Primal Fear - New Religion - Cover
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Primal Fear New Religion


  • Label: Frontiers Records
  • Laufzeit: 54 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn man sich über einen längeren Zeitraum mit einem bestimmten Genre auseinandersetzt, stolpert man immer wieder über die gleichen Namen von Bands und Interpreten bis man irgendwann den Eindruck gewinnt, dass das Genre eine einzige große Familie mit inzestuösen Zügen ist. Gerade im Power-Metal-Genre trifft man unter den Aktiven kaum noch auf genuine Vertreter ihrer Gattung. Mindestens einer der Mitglieder hat seine Wurzeln in einer mehr oder weniger berühmten Kapelle, bei der er sich seine Sporen verdiente. Im Falle von Primal Fear ist es keine geringere Band als Gamma Ray, bei der Ralf Scheepers bis 1994 als Sänger tätig war. 1997 tat er sich mit einem gewissen Matt Sinner zusammen und hob „Primal Fear“ aus der Taufe, die zu Beginn eine starke stilistische Verwandtschaft zu Judas Priest aufwiesen. Seit der Gründung verging kaum ein Jahr ohne Veröffentlichung, so dass es die Band in nur 10 Jahren auf inzwischen sieben reguläre Studioalben brachte (EPs, Singles und Bootlegs nicht mitgezählt), die, wenn man den Stimmen Glauben schenkt, allesamt Meisterwerke sind, wobei stets eine Weiterentwicklung erkennbar war, was seinen bisherigen Höhepunkt im 2005 erschienen „Seven seals“ fand.

„New Religion“ steht nun in der Pflicht an diese Leistung anzuknüpfen, was auch mühelos gelingt. Aber der Reihe nach. Mit dem Eröffnungstrack „Sign of fear“ haut man gleich alle verfügbaren Gänge rein und verübt eine ungestümen Uptempo-Angriff auf die Gehörgänge, die den schrillen Kreischgesang Scheepers aber gar nicht gut verdauen. Glücklicherweise nimmt er sich nicht nur im Refrain, sondern auch auf dem Rest des Albums angenehm zurück. Für die Instrumentalisten gilt dies jedoch nicht, denn auch „Face the emptiness“, obgleich eine Ecke melodischer daherkommend, ist eher von der rasanten Sorte. Was bei diesem Track erstmalig besonders hervorsticht ist das ausgeprägte Gespür für herausragende Gesangslinien (insofern sie nicht geschrien sind) und einprägsame Refrains, was bei „Everytime it rains“ überdeutlich erkennbar wird. Epica-Trällerlise Simone Simons versucht sich an einem Duett mit Scheepers und triumphiert auf ganzer Linie. Das Lied setzt sich zwar sofort im Ohr fest, hat aber wegen seines nicht vorhandenen Abwechslungsreichtums die Halbwertszeit von Schnee am Äquator. Der anschließende Titeltrack knallt wieder heftiger aus den Boxen, geht allerdings sehr auf Nummer Sicher. Dann aber folgt der wahrscheinlich beste Power-Metal-Song des Jahres.

„Fighting the darkness“ erstreckt sich über 9 Minuten und drei Teilstücke („Fighting the darkness, „The darkness“ und „Reprise“). Der epische Charakter, der Ohrwurm-Refrain, der fulminante Gesang – hier passt alles. Man kann so weit gehen und schon wegen dieses Songs eine Kaufempfehlung für das gesamte Album aussprechen, das aber selbstverständlich noch weitaus mehr zu bieten hat. Mit „Blood on your hand“ gibt es ein radikales Kontrastprogramm zu „Fighting the darkness“ - der schnellste, härteste und thrashmetallastigste Moment auf „New Religion“. Zur Erholung bewegt sich das folgende „The curse of sharon“ wieder im melodischeren und eingängigeren Bereich, bevor bei „Too much time“ abermals das Tempo angezogen wird. Mit „Psycho“ kristallisiert sich ein weiteres Highlight heraus. Der Track ist im Vergleich zu den meisten anderen Songs, die weitgehend nach den bekannten Schemata funktionieren, etwas kantiger und experimenteller geraten, was ihm nach kurzer Eingewöhnungszeit gut bekommt. Deutlich klassischer tönt „World on fire“ aus den Boxen. Eine dieser Nummern, die ohne viel Theatralik direkt zum Punkt kommen. Zum Abschluss musste es natürlich noch mal bedeutungsvoller werden. Die Ballade „The man (that I don't know)“ könnte direkt aus dem Rezeptbuch für Fast-Food-Bombast-Metal stammen, was gar nicht so negativ gemeint ist, wie es klingt, denn Anhänger dieser musikalischen Ausdrucksform dürften hieran großen Gefallen finden.

„New Religion“ ist ein enorm abwechslungsreiches Album, das man irgendwo zwischen Power- und True-Metal einordnen kann. Für letzteres spricht vor Allem der epische Charakter einiger Lieder und die, naja, nicht gerade intellektuellen Songtexte. Ein Blick auf die Titel der Lieder genügt schon um bei Freunden vermeindlich anspruchsvollerer Musik Entsetzensschreie auszulösen. Aber für diejenigen ist ein Album wie „New Religion“ auch ganz sicher nicht gemacht. Wer bereits mit den neuen Werken von Helloween und Gamma Ray seine Freude hatte und wem Bands wie Manowar, Rhapsody of fire und Hammerfall ein nicht allzu negativer Begriff sind, sollte „New Religion“ unbedingt eine Chance geben.

Anspieltipps:

  • Psycho
  • Face the emptiness
  • The curse of sharon
  • Fighting the darkness

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