Schrottgrenze - Schrottism - Cover
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Schrottgrenze Schrottism


  • Label: Motor/EDEL
  • Laufzeit: 49 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Von einer Schülerband, die Jugendzentren bespielte und seit 1994 existiert, entwickelte sich Schrottgrenze mit dem letzten Album „Chateau Schrottgrenze“ (2006) schlagartig zu einem hoch gelobten Newcomer in deutschsprachigen Regionen, der nicht mal ein Newcomer war. Schließlich spielen die Jungs um Alex Tsitsigias (Gesang, Gitarre, Songwriting) und Timo Sauer (Gitarre) schon 13 Jahre mit wechselnder Begleitung und ebenso sich entwickelnder Musik, die vom relativ schnöden Punkrock mit lieblichen Lyrics zu einem Bauwerk heranwuchs, welches schon fast als einzigartig zu bezeichnen ist. Denn die Stimme von Alex und das filigran zwischen Losgeh-Rock sowie songdienlicher Avantgarde pendelnde Songwriting ist unverkennbar und schließt auf „Schrottism“ beim großartigen Vorgänger an.

Wie der Bandname, Album- oder eben ein Songtitel wie „Judas Maxi Priest“ (Metal meets Reggae? Zumindest im Namen vereint) schon eindeutig verortet: Angenehm verdreht sind die mittlerweile in Hamburg gestrandeten Niedersachsen vor allem im Gerüst ihrer Bandexistenz. Fragmentarische Texte, die beim Nonsens, bei Ironie und lyrisch präsentierter Gesellschaftskritik („Das Neue Wir“) nur das Beste herausgreifen und dazu noch sympathisch etwas aus dem englischen Wörterbuch fischen, sind das Herzstück von Schrottgrenze und speziell von „Schrottism“. Dazu rocken die Gitarren mit stichelnden, aufwühlenden Melodien und rhythmisch gibt sich die Fraktion um Schlagzeug/Bass leicht vertrackt, obgleich Einprägsamkeit und Pop stets Pate stehen.

Wavige Elemente sind genau so zu finden, wie die so genannte Hamburger Schule und zackige, britisch geprägte Gitarrenrock-Offensiven. Ruhige Momente gibt es gut verteilt und genau so spannend arrangiert wie der vorherrschende, frei rockende Rest. Dabei gehört „Jesus Allein Zuhaus“ zu den herausragenden Epen dieser Scheibe. Von der textlich fast schon niedlichen Erzählung über die allgegenwärtige Existenz Jesus´, in der auch eine gewisse Ironie innewohnt, getragen, entwickelt sich die Ballade zu einer feingeistigen Feedback-Wand, die leider schon viel zu schnell wieder vorbei ist und trotzdem noch lange im Kopf nachhallt. Das selbe gilt für „Schrottism“ als Gesamtheit, denn so ideenreich und musikalisch eindrucksvoll lässt man sich deutschsprachigen Indie-Rock/Pop gern als Dauerschleife im CD-Player gefallen.

Anspieltipps:

  • Das Neue Wir
  • Jesus Allein Zuhaus
  • Hinterland
  • Kanari
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