Dave Gahan - Hourglass - Cover
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Dave Gahan Hourglass


  • Label: Mute/EMI
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Für mich ist es die beste Platte, die ich zu diesem Zeitpunkt hätte aufnehmen können. Und sie hat meine Erwartungen an mich selbst weit übertroffen.“ Dave Gahan, die Stimme von Depeche Mode, sagt dies von seinem Zweitwerk „Hourglass“. Das einen Schritt weg von seiner symbiotischen Beziehung zu Martin L. Gore, dem eigentlichen Erbauer der Kunstfigur Dave Gahan, darstellen soll. Es ist der sprichwörtliche Schritt zurück nach vorn geworden. Denn während sein Debüt „Paper Monsters“ mit trotzigen Gitarren und einer lärmenden Rock-Attitüde eine demonstrative Trennlinie zwischen den Kompositionen Gore’s und denen des Dave Gahan zog, wird diese in „Hourglass“ elektronisch bis zur Unkenntlichkeit verwischt.

Der Einstieg gelingt noch famos. „Saw Something“ baut durch sphärisch elektronische Klänge und intensiven Gesang langsam eine düstere Atmosphäre auf. Willkommen in der Unterwelt, dem Königreich des Dave Gahan, welches mit „Kingdom“ im Anschluss seine opportune Hymne erhält. Das brachiale „Deeper And Deeper“ klingt schmutzig und roh nach Verderben, Gahan schreit den Text mehr, als dass er ihn singt. Und nährt die Hoffnung, ihm sei mit diesem Werk die totale Loslösung von den unsichtbaren Ketten der Gefälligkeit gelungen, die „Paper Monsters“ noch umschlossen, und es zu anbiedernd klingen ließen, um nachhaltig Eindruck zu hinterlassen.

Nach diesem beeindruckenden Auftakt verliert sich „Hourglass“ ein wenig in der Unentschlossenheit seines Schöpfers. „21 Days“ gerät zu einer wenig dramatischen, in seiner Schlichtheit jedoch durchaus charmanten Komposition, „Miracles“ setzt fast ausschließlich auf die stimmliche Ausdrucksstärke Gahans, verweigert sich jedoch träge seiner eigenen Entwicklung. „Use You“ ist „Music For The Masses“, derart zielsicher auf Eingängigkeit getrimmt, dass es den Tatbestand der radiotauglichen Belanglosigkeit erfüllt. Und diese erwarten wir eigentlich nicht, wenn ein Künstler für sein Werk die Metapher der Sanduhr wählt, die so plakativ wie wenig Anderes für die Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben steht. Einem Leben zwischen Manie und Depression, das in Folge exzessiven Drogenmissbrauchs fast ein frühzeitiges Ende gefunden hätte.

Titel wie „Insoluble“ und „Endless“ wirken in diesem Kontext eher wie die mahnenden Worte des geläuterten Großvaters. Und die haben noch nie nicht gelangweilt. Immerhin gelingt Gahan mit dem hymnischen „A Little Lie“ (das auch auf einem der frühen Depeche Mode-Werke existenzberechtigt gewesen wäre) und dem fast ein wenig verklärt klingendem „Down“ noch ein starker Abgang, was wiederum Hoffnungen nährt. Nämlich die, dass Dave Gahan - um auf seine, dieser Rezension vorangestellte, Selbsteinschätzung zurückzukommen - für sein nächstes Album die eigenen Ansprüche noch ein wenig nach oben schraubt. Die beste Platte, die er zu diesem Zeitpunkt hätte aufnehmen können, ist keineswegs schlecht geworden. Doch um wirklich gut zu sein, fehlt es einigen Songs von „Hourglass“ an der nötigen Tiefe. Vielleicht fragt er um Unterstützung für sein nächstes Werk mal bei Martin L. Gore an. Das könnte passen.

Anspieltipps:

  • Saw Something
  • Kingdom
  • Deeper And Deeper
  • A Little Lie
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