Cinema Bizarre - Final Attraction - Cover
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Cinema Bizarre Final Attraction


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 52 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Holla, da kommt ja etwas ganz Feines auf Deutschlands Teenager zu: Cinema Bizarre, eine fünfköpfige Band, die musikalische Elemente aus New Wave, J- und Glam-Rock, Gothic, Pop, New Romantic und Electro vereint und optisch der japanischen „Visual Kei“-Jugendkulturszene nachkommt. Das klingt auf jeden Fall interessanter als der kleinbürgerliche Hintergrund von Tokio Hotel, den die entzückend geschminkte Rasselbande (Strify, Kiro, Shin, Yu und Luminor) da an den Start bringt. Kennen gelernt hat sich die Band vor rund zwei Jahren auf einer Anime/Manga-Convention, so dass davon ausgegangen werden kann, dass nicht nur die Chemie zwischen den fünf Jungs im Alter zwischen 17 und 22 Jahren stimmt, sondern auch keine billig zusammengecastete Band am Werk ist.

Die Aufnahmen für ihr Debütalbum „Final Attraction“ begannen im Frühjahr 2007 und fanden u.a. in London, Berlin, Kopenhagen und Stockholm statt. Ist doch klar: Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss der Berg eben zum Propheten wandern. Will heißen, dass die beauftragten Songschreiber und Produzenten an der eigentlichen Stätte ihres Wirkens aufgesucht werden mussten – und wir wissen nun, dass Cinema Bizarre ihre Songs nicht alleine schreiben.

Was in Internet-Foren bereits als i-Pop (nicht zu verwechseln mit dem i-Pod) bezeichnet wird, stellt sich als extrem eingängiger Sound heraus, der in der Tat zu allen genannten Stileinflüssen Bezug nimmt und mit „Lovesongs (They kill me)“ bereits eine Top-Ten-Single abwarf. Ganz klar: Hier stimmt musikalisch wie optisch das Gesamtpaket für die Bravo-Leser-Generation, die ein formvollendetes Designerprodukt vorgesetzt bekommt, über das sich in den kommenden Monaten herrlich diskutieren lässt.

Für den erwachsenen Hörer ist Cinema Bizarre freilich nicht wirklich relevant. Das Album stellt sich zwar nicht als absoluter Rohrkrepierer heraus, womit schon mal die Daseinsberechtigung der aufwändig frisierten Comic-Rocker sichergestellt ist, was wahrlich keine Selbstverständlichkeit darstellt. Man denke nur an abgekupferte Schnellschüsse wie Liza Li oder Nevada Tan, die von Anfang an niemand gebraucht hat. Dennoch: Die Halbwertszeit von „Final Attraction“ tendiert ebenfalls in Richtung eines geschmacksverstärkten Kaugummis, der nach zehn Minuten ausgespuckt wird, weil er dann bitter schmeckt. Bei den Jungs von Cinema Bizarre ist es noch nicht soweit. Bei ihnen ist alles schön bunt und die Songs lecker süß, auch wenn es schon kritische Ansätze gibt, wie Refrains, die nach Modern Talking klingen („I don’t believe“). Muss denn das sein?

Anspieltipps:

  • Get off
  • The way we are
  • Escape in the stars
  • Lovesongs (they kill me)
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