Riverside - Rapid Eye Movement - Cover
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Riverside Rapid Eye Movement


  • Label: Inside Out/SPV
  • Laufzeit: 56 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Können ist, wenn man sein erstes Album veröffentlicht und dafür von Kritikern und Konsumenten in seltenem Einklang Lobeshymnen vorgesungen bekommt. Selbstbewusstsein ist, wenn man sein erstes Album veröffentlicht und verlauten lässt, dass dies der Auftakt einer Trilogie sei. Offensichtlich rechnete man fest mit dem Erfolg. Wenn Können und Selbstbewusstsein aufeinandertreffen, kann das Produkt natürlich mannigfaltig ausfallen, aber eines von vielen möglichen Ergebnissen trägt völlig zu Recht die Bezeichnung „Riverside“. Riverside ist eine dieser Nachwuchsbands, die schon nach zwei Alben zu einer renommierten Institution ihres Genres geworden sind; erkennbar daran, dass die Veröffentlichung des dritten Werkes keine vagen Hoffnung mehr, sondern feste Erwartungen begleiten.

Im Jahr 2001 gegründet, wurde die Band bereits kurz nach dem Erscheinen ihres Debüts „Out of myself“ 2003 vom wohl bekanntesten Prog-Label Inside Out unter Vertrag genommen. 2005 kam des Zweitwerk „Second life syndrom“ heraus, das auf die Güteklasse des Erstlings noch mal gehörig draufsatteln konnte. Den Abschluss der „Reality Dream“ genannten Trilogie über Einsamkeit, Lebenssinn und diese ganzen glückselig stimmenden Dinge markiert nun „Rapid Eye Movement“, das, soviel sei vorweg verraten, in jeder Hinsicht die absolute Krönung darstellt. Riverside kommen aus Polen, doch keine Sorge: hier ist garantiert nichts geklaut! Selbstverständlich sind Parallelen zu Bands wie Porcupine Tree, Anathema, Opeth und Tool nicht von der Hand zu weisen, aber schließlich handelt es sich hier auch nicht um die Neuerfindung des Melancho-Progs, sondern „nur“ um die essentielle Darbietung all dessen, was Liebhaber dieser Musik so an ihr mögen.

Zur Untermauerung dieser These dient schon der Opener „Beyond the eyelids“. In einer solchen Intensität hat man progressiven Metal in diesem Jahr noch nicht vernommen. Allein der hintergründig hallende Gesang von Mariusz Duda (auch am Bass zu bestaunen) ist Anlass genug, sich diesen Song immer wieder anzuhören. Spätestens bei „Rainbow box“ fällt auf, dass Riverside deutlich düsterer geworden sind, was jedoch nicht zu Lasten der Hörbarkeit geht. Ganz im Gegenteil. Doch die neu entdeckte Düsternis steht dem Stil der Band hervorragend zu Gesicht. Riverside haben schlichtweg nie besser geklungen. Einen weiteren Beleg dafür findet man in der Vorabsingle „02 Panic Room“. Das leicht spacig wirkende Lied hätte sich auch wegen seines eingängigen Riffings wunderbar auf dem letzten O.S.I.-Album „Free“ (2006) gemacht. Eher an Opeth's Meisterwerk „Damnation“ (2005) erinnert das anschließende „Schizophrenic Prayer“. „Parasomnia“ greift die Düsternis erneut auf und verarbeitet sie in wild aufspielenden Gitarrenklängen zu denen die darauf folgende Ballade „Through the other side“ einen angenehmen Kontrast bildet. Auch das zum Sterben schöne „Embryonic“ und (in etwas geringerem Maße) „Cybernetic pillow“ sind von der gediegeneren Sorte, was notwendig ist, denn der abschließende „Ultimate Trip“ verlangt die volle Aufmerksamkeit des Hörers. Hier ziehen Riverside noch mal alle Register und führen den genialen Abschluss der Trilogie einem würdigen Ende entgegen.

„Rapid Eye Movement“ – das ist tonnenweise Atmosphäre, die auf tiefe Verzweiflung, herzzerreißende Traurigkeit und unheilvolle Düsternis trifft. Das ist aber auch perfekt und unverkrampft dargebotene progressive Musik zwischen Rock und Metal. Die Wahl zu meinem persönlichen Album des Jahres wird mir dieses Mal so schwer fallen wie noch nie zuvor; und wir haben ja noch drei Monate vor uns. Der kreative Output ist in diesem Jahr im Grunde nicht begreifbar. Es muss irgendeine Art Magie in der Luft liegen, die alle talentierten Bands befällt. Riverside scheinen diese Magie vollständig in sich aufgesogen und auf Platte gebannt zu haben. Da muss man auch als Porcupine-Tree-Fanatiker anerkennen, dass Riverside einen beispiellosen, wahrhaft ultimativen progressiven Trip abgeliefert haben, mit dem sich „Fear of a blank planet“ nicht messen kann.

Es ist übrigens dringend empfehlenswert zur Special Edition zu greifen, der eine zusätzliche CD mit Bonusmaterial beiliegt, das dem eigentlichen Album in Nichts nachsteht.

Anspieltipps:

  • Embyronic
  • Ultimate trip
  • Rainbow box
  • 02 Panic room
  • Beyond the eyelids
  • Schizophrenic prayer
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