Helloween - Gambling With The Devil - Cover
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Helloween Gambling With The Devil


  • Label: Steamhammer/SPV
  • Laufzeit: 58 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Zu den ungeschriebenen Geboten des Metals gehört es Metallica zu vergöttern, Indie-Rock zu hassen und kein kritisches Wörtchen über die Helloween-Alben der ausgehenden 80er Jahre zu verlieren. Letzteres ist auch nicht die Absicht des Autors, der Affront aber ein ähnlicher: Helloween sind heute (genauer gesagt: seit 2000) besser als früher. Die angesprochenen Werke haben sicher ihre Daseinsberechtigung als Klassiker, aber stilistisch hat die Band seitdem deutlich an Profil gewonnen. Die Bruch mit der Tradition wurde spätestens mit dem atemberaubenden Millenium-Album „The dark ride“ vollzogen, fand seine Fortsetzung 2005 mit dem mehr als würdigen Vermächtnis des Keepers (über das Hasen-Album soll hier der Wintermantel des Schweigens gehüllt werden) und zeigt sich auch im neuesten Erguss der Hamburger Power-Metal-Formation.

Der Blick auf das thematisch, aber nicht künstlerisch gelungene Cover verrät bereits, dass Helloween ihrem morbiden Charme treu geblieben sind. Ein Schausteller mit einer ungesunden Gesichtsfarbe lädt zum Glücksspiel mit dem Teufel ein. Mit dem soll man sich zwar nicht einlassen, aber wir schlagen alle Sorgen in den Wind und drehen nach einem kurzen Spoken-Words-Intro vor Freude und Staunen am (Glücks-)Rad. „Kill it“ hätte in seiner kompromisslosen Brachialität selbst auf „The dark ride“ (2000) für erhöhte Aufmerksamkeit gesorgt, was nicht zuletzt dem tollen Refrain zuzurechnen ist. Legt man zugrunde, dass Longtracks ab 7 Minuten Spielzeit beginnen, geht das anschließende „The saints“ gerade noch als einziger Longtrack der Platte durch. Zum Glück bedeutet bei Helloween anno 2007 Länge nicht „uns fällt nichts mehr ein, deswegen spielen wir einfach mal weiter um die Stunde vollzukriegen“, sondern „uns macht das so viel Spaß, dass wir gar nicht mehr aufhören möchten“. Das Lied jedenfalls ist der zweite Pluspunkt auf „Gambling with the devil“, wirkt aber im Vergleich zur zwingenderen Single „As long as I fall“ etwas blass. Helloween-Singles waren in der Vergangenheit oft peinlich. Diese hier ist es nicht.

Das folgende „Paint a new world“ stellt gewissermaßen die Quintessenz des helloweenschen Sounds dar. Geschwindigkeit paar mit sich mit einem hymischen Refrain. Auch nicht übel, letztlich aber eine Spur zu gewöhnlich. Doch Zweifel an dem Album lassen Helloween gar nicht erst aufkommen, denn „Final fortune“ ist der zweite Best-Of-verdächtige Song. Leute, für die Fröhlichkeit im Metal ein Sakrileg darstellt, dürften sich zwar angewidert abwenden, alle anderen werden an dieser Stimmungsbombe aber ihren Spaß haben. Das gilt auch für „The bells of the 7 hells“ und „Fallen to pieces“, die allerdings wiederum eher in düsteren Gefilden angesiedelt sind. Und schön episch sind sie auch noch. „I.M.E.“ schlägt eine weitaus modernere Richtung ein, ohne die bewährten Helloween-Merkmale zu vernachlässigen.

An „Can do it“ werden sich die Geister scheiden. Für die einen ein schlimmer Rückfall in kitschigste Happy-Metal-Zeiten, für die anderen ein ausgelassener Gute-Laune-Song, den man schon wegen seines Refrains gar nicht böse sein kann. Ausgerechnet das Finale gestalten zwei Songs, die auch nach mehreren Hördurchgängen nicht so recht zünden wollen, dabei sind „Dreambound“ und „Heaven tells no lies“ keinesfalls schlecht, sie leiden nur ein wenig unter Ideenarmut. Elemente, die im Power-Metal-Genre für Einprägsamkeit und Wiedererkennung sorgen, sind vor Allem bei „Dreambound“ nicht vorhanden.

Dennoch lässt sich als Fazit festhalten, dass niemand, der sich in Halloween-Stimmung bringen will, an „Gambling with the devil“ vorbeikommt. Auf zwei, drei schwächere Stücke kommen mindestens 8 Highlights, unter denen mit „Kill it“, „As long as I fall“, „Final fortune“, „The bells of the 7 hells“ und „Fallen to pieces“ echte Großkaliber vertreten sind. „The keeper of the seven keys: the legacy“ verband Qualität mit Quantität. Damit kann sich „Gambling with devil“ ebenso wenig messen wie mit „The dark ride“. Für einen starken dritten Platz in der Banddiskographie reicht es aber (Verfechter der alten Helloween verschieben die Platzierungen bitte entsprechend nach hinten). Den Titel „bisher bestes Power-Metal des Jahres“ hat es ohnehin sicher, wobei das Teil mit dem Prädikatsaufkleber „besonders spaßig“ ausgeliefert werden sollte.

Anspieltipps:

  • Kill it
  • Final fortune
  • As long as I fall
  • Fallen to pieces
  • The bells of the 7 hells

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