Eko Fresh - Ekaveli - Cover
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Eko Fresh Ekaveli


  • Label: Ersguterjunge/SonyBMG
  • Laufzeit: 81 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
8.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist die Mutter aller Flops und der Inbegriff für ein abscheulich krankes System: „Ekaveli“, das dritte Soloalbum von Rapper Ekrem Bora alias Eko Fresh. Seit dem Erscheinen Ende November 2007 wurde das Werk in der Szene heiß diskutiert und dem Rapper ein schwerer Anfall von Größenwahn attestiert, eifert dieser auf seinem Debüt für Bushidos Ersguterjunge-Label doch niemand anderem als dem unerreichten Rap-Gott Tupac Shakur (2Pac) nach. „Ekaveli“ sollte das große Comeback des deutschrappenden Türken und German Dream Labelbosses werden. Aber nichts da! Bezogen auf Deutschland, ist die Platte das wohl schlimmste kommerzielle Desaster des Jahres 2007. Ein absoluter Super-GAU.

„Jeder deutsche HipHop/Rap-Freak kennt das Album, nur gekauft hat es keiner“ – so ungefähr lautet Ekos Theorie. Und vermutlich hat er sogar recht damit. Kein Wunder, dass dem Mönchengladbacher der Spaß vergangen ist. Beleidigt und desillusioniert hat er seine Karriere deshalb keine vier Wochen nach dem „Ekaveli“-Flop vorerst an den Nagel gehängt und wird wie folgt zitiert: „Ich ziehe mich bis auf weiteres aus dem Game zurück. Wenn was kommt, wo ich denke, dass es würdig genug ist, dass ich überhaupt einen Stift anfasse, sag ich euch Bescheid. Diesen Zirkus kann ich mir leider nur noch geben, wenn es sich wirklich lohnt.“ Wird der Flop (Platz 100 in den Media Control Charts) damit schöngeredet, weil tatsächlich niemand etwas von dem Rapper hören mag oder wurde Eko Fresh tatsächlich im großen Stil von Deutschlands HipHop/Rap-Fans schamlos um sein geistiges Eigentum beklaut? Gehen wir der Sache auf den Grund…

In der Tat stellt sich die Frage, ob der Hörer weinen oder lachen soll, wenn er die ersten Rhymes in „Et kütt wie et kütt“ hört. Denn ob man es glaubt oder nicht, Eko Fresh hat sich allen Ernstes den Rap-Style von 2Pac drauf geschafft, diesen kratzig-kehligen Singsang im Wechsel mit einem düster-rauchigen Gangsta-Flow. Das Ganze schraubt er bzw. seine Beat-Bastler-Truppe (u.a. Kingsize, Beatlefield, Chakuza, Samy Ferreira, J. Ris und DJ Stickle) auf coole Old-School-Westcoast-Sounds, die nur leicht modernisiert klingen und hier und da den G-Funk aufleben lassen („Ich bleib so wie ich bin“). Das riecht nach Konzept – und siehe da, es funktioniert größtenteils!

So wird aus dem 90er-Jahre-Klassiker „Makaveli: The Don Killuminati 7 Day Theory” das neuzeitliche „Ekaveli”, mit dem die Westcoast nach Köln-Kalk transportiert wird. Das provoziert und polarisiert – zwei essentielle Bestandteile im Rap-Game – und weiß durchaus zu gefallen. Doch als hätte Bushido das Drama geahnt, konstatiert der Ersguterjunge Label-Boss in der Kollaboration „Ring frei“ fast schon mitleidig: „Langsam kann er wirklich mal ne Goldene vertragen”. Daraus wird so schnell nichts werden. Dabei zieht Eko Fresh alle Register. Er bedient Gossen-Romantik („Cologne city street blues“, „Ihr Herz ist so Ghetto“), macht auf böser Gangster („Irgendwann“), präsentiert sich als gefühlsduseliges Muttersöhnchen („Es tut mir leid“) und schießt den Vogel ab, indem er – jetzt kommt’s! – in „Ohne dich“ den gleichnamigen Münchener-Freiheit-Hit sampelt und mit den fettesten Beats on Earth unterlegt. Das ist so peinlich und verrückt, dass es schon wieder genial ist. Der Junge traut sich was. Und zwar in allen Belangen.

Zu einem Klassiker reicht es bei „Ekaveli“ (noch) nicht. Trotzdem kann der Versuch, den legendären Westcoast-G-Rap-Sound zu imitieren, nicht als gescheitert angesehen werden. Eko Fresh legt ein über weite Strecken spannendes Album vor, das kaum echte Ausfälle zu verkraften hat, erfreulicherweise mit dem üblichen „Ich bin der größte, beste, geilste Rapper“-Blödsinn spart und trotzdem auf der Höhe der Zeit ist. Warum das kommerziell nicht funktioniert hat, ist und bleibt ein Rätsel.

Anspieltipps:

  • Ohne dich
  • Stenzprominenz
  • Sie sind überall
  • Gefallene Soldaten
  • Seid ihr jetzt zufrieden?

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