Ween - La Cucaracha - Cover
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Ween La Cucaracha


  • Label: Schnitzel/Rough Trade
  • Laufzeit: 50 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Dean und Gene Ween, beide 1970 in Pennsylvania geboren und bereits seit 1984 unter dem Namen Ween aktiv, sind für jeden Spaß zu haben, wenn es um Genre-Clash und verspielte Nonsens-Lyrics mit Sarkasmus-Anteil geht. Zusammen mit verschiedenen Teilzeit-Mitgliedern nennen sie unzählige, selbst produzierte Veröffentlichungen, Studio-Alben und Live-Werke ihr Eigen. „Chocolate & Cheese“ aus dem Jahr 1994 dürfte da wohl das meist beachtete und facettenreichste Album sein, während in Deutschland die Tracks „Buenas Tardes Amigo“ sowie „The HIV Song“ aus den Filmen „Lammbock“ und „Herr Lehmann“ am prägnantesten im Gehör verweilten. In jedem Fall hat sich das Weirdo-Duo nun wieder zusammen gefunden und unternimmt mit „La Cucaracha“ eine äußerst unterhaltsame und kurzweilige Reise durch losgelöst vor sich her tänzelnde Arrangements, die vorwiegend im Folk/Country beheimatet sind, doch stets mit anderen Stilmitteln kokettieren.

Im instrumentalen „Fiesta“ raubt einem allein schon das Saxophon die Sinne und dem Hörer wird noch dazu mit Trommelwirbeln sowie dem dazu gehörigen, elektronisch verzierten Trommel-Overkill eingeheizt. So lässt es sich gut angehen, auch wenn noch lange nicht das Ende der, wohlgemerkt positiv gemeinten, Fahnenstange erreicht ist. „Friends“, hier in einer von der sich bereits im Vorfeld veröffentlichten EP-Version unterscheidenden Version, schaut beim Euro-Dance vorbei und wirkt dabei keineswegs plastisch oder aufgedunsen albern. Samba-Rhythmen und der eigenwillige Gesang samt sphärischen Hall-Effekten lassen den Song in der Hitze der Nacht pulsieren. Rumpelnd bluesig geht es dagegen beim Midtempo-Rocker „My Own Bare Hands“ zu, um schon beim folgenden „The Fruit Man“ extrem lässigen Dub/Reggae unter die bereits bestens durchgerührte Patchwork-Arbeit zu bringen.

Allein diese unbeschwerte, frei von vorgefertigten Strukturen erstrahlende Musikalität macht „La Cucaracha“ zu einem großartigen Album, das es mit jeder Konkurrenz aufnehmen kann. Doch diese wird äußerst schwer zu finden sein, da nicht nur die musikalische Pointen so gut wie in jedem Fall aufgehen und die Ernsthaftigkeit („Lullaby“; eine sentimentale Piano-Ballade) trotz dessen nicht entschwindet, sondern auch regelmäßig überraschende Wendungen das Zepter in die Hand nehmen. So mitreißend, wie sich aus dem Bongo-Rhythmus bei „Woman And Man“ ein fieses, psychedelisches Gitarren-Monster entwickelt, ist auch der gesamte Longplayer. Eine wahre Pracht für Ohr und Herz!

Anspieltipps:

  • Fiesta
  • Friends
  • Lullaby
  • Woman And Man
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