A Life, A Song, A Cigarette - Fresh Kills Landfill - Cover
Große Ansicht

A Life, A Song, A Cigarette Fresh Kills Landfill


  • Label: Siluh Records
  • Laufzeit: 42 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

A Life, A Song, A Cigarette – das ist bis hierhin schon mal eins, nämlich ein interessanter Bandname. Hinzu gesellen sich mit den Shout Out Louds und The New Pornographers, mit denen die fünf Jungs schon auf der Bühne standen, interessante Referenzen. Und mit Wien eine für ihren Stil eher ungewöhnliche Herkunft. Ihr Stil, das ist Singer/Songwriter-Rock mit viel Folk-Einfluss, vielen Instrumenten und vielen wundervollen Einfällen. Und so etwas ist aus Österreichs Hauptstadt, die hierzulande vornehmlich mit Klassik und Oper assoziiert wird, eigentlich nicht zu erwarten. Da ist es fast schon ein Skandal, dass die Bemühungen um eine Förderung aus dem Österreichischen Musikfonds erfolglos blieben!

Ihr Debütalbum realisierten die sechs Jungs um Sänger und Texter Stephan Stanzel auch ohne Fördergelder, und das Ergebnis dürfte den Verantwortlichen des Unterstützungverweigerers die Schamesröte ins Gesicht treiben, auch wenn es mit „Fresh Kills Landfill“ den Namen einer der größten Mülldeponien der Welt, auf Staten Island/New York, trägt. Und dass ein gigantischer Müllberg eigentlich nichts anderes ist, als eine Ansammlung von „Milliarden von zusammengepferchten Gegenstandssplittern, die alle ihre eigenen Geschichten erzählen, und denen nur gemeinsam ist, dass sie jetzt alle Asche sind“ (Gitarrist Hannes Wirth) ist vermutlich die zugewandteste Betrachtungsweise, die einer Mülldeponie jemals zuteil wurde.

Sehr verspielt und energetisch klingt das, was A Life, A Song, A Cigarette sich auf ihrem Debüt zurechtmusizieren. Gesang und Songwriting weisen zwar eine gewisse Nähe zu Conor Oberst und seinen „Bright Eyes“ auf, doch deren Hauptdisziplin bleibt Außen vor: Das Jammern. „Fresh Kills Landfill“ ist nämlich eher so etwas wie eine ausgelassene Party mit gelegentlichem Innehalten. Ein passender Gast für diese Feierlichkeit wäre Shane MacGowan gewesen, denn das herrlich versoffene „Please Let Me Drink Away My Broken Heart“ könnte vermutlich niemand auf dieser Welt besser unter die Leute bringen, als der regelmäßig betrunken von der Bühne fallende Frontmann der Pogues. Der Einstieg gerät mit „A Chord To Start A Tune“ melodieverliebt, in der Folge ist „Love“ der melancholische Höhepunkt, bevor ausgelassen getanzt werden darf, wenn die Trompete im ekstatischen „Change“ den Ton angibt oder das Schlagzeug die „Fresh Kills Melodies“ kraftvoll vor sich hertreibt. Die Auswahl der eingesetzten Instrumente (unter anderem klingen Hawaii-Gitarre, Mandoline, Harfe, Akkordeon und Kalimba mit) zeugt von derart ausgeprägter Experimentierfreude, dass auch Pippi Langstrumpf als einer der zahlreichen Einflüsse durchgehen würde. Veredelt wird all dies von der wundervollen Ginger Dellenbaugh, deren Gesang der Mehrzahl der Lieder auch jene Gefühle zu entlocken vermag, über die Männer unter sich eigentlich nicht reden würden.

Dass nicht jeder der 13 Songs die Qualität der genannten Kompositionen halten kann, noch nicht alle Melodien konsequent zu ihrem Ende geführt werden, ist weniger ein Makel als ein Versprechen an die Zukunft. In dieser dürfen wir noch einiges erwarten von A Life, A Song, A Cigarette, soviel ist mal sicher. Die Mülldeponie „Fresh Kills Landfill“ gibt es übrigens nicht mehr, dort wo einst die zusammengepferchten Gegenstandssplitter Geschichten erzählten, lädt heute eine weitläufige Grünanlage zum Verweilen ein. Fast ein bisschen schade, haben wir doch gerade erst die „inneren Werte“ von „Fresh Kills Landfill“ zu schätzen gelernt!

Anspieltipps:

  • Love
  • Change
  • A Chord To Start You On A Tune
  • Please Let Me Drink Away My Broken Heart
Neue Kritiken im Genre „Indie-Rock“
6.5/10

Niente
  • 2017    
Diskutiere über „A Life, A Song, A Cigarette“
comments powered by Disqus