Hollywood Pornstars - Satellites - Cover
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Hollywood Pornstars Satellites


  • Label: Naive/INDIGO
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Keine Atempause, es geht voran! Erst acht Monate sind seit dem eher Blutarmen Debüt der Hollywood Pornstars vergangen. Und es scheint als hätten die vier Belgier diese relativ kurze Zeitspanne äußerst effektiv damit verbracht, vergangene Schwächen auszumergeln und sich auf ihre wahren Stärken zu besinnen. Die Softpornstars waren gestern. Es leben die Hollywood Britpornstars!

Die Vermutung liegt nahe, als hätte die Band ihrer beschaulichen Heimatstadt Lüttich für einige Monate den Rücken gekehrt, um sich mit einem ausgiebigen Insel-Urlaub auf ihre kommenden Projekte vorzubereiten. „Satellites“ lautet das finale Ergebnis und ist gleichzeitig der Beleg dafür, dass ihnen ein schnörkelloser und Melodiendurchfluteter Britpopsound wesentlich besser zu Gehör steht, als die teilweise missglückten Elektronik-Tüfteleien ihres Debüts. Auch Frontmann Anthony Sinatra scheint nun seine Stimme hörbar besser im Griff zu haben. Merklich unaufgeregter und entspannter erreicht er im Zusammenspiel mit seinen Mitstreitern einen neuen Level akustischer Qualität. Was auf „Year Of The Tiger“ noch nach dem zwanghaften duplizieren Franz Ferdinand’scher Riffs und Rhythmen aus den Boxen erschien und schallte, klingt nun eigen- und beständiger denn je.

Bereits der Album-Opener „Andy“ strotzt vor herbeimusiziertem Selbstvertrauen und weist den Weg in die folgenden knapp 44 höchst unterhaltsamen Minuten. Und spätestens nach Songs wie dem „Britischer-geht’s-nicht“ Relaxausflug auf die „Islands“, dem rockig wirbelnden „The Fugitive“ und dem in bester The Coral-Tradition vorgetragenen „Crimes“ hat man der Band ihr laues Debüt doppelt und dreifach verziehen. Die Hollywood Pornstars bieten mit ihren „Satellites“ ungetrübten, geraden und anschmiegsamen Indie-Pop, der mit Stücken wie dem punkigen „Walking Cash“, dem hell erstrahlenden „Diamond“ oder der zu herbstlichen Cabrio-Fahrten einladender Mid-Tempo-Nummer „Perfect Storm“ sogar einige Hitverdächtigte Songs in Petto hat. Diese Bandeigene Leistungssteigerung ist umso erstaunlicher, bedenkt man das die Platte in Rekord verdächtigen zwölf Tagen live eingespielt und produziert wurde. Auch wenn Sie es dann auch mal, wie auf der nicht gerade Weltbewegenden Ballade „Calling The Ghosts“ in melancholisch-melodiöser Hinsicht etwas übertreiben, wissen sie kurz darauf mit dem 1A-Rock N’ Roll Mitschwofer „There’s A God“ erneut zu begeistern und lassen damit kleinere akustische Patzer in der Versenkung verschwinden.

Andere Bands verschießen bereits mit ihrer ersten Platte ihr musikalisches Potentialpulver und lassen daran anschließend eine Enttäuschung der nächsten folgen. Die Hollywood Pornstars gehen den umgekehrten Weg. Mit „Satellites“ weisen sie nicht nur ihren lauen Vorgänger in die Schranken, sondern beglücken die hiesige Indie-Landschaft mit einem eingängigen und schönen Indie/BritPopalbum belgischen Ursprungs.

Anspieltipps:

  • Andy
  • Islands
  • Crimes
  • Diamond
  • There’s A God
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