Deborah Harry - Necessary Evil - Cover
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Deborah Harry Necessary Evil


  • Label: Eleven Seven Music
  • Laufzeit: 64 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

In Würde altern, das ist so leicht nicht für ehemalige Weltstars. Deborah Harry ist dies bisher gelungen. Keine musikalischen Fehlgriffe, keine öffentlichkeitswirksamen Verfehlungen. Ungewöhnlich für eine Künstlerin, die neben der Musik bereits als Schauspielerin und Model im Fokus der Presse stand. Dass „Necessary Evil“ bereits ihre sechste Veröffentlichung als Solokünstlerin ist, überrascht ein wenig. Denn eigentlich kennen wir die mittlerweile 62jährige vor allem als die Frau, die einer Legende des New Wave, nämlich Blondie, ihre unverwechselbare Stimme gab. Blondie trennten sich im Jahr 1982, um 1999 mit ihrem Album „No Exit“ ein, zumindest aus kommerzieller Sicht, grandioses Comeback zu feiern. Danach wurde es ein wenig still um Deborah Harry, sieht man einmal von durchaus gelungenen Kollaborationen mit Moby oder den Jazz Passengern ab.
Wirklich ausgelastet schien Debbie Harry jedoch nicht, vermutlich war es die Langeweile, die sie zur Aufnahme von nicht weniger als 17 neuen Liedern trieb. Diese wurden in der Mehrzahl von Barb Morrisson und Charles Nieland (unter anderem auch erfolgreich tätig für Rufus Wainwright und die Scissor Sisters) produziert, auch ihr ehemaliger Liebhaber und Blondie- Mitbegründer Chris Stein durfte mitmischen. Er zeichnet verantwortlich für „Jen Jen“ und „Naked Eye“, die möglicherweise schwächsten Titel auf „Necessary Evil“, die irgendwie nach erfolgloser spiritueller Sinnsuche in Indien klingen. Und nicht nach Blondie, wie der überwiegende Teil der Kompositionen auf diesem (Alters-)Werk. Denn mit einer solch unverwechselbaren Stimme ist es wohl unmöglich, nicht mit jedem gesungenen Wort an die Großtaten der eigenen Vergangenheit zu erinnern.

Da hilft’s auch nicht, dass hier und da mehr seltsam als interessant anmutende Ausflüge in bisher aus gutem Grund unerschlossene Genres unternommen werden. Belanglose elektronische Spielereien wie in „Charme Redux“, oder uninspirierte Madonna-Imitationen wie „Dirty And Deep“ sind weitere Tiefpunkte eines Albums, welches mit dem nah am Wahnsinn gebauten „You’re Too Hot“ nur ein einziges Mal wirklich positiv zu überraschen vermag. Eskalierendes Gitarrenspiel, ein Beat, der sofort greift und den Beweis liefert, dass Miss Harry nur gefordert werden muss, um überzeugen zu können.

Dies wird sie in den immerhin 64 Minuten, die dieses musikalische Durcheinander andauert, leider viel zu selten. Abwechslungsreichtum wird gern verwechselt mit Orientierungslosigkeit. „Necessary Evil“ ist äußerst abwechslungsreich geraten. Nicht so schlecht, dass die Gefahr der Dekonstruktion einer Ikone bestände. Nicht gut genug, um die öffentliche Wahrnehmung von Deborah Harry zu verändern. Sie wird für immer die unwiderstehliche Frontfrau von Blondie bleiben. Es gibt schlechtere Voraussetzungen, um in Würde zu altern.

Anspieltipps:

  • Two Times Blue
  • You’re Too Hot

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