Jens Friebe - Das Mit Dem Auto Ist Egal, Hauptsache Dir Ist Nichts Passiert - Cover
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Jens Friebe Das Mit Dem Auto Ist Egal, Hauptsache Dir Ist Nichts Passiert


  • Label: Zick Zack/INDIGO
  • Laufzeit: 44 Minuten
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9.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„Du freust dich ja gar nicht“. So heißt der erste Track des neuen Albums. Stimmt aber gar nicht, schließlich gibt es Grund zur Freude! Jens Friebe hat sich endlich musikalisch zurück gemeldet. Nach seinen ersten Alben „Vorher Nachher Bilder“ und „In Hypnose“ und dem im Frühjahr erschienenen Buch „52 Wochenenden“ liegt nun „Das Mit Dem Auto Ist Egal Hauptsache Dir Ist Nichts Passiert“ vor. Ein ungewöhnlicher Titel. Er habe immer schon einmal ein Album mit diesem Titel machen wollen, so Friebe gegenüber der ZEIT.

Jens Friebe in der ZEIT? Es scheint, als wäre nun auch eine etwas größere Öffentlichkeit auf den gebürtigen Lüdenscheider aufmerksam geworden, was ihm einerseits zu gönnen wäre, andererseits macht ihn aber auch gerade sein Status am Rande des Popgeschäfts zu einem solch interessanten Künstler. Denn Jens Friebe ist beileibe kein Durchschnittsmusiker und -mensch: „Ich könnte ein Leben haben / wie es die anderen führen / Kinder, die Heiligabend / den Baum verzieren / mit Engeln und mit Elfen / Oh, Doktor, können Sie mir helfen“ heißt es in „Neues Gesicht“, das eine logische Fortsetzung von „Jede Menge Ziele“ vom letzten Album zu bilden scheint. In beiden Songs prangert er unaufgeregt, aber dennoch bestimmt einen uniformierten Lebensstil an, dem er ganz offensichtlich nicht folgen kann und will.

Statt dem Unerreichbaren hinterher zu hecheln erfreut er sich an den schönen, kleinen Dingen. „Alles versinkt im großen Ganzen / Alles macht nichts, wenn wir tanzen“, singt er in „Nothing Matters When We’re Dancing“, dem einzigen Song, der nicht aus seiner Feder stammt, sondern von Stephin Merritt geschrieben wurde. Scheinen viele Songs aufgrund der Pop-affinen Melodien eingängig, wird dieser Eindruck bei Friebes Texten widerlegt. Sie sind abstrakt, ohne aus der Luft gegriffen zu sein und lassen Raum zum Interpretieren und Nachdenken. Manchmal erinnern sie auch an eine Art gesungenen Film, wie „Frau Baron“. Immer jedoch tritt ganz deutlich Friebes wunderbarer Umgang mit der Sprache in den Vordergrund, der an vielen Stellen Unerwartetes produziert: „Get on the mike / Mach dich bereit / Du bist ein Toter-Rock-Ikonen-Lookalike“ („Hass, Hass, Hass“).

Es grenzt an Perfektion, dass deutsche Texte und Pop-Melodien so gänzlich unangestrengt und kein bisschen aufgesetzt daherkommen, und man fragt sich, warum das nicht auch anderen Künstlern so gelingen kann. Vielleicht stimmt die kühne Behauptung eines Journalisten ja tatsächlich: Jens Friebe ist Deutschlands einziger wirklicher Popstar.

Anspieltipps:

  • Frau Baron
  • Neues Gesicht
  • Jeu De Cons
  • Du Freust Dich Ja Gar Nicht
  • Nothing Matters When We’re Dancing
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