Jimmy Eat World - Chase This Light - Cover
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Jimmy Eat World Chase This Light


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 41 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Nicht mehr als eine poppige Scheibe, vollgestopft mit Wohlfühlharmonien.

Was haben uns Jim Adkins (Gesang, Gitarre), Tom Linton (Gitarre), Rick Burch (Bass) und Zach Lind (Schlagzeug) mit ihren bisherigen fünf Alben, insbesondere den letzten dreien, „Clarity“ (02/1999), „Bleed american“ (08/2001) und „Futures“ (10/2004), nicht für unzählige Endorphine in den Körper geschossen und den Stress und die Hektik des Alltags zumindest für die Länge von durchschnittlich 45 Minuten vergessen lassen. Leider ist all das nun einer, sagen wir mal, kommerzorientierteren Herangehensweise gewichen, die sicherlich für viele Fans der aus Mesa, Arizona stammenden Truppe nur äußerst schwer zu verdauen sein wird.

Dabei startet „Chase this light“, das von Butch Vig (Nirvana, The Smashing Pumpkins, Sonic Youth) produziert wurde, mit „Big casino“ furios los und setzt dort an, wo „Futures“ mit „23“ und dem Bonus Track „Shame“ einen nachdenklichen Schlusspunkt gesetzt hatte, um den Hörer wieder wachzurütteln und einen wieder wesentlich hoffnungsvolleren Kurs anzusteuern. Überhaupt regiert auf der neuen LP des zwischen zart besaiteten Emo und fetzigem Rock pendelnden Acts die Fröhlichkeit. Gut, Kinder der Traurigkeit waren Jimmy Eat World ja nie, aber mit melancholischer Note versehen ist (mit Ausnahme von „Gotta be somebody´s blues“) trotzdem keiner der neuen Songs. Viel mehr plädieren die Amis auf große Hymnen und Ohrwurmmelodien, die sich nicht erst durch unzählige Durchgänge quälen müssen um sich endlich festzusetzen, sondern gleich mit einer ordentlichen Portion Stadionrock mit der Tür ins Haus fallen.

Dabei vergessen Adkins & Co. zwar auf die bisher oftmals angewendete Dramaturgie in den Tracks und lassen ihnen kaum Zeit über sich selbst zu reflektieren, dafür nimmt die Erschließung von „Chase this light“ auch wesentlich weniger Zeit in Anspruch als z.B. „Clarity“. Aber: Will man das als Jimmy Eat World-Fan eigentlich? Keine Frage, das neue Album ist perfekt produziert und jedes „Ah“ und „Oh“ wurde vortrefflich eingefangen und mit modernster Technik ausgeschmückt und poliert, aber detailliert ausstaffierte Songs hören sich definitiv anders an. Paradigmatisch für den neuen Kurs der Jimmys ist „Always be“, das gerade einmal eine nette Idee aufwirft, die mit Handclaps und Glockenspiel unterlegt und für die gesamte Dauer des Stücks aufrecht erhalten wird. Wie dieser Song ist auch das restliche Material auf „Chase this light“ von eher kurzweiliger Natur und der Vierer erreicht die musikalische Glücksseligkeit mit deutlich unspektakuläreren Mitteln als auf den Vorgängern.

„Electable (Give it up)“ wird mit „Oh oh“-Chorus zugekleistert, „Feeling lucky“ ist bestenfalls eine nicht zu Ende gedachte Idee und „Here it goes“ schießt mit „Aaaaaah“-Gesäusel und euphorischem Gospel-Geklatsche ohnehin den Vogel ab und hinterlässt den Hörer ratlos und angewidert, während sich dieser fragt, was aus seinen früheren Idolen geworden ist. Zum Glück retten sich Jimmy Eat World mit dem mittelmäßigen Titeltrack und „Firefight“, sowie den zwei Höhepunkten „Let it happen“ und „Dizzy“, mit denen die Truppe wenigstens annähernd die Klasse früherer Kompositionen erreicht, noch halbwegs passabel über den Durchschnitt. Am Ende bleibt jedoch nicht mehr als eine poppige Scheibe, vollgestopft mit Wohlfühlharmonien und fröhlichen Upbeat-Songs, die den Charme der früheren Outputs der Band an so ziemlich allen Ecken und Enden vermisst. Schade!

Anspieltipps:

  • Dizzy
  • Big Casino
  • Let It Happen
  • Gotta Be Somebody´s Blues
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