Vanessa Carlton - Heroes And Thieves - Cover
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Vanessa Carlton Heroes And Thieves


  • Label: Motown/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Soft Release” heißt das Stichwort. Dabei handelt es sich um einen Fachbegriff der Plattenindustrie, der immer dann zum Zuge kommt, wenn ein neues Album eines vornehmlich ausländischen Künstlers ohne Werbeaktivitäten in die Läden gestellt wird, damit die in der Regel sehr gut informierten einheimischen Fans nicht auf Importe zurückgreifen müssen, weil sie ein neues Werk ihres Lieblings selbstredend sofort haben möchten und nicht erst dann, wenn es in den Veröffentlichungsplan der nationalen Abteilungen der Plattenfirmen passt.

„Heroes & Thieves“ von Vanessa Carlton ist so ein Soft Release, der fast zeitgleich mit der US-Veröffentlichung des dritten Albums der Sängerin und Songschreiberin bei uns erscheint – und es damit vielleicht etwas besser trifft als der Vorgänger „Harmonium“ (11/2004), der, ebenfalls als Soft Release in die Regale gestellt, niemals offiziell in Deutschland beworben wurde. Aber auch ohne die offizielle Einbindung Deutschlands, hat es das 27jährige Supertalent aus Pennsylvania auf mehr als vier Millionen verkaufte Alben gebracht. Und „Heroes & Thieves“ wird dieser Marke sicher ein paar tausend Einheiten hinzufügen, denn das unter der Regie von Stephen Jenkins (Mitglied der US-Band Third Eye Blind), Linda Perry (P!nk, Christina Aguilera, Gwen Stefani, Celine Dion) und HipHop-Produzent (!) Irv „Gotti“ Lorenzo (Jay-Z, Ashanti, Ja Rule, DMX) entstandene Werk, schmeißt nur so mit wunderschönen Pianomelodien um sich.

Die Floskel von der gereiften Künstlerin ist in der Tat etwas abgegriffen. Was tun, wenn sie dennoch zutrifft? Am besten Augen zu und durch! Auf geht’s: Die Tochter einer Lehrerin und eines Piloten trat von Beginn nicht als Teen-Popstar an die Öffentlichkeit, obwohl Vanessa bei ihrem Debüt gerade mal Anfang 20 war. Mit den üblichen Fake-Methoden der Show-Branche wäre eine entsprechende Vermarktung durchaus möglich gewesen. Doch der Weg war ein anderer. Und genau das kommt Vanessa Carlton jetzt zu Gute! Niemand muss sich bei der Wahl-New-Yorkerin mehr an den Gedanken einer ernsthaften Künstlerin gewöhnen. Die Grundlagen waren bereits auf ihrem Debütalbum „Be Not Nobody“ (02/2002) zu hören und werden nun weiter perfektioniert.

Natürlich stellen die Lieder Vanessa Carltons’ weiterhin in erster Linie handgemachte Popmusik mit starken Singer/Songwriter-Touch in den Texten dar, denen man einfach gerne mit dem Booklet in der Hand zuhört. Der Kontrast zu gleichaltrigen Kolleginnen und Kollegen liegt aber noch stärker in den Melodien, die niemals billig oder simpel wirken und dennoch sofort ins Ohr gehen. Da wäre z.B. Vanessas Ode an einen New Yorker Stadtteil („Nolita fairytail“), in die sie Andeutungen eingebaut hat, die auf ihren verlorenen Plattendeal hindeuten („I used to hover outside my truth / Always worried bout what I’d lose / Take away my record deal / Go on I don’t need it / Spent the last two years getting to what’s real / And now I can see clear“). Oder es sind einfach locker-beschwingte Popsongs wie „Hands on me” und der Titeltrack „Heroes & Thieves”, die inhaltlich eine Spur tiefer gehen als üblich und fast immer vom zauberhaften Pianospiel der Carlton getragen werden (herausragend: „Home“). Ebenso passt auch ein Duett mit der Grande Dame der Popmusik, Stevie Nicks, wunderbar ins Konzept („The one“). Kleine Mosaiksteinchen, die einem normalen Popalbum den entscheidenden Kick geben und es zu einem Besonderen machen.

Anspieltipps:

  • Home
  • The one
  • This time
  • Nolita fairytale
  • Fools like me
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