Roisin Murphy - Overpowered - Cover
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Roisin Murphy Overpowered


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 52 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Sonniger Dance-Standard geht als Gegensatz zum aufkommenden Herbst halt schon okay, wenn auch nicht (wie eigentlich erwartet) mehr.

Moloko, die britischen TripHop/Electronica-Gefährten aus den Neunzigern, liegen auf Eis oder sind gar komplett Geschichte. Die irische Sängerin Roisin Murphy konnte sich so auf ihrem ersten Solo-Album „Ruby Blue“ (2005) mit dem Klangtüftler Matthew Herbert austoben und ein beachtliches Werk aus organischen Spielereien sowie intensiven Sounds aus zahlreichen Synthesizern vorlegen. Auch die Live-Autritte ließen mitreißend an die einstige Klasse von Moloko denken, wobei vor allem die schillernde Präsenz Roisin Murphys für große Augen sorgte und kaum einer die Grooves an sich vorbei gehen lassen konnte. Im September 2007 folgte dann das mit „Overpowered“ betitelte, neue Lebenszeichen auf einer Single, um genau einen Monat später vom gleich benannten Longplayer gefolgt zu werden.

Zahlreiche Produzenten und Songwriting-Partner hat Roisin für die Arbeit gewonnen und in den zwei Jahren seit dem letzten Album ein dance-lastiges Werk aufgenommen, das immer noch eine Spur Exzentrik atmet, dabei aber eine Stufe zu glatt am Hörer vorbeisegelt. Hauptsächlich wird der Dancefloor beackert, der die Kreativität von Matthew Herbert schmerzlich vermissen lässt und insgesamt viel zu kalkuliert die Discokugel zum Bersten bringt. Man fühlt sich eher an sterilen Plastik-Pop als an schillernde Pop-Erlebnisse erinnert und nimmt die Enttäuschung nach dem großartigen „Ruby Blue“ dann doch irgendwie hin. Sonniger Dance-Standard geht als Gegensatz zum aufkommenden Herbst halt schon okay, wenn auch nicht (wie eigentlich erwartet) mehr.

„Overpowered“ bietet als Opener blubbernde Sequenzer und aus den Tiefen steigende, spielerische Melodien, die sich mit der zeitweise durch Vocoder verfremdeten Stimme von Roisin Murphy angenehm ins Ohr spielen. Beim folgenden „You Know Me Better“ betritt jedoch die bereits erwähnte Ernüchterung die Bühne und mit wenig Charme wird dem sorgenfreien, schnell verflogenen Pop jede Kante genommen. Aufwärts geht es mit dem balladesk, vom Piano eingeleiteten „Let Me Know“, dass mit dem spritzigen Keyboard an die Rave-Hochzeit Anfang der Neunziger erinnert und wieder für einen geglätteten Gefühlshaushalt der Hörerschaft sorgt. Ebenso wertet das lasziv groovende, beim R´n´B vorbei schauende „Primitive“ die ansonsten größtenteils durchschnittliche Platte auf und verhindert, neben weiteren kleinen Hoffnungsschimmern eine Bodenlandung.

Anspieltipps:

  • Let Me Know
  • Primitive
  • Scarlet Ribbons
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