Grizzly Bear - Friend EP - Cover
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Grizzly Bear Friend EP


  • Label: Warp/Rough Trade
  • Laufzeit: 43 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Aus „altem“ und neuem Material haben Grizzly Bear frische, psychedelische Indie-Popsongs geschmiedet, die als Album funktionieren.

Als Home Recording Bastler hat Edward Droste seine ersten musikalischen Visionen auf Tape gebannt. Unter Mithilfe von Multiinstrumentalist Christopher Bear entstand 2004 das erste Album von Grizzly Bear, das mit „Horn Of Plenty“ betitelt wurde. Ein Psychedelic-Folk-Kleinod mit hypnotischen mehrstimmigen Gesangsparts, die mit akustischen Gitarren, Orgeln und Samples in fragmentarisch-experimentelle Tracks überführt wurden. Ein Konzept, das sie auf ihrem Zweitwerk „Yellow House“ (2006) fokussierten und ihre Songs mit melancholisch-psychedelischen Melodien ausstatteten. Man darf auch symphonische Popmusik dazu sagen oder Beispiel für die frühe Meisterschaft von Grizzly Bear.

Wirft man nun einen ersten Blick auf das vorliegende „Friend“, so hat man es mit einem vermeintlichen Übergangswerk zu tun. Neben Cover-Versionen greift Grizzly Bear auf eigene, teils schon bekannte Songs zurück oder covert sozusagen von anderen Künstlern interpretierte Grizzly-Bear-Songs zurück. Etwas verwirrend, auch, dass die CD als EP eingestuft wird, wo sie doch mit 43 Minuten einer „normalen“ Albumlänge entspricht.

Beim Hören von „Friend“ wird man dann eines besseren belehrt. Von wegen Übergangswerk, die Songs hinterlassen einen kompakten Gesamteindruck und die neuen Versionen der Songs von „Horn Of Plenty“ und „Yellow House“ sind alles andere als überflüssig. Am besten lässt sich „Friend“ über Kopfhörer und in aller Ruhe genießen, denn die Songs verlangen eine gelassene Aufmerksamkeit. Die Choir Version von „Alligator“, bekannt vom Debüt „House Of Plenty“ hat in Beiruts Zach Condon und Dirty Projectors nicht nur Gastauftritte vorzuweisen, sondern bläst wie ein acidgetränkter lauer Wind durch die Gehirnwindungen. Danach wird aus dem von den Crystals zuckersüß intonierten „He Hit Me“ ein klares nüchternes, dennoch strahlendes Indie-Pop-Stück, hinter dem aber auch eine undefinierbare Angst hervorlugt. Von „Plans“ dann zwei Versionen, einmal als „Terrible vs. Nonhorse: Sound Edit“ und „as covered by Band Of Horses“. So auch „Knife“, in der Version „as covered by CSS“ und „as covered by Atlas Sound“. Warum das Sinn macht? Weil es Grizzly Bear versteht fremde wie eigene Songs neu auszubalancieren, im eigenen visionären Kosmos neu zu definieren.

Aus „altem“ und neuem Material haben Grizzly Bear frische, psychedelische Indie-Popsongs geschmiedet, die als Album funktionieren. Allein dafür gebührt ihnen Respekt. Sind sie das Bindeglied zwischen Beach Boys und Arcade Fire? Würde Brian Wilson als junger Mann in der heutigen Zeit solche Songs verfassen? Man ist fast geneigt dem zuzustimmen. Doch was wichtiger ist, dass diese Songs im Hier und Heute lange im Kopf des Zuhörers nachwirken. Ein Echo, das dich durch den Tag und die Nacht bringen kann.

Anspieltipps:

  • He Hit Me
  • Plans
  • Granny Diner
  • Knife
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