - Cover
Große Ansicht

Herbie Hancock River: The Joni Letters


  • Label: Verve/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 68 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine ganz persönliche Liebeserklärung an Joni Mitchell und ihr künstlerisches Schaffen.

Herbert Jeffrey „Herbie“ Hancock: Ein Musiker, der seit 45 Jahren die Jazz-Musik prägt wie kaum ein anderer. Ein Pianist, der die Vorstellung und Improvisation des Klavierspiels seit jeher nachdrücklich beeinflusst und mit seinen massenhaften Produktionen und Kompositionen immer wieder neue Maßstäbe gesetzt hat. Ein Bandleader, der sich im Umfeld der jungen Soul-Jazz-Wilden über die Zusammenarbeit mit Miles Davis bis hin zu den Exkursionen zum gegenwärtigen modernen Jazz, zu einem der Stil prägenden Persönlichkeiten dieses Genres entwickelt hat. Hancock, der 1986 einen Academy Award für seinen Soundtrack zum Film „Round Midnight“ überreicht bekam und den man ohne Zweifel zu einem der charismatischsten Jazzpianisten auf unserem Globus zählen muss. Ein Mann, der auch mit stolzen 67 Jahren nicht an Stagnation denken mag und der trotz seines Status einer „lebenden Legende“ immer wieder neue Herausforderungen sucht.

Nun präsentiert er mit „River: The Joni Letters“ seine ganz persönliche Liebeserklärung an Joni Mitchell und ihr künstlerisches Schaffen. Auf dem von Mitchells Ex-Ehemann Larry Klein produzierten Album taucht Hancock ein, in die Welt einer der bedeutendsten Singer/Songwriterinnen der ersten Generation und hüllt ihre schönsten Songs in ein neues jazziges Gewand. Zusammen mit einer Hand voll illustren Gästen (auch Joni Mitchell höchstpersönlich) interpretiert er ihre Lieder auf seine ganz eigene Art und vereint dabei traditionelle Jazzklänge mit modernen Popmelodien und intimen Solopassagen.

Ob zusammen mit Norah Jones auf „Court And Spark“ oder unterstütz von der englischen Soulsängerin Corinne Bailey Rae in „River“. Hancock schafft es die individuellen musikalischen Expressionismen der jungen Damen, mit seinem außergewöhnlichen Tastenspiel überaus zwanglos und entspannt zu vereinen. Ferner verleiht Saxophon-Genius Wayne Shorter dieser Platte eine packende Intensität, die in jeder Note seiner Blaskünste spürbar ist. Aber auch Musik-Ikonen früherer Tage laufen im Zusammenspiel mit „Herbie“ und seinen Jazzmannen, zu nicht mehr geglaubten Höchstleistung auf. Auf „Edith And The Kingpin“ brilliert eine gezähmt zu scheinende Tina Turner mit ungeahnter Sanftheit in ihrer Stimme. Und auch das mit dem mittlerweile zum buddhistischen Mönch konvertierten Leonard Cohen zum Besten gegebene „The Jungle Line“ gehört zweifelsohne zu den Höhepunkten dieses Albums. Und wenn Joni Mitchell mit der Neuauflage ihres mystischen „The Tea Leaf Prophecy“ einen eigenen Song in neuem Glanz erstrahlen lässt, bleibt nur eine Frage offen: Jazz-Herz, was willst Du mehr?

Herbert Jeffrey „Herbie“ Hancock: Ein Musiker, der hier bereits mit den ersten Takten den Hörer in seinen Bann zieht. „River: The Joni Letters“ sind persönliche, transparente und überraschend unkomplizierte Jazzkompositionen, die fern ab von manchen früheren, ab und zu auch mal am musikalisch-geschmacklichen Abgrund angrenzender Werke Hancocks, so prächtig funktionieren. Und der Meister beweist wieder mal in bestechender Art und Weise, dass er nicht umsonst zu den größten noch lebenden Jazz-Musikern zu zählen ist.

Anspieltipps:

  • Edith And The Kingpin
  • River
  • The Tea Leaf Prophecy
  • The Jungle Line
Neue Kritiken im Genre „Jazz“
Diskutiere über „Herbie Hancock“
comments powered by Disqus