Serj Tankian - Elect The Dead - Cover
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Serj Tankian Elect The Dead


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 45 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Soloalben haben ja nicht gerade den Ruf besonders inspiriert zu sein, oft handelt es sich nur um einen schwachen Abklatsch der Hauptband des jeweiligen Musizierenden. Auch im Falle von Serj Tankian gibt es deutliche Parallelen zu den gerade pausierenden System Of A Down, der genialen, avantgardistischen Hauptband des armenischstämmigen Libanesen. Auch auf „Elect The Dead“ finden sich Elemente aus Metal, Hardcore und Folklore, insgesamt sind die Songs aber deutlicher melodieorientierter, die Strukturen berechenbarer, im Fokus steht eindeutig Tankians eigenwillige Gesangsstimme.

Schon die Single „Empty Walls“ ist erfüllt von ausschweifenden Melodiebögen, welche in einen elegant arrangierten, mehrstimmigen Part münden. Der Text prangert die Missstände des Krieges an, was aufgrund der poetischen Seele Tankians auch nach unzähligen thematisch ähnlich gelagerten Songs noch nicht abgenutzt klingt. Der nächste Titel „The Unthinking Majority“ hätte auch ohne Probleme auf dem letzten SOAD-Alben stehen können, vor allem die Laut-Leise-Wechsel klingen äußerst vertraut. Insgesamt nicht unbedingt das Glanzstück des Albums. Das folgende „Money“ schlägt zwar in dieselbe Kerbe, ist mit seinen Klavierabschnitten und gut gemachten Wechseln ein ganzes Stück stärker als sein Vorgänger.

Dramatisch wird es dann bei „Feed Us“ und „Saving Us“, bei denen Tankian mit voller Inbrunst seine pathetischen Linien unters Volk bringt. Beide Songs besitzen einen ausgezeichneten sich stetig steigernden Spannungsbogen, der von den Instrumenten perfekt umgesetzt werden. Für den Hauptteil der Einspielungen zeigt sich übrigens der Meister selbst verantwortlich, nur an einigen Stellen haben ein paar Gäste wie SOAD-Drummer John Dolmayan oder Bryan „Brain“ Mantia (bearbeitete schon unter anderem für Primus und Guns N’ Roses die Felle) ausgeholfen.

Die eingängigsten Lieder des Albums sind sicher die poppigen „Sky Is Over“ und „Lie Lie Lie“, welche beide im gleichen Maße zum Mitsummen einladen. Besonders letzterer Song erhält durch die Mitarbeit von Opernsängerin Ani Maldjian einen ziemlich surrealen Touch. Ähnlich hochmelodisch gelagert ist auch „Honking Antelope“, das allerdings noch einen Tacken härter ist. Die spielerische Leichtigkeit, die solche Titel auszeichnet geht leider bei „Baby“ etwas verloren, der Song ein wenig bemüht.

Die SOAD’sche Verrücktheit blitzt dann ganz am Ende noch einmal auf. „Praise The Lord And Pass The Ammunition“ erinnert durch den sperrigen Bassgroove ziemlich an Primus, elektrische Loops ziehen wirr ihre Kreise und schaffen so eine abgefahrene Klangmelange. Den Preis für den originellsten Songtitel gewinnt „Beethoven’s Cunt“, dass sicher der härteste Track des Albums ist. Ganz melancholisch setzte danach der Titeltrack den Schlusspunkt.

Mit „Elect The Dead“ beweißt Serj Tankian mal wieder, was in ihm steckt. Fast mag es als ein Unding erscheinen, dass er bei System Of A Down kompositorisch nur die zweite Geige spielt und 90 Prozent des dortigen Materials von Gitarrist Daron Malakian stammen. Auf jeden Fall ist das Album ein super Mittel, um die lange Zeit bis zum nächsten SOAD-Album zu überbrücken.

Anspieltipss:

  • Empty Walls
  • Saving Us
  • Sky Is Over
  • Lie Lie Lie
  • Praise The Lord And Pass The Ammunition
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