Radiohead - In Rainbows - Cover
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Radiohead In Rainbows


  • Label: Beggars/INDIGO
  • Laufzeit: 43 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Radiohead schenken sich und ihrem Gefolge mehr als amtlich eine weitere Großtat.

Während 1992 die Band um Thom Yorke mit der Erfolgssingle „Creep“ dem Britpop-Wahn neues Futter gab und das darauf folgende Debüt-Album „Pablo Honey“ gerade noch diesem Begriff zugeordnet werden konnte, war bereits das zweite Werk von Radiohead, nämlich „The Bends“, eine weitaus intensivere Reise, die kein anderer der Britpop-Vertreter je unternehmen hätte können. Das kreative Potential, verbunden mit einer visuellen Ästhetik, die genau so bizarr wie herzerwärmend ist, wurde mit den folgenden Alben immer deutlicher und so schieden sich spätestens bei „Kid A“ (2000) und „Amnesiac“ (2001) die Geister der geneigten Radiohead-Fans. Elektronische Eskapaden, die man sich hart erarbeiten musste und doch reich dafür belohnt wurde, erreichten damals ihren Höhepunkt und ließen Radiohead nach und nach wieder zu ihren Wurzeln, die sie mit ihrer unverkennbaren Eigenständigkeit schmückten, zurückkehren.

Nach dem an eben diese beiden just genannten Alben erinnernden Thom York-Longplayer „The Eraser“ machten die Engländer nach dem auslaufenden Vertrag mit EMI die Not zur Tugend und stellten nahezu plötzlich das von Nigel Godrich produzierte Album „In Rainbows“ per Download zur Verfügung, wobei die Fans den Preis selbst bestimmen können. Über die selbe Webseite kann man auch eine limitierte Ausgabe von „In Rainbows“ bestellen, die eine Bonus-CD beinhaltet und ab Anfang Dezember verschickt wird. Über XL Recordings (der neuen Heimat von Radiohead) gibt es allerdings auch noch eine Veröffentlichung, die ganz gewöhnlich im Plattenregal zu haben sein wird und für Anfang 2008 angepeilt ist.

Doch genug mit der Theorie, die im Falle der Briten natürlich einiges hergibt, aber dennoch nicht halb so interessant ist, wie die Musik selbst. Zehn Tracks umfasst der siebte Longplayer und zeigt, wie bereits „Hail To The Thief“, einen eingängigeren Weg auf, der dieses Mal allerdings noch einen Tick mehr auf die Spitze getrieben wurde. Auf den ersten Blick eine durchaus gefällige Angelegenheit, welche (für Radiohead-Verhältnisse) gewöhnliche Pop/Rock-Stücke offenbart und erst nach dem dritten, vierten Hördurchgang an Raffinesse zulegt. Diese ist dann jedoch so schnittig umgesetzt, dass einen wieder das Radiohead-Fieber übermannt, die Gitarren bei „Bodysnatchers“ so räudig schräg wie lange nicht mehr braten und bei „Nude“ die geliebte, niederschmetternde Melancholie einsetzt.

Mit manischer Brillanz steigert sich „Bodysnatchers“ zu einem Noise-Gewitter, in dem sich trotzdem von Akustik-Gitarren geprägte Melodiebögen entfalten und das erste Ausrufezeichen einer tollen Rückkehr markieren. Cineastische Klanglandschaften schlagen danach bei „Nude“ wieder einen sanfteren Ton an, der darüber hinaus vor allem durch die harmonischen Percussions und natürlich Thom Yorkes einzigartigem Gesang den vollkommen überzeugenden Gang in Wohlklang-Dimensionen fortsetzt und bei „Weird Fishes/Arpeggi” seine Sinne raubende Dramatik nochmals auf den Punkt bringt. Wunderbar steigert sich der Song im Verlauf mit feedback-lastigen Beigaben und einer vereinnahmenden Stimmung, die nahezu jeden Track auf „In Rainbows“ verzaubert und die anfangs noch gefühlte Ernüchterung in Bezug auf die simplere Gangart vollkommen vergessen lässt. Wem das noch nicht reicht, sei an das Glockenspiel und den Piano-Part von „All I Need“ erinnert oder an die wiederkehrenden Streicher-Passagen, oder vielleicht doch an die herausragenden Akustik-Gitarren? Man weiß es nicht, nur dass sich Radiohead und ihrem Gefolge mehr als amtlich eine weitere Großtat schenken.

Anspieltipps:

  • Nude
  • Weird Fishes/Arpeggi
  • All I Need
  • Videotape

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