Neil Young - Chrome Dreams II - Cover
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Neil Young Chrome Dreams II


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 66 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Titel „Chrome Dreams II“ spielt geschickt mit einem Mythos.

Seit Jahren warten die Neil-Young-Fans auf das langangekündigte Box-Set des Meisters. Ein monströses Teil soll es werden, mit dem Mr. Young sein gut gehütetes Archiv mit Demo- und Studioaufnahmen für die Öffentlichkeit freigibt, nachdem das Live-Archiv bereits seit 2006 mit ausgewählten Auftritten geräumt wird. Darauf muss weiterhin gewartet werden. Mindestens bis zum Frühjahr 2008. Aber auch dieser Termin ist alles andere als sicher. Denn ein Neil Young kann es sich inzwischen erlauben, zu machen was er will. Und so steht relativ überraschend ein weiteres Studioalbum in den Regalen, dem es vorerst alle Aufmerksamkeit zu schenken gilt.

Der Titel „Chrome Dreams II“ spielt geschickt mit einem Mythos. Vor 30 Jahren sollte das Album „Chrome Dreams“ veröffentlicht werden. Aber die Aufnahme wurde, warum auch immer, zurückgehalten und später bei einem Feuer in Neil Youngs Haus vernichtet. In aktuellen Interviews gibt Young allerdings zu Protokoll, noch im Besitz der Masterbänder zu sein. Zudem existiert eine grauenvolle Bootleg-Version aus den 90er Jahren von „Chrome Dreams“. Außerdem haben einzelne Songs immer wieder offiziell den Weg an die Öffentlichkeit gefunden. So richtig verschollen scheinen die ursprünglichen „Chrome Dreams“ also nicht zu sein. Doch sei’s drum. Der Mythos lebt und bekommt mit „Chrome Dreams II“ neue Nahrung.

Das Album versammelt zehn Songs, die sämtliche Stilarten präsentieren, mit denen sich Neil Young seit seinem Solodebüt vor 39 Jahren in die Langzeitgedächtnisse seiner Fans gefräst hat. Es zeigt den laut rockenden Godfather of Grunge („Spirit road“, „Dirty old man“) und den bedächtigen Folkie im „Harvest“-Stil („Beautiful bluebird“, „Ever after“). Dazu wird ein weiteres Fachgebiet von Neil Young zu neuem Leben erweckt: Ausufernde Rocksongs, wie endlose Zickzackritte durch die staubige Prärie, zusammen mit seinen Kumpels von Crazy Horse. Da geht es locker auf die 15-Minuten-Marke zu, die heuer gleich zweimal gebrochen wird („Ordinary people“, „No hidden path“).

Der Klang ist gewohnt rau und wird von einer dumpfen Abmischung der Bässe und eines sehr präsenten Schlagzeugssounds geprägt. Trotzdem obliegt es nicht nur Herrn Young und seiner E-Gitarre, dieses Dickicht in feine Teile zu sägen. Schön ist auch die Kombination aus Gitarren und Bläsern (Saxophone, Trompete), die schon auf „Living With War“ (05/2006) so manche Fanfare für die Ewigkeit abgegeben hat, oder der Einsatz eines Klavier („The way“). Das sorgt für Abwechslung und ein Album, das die bekannt kritischen Neil-Young-Fans zu den besseren des Meisters zählen werden.

Anspieltipps:

  • Ordinary people
  • No hidden path
  • Dirty old man
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