Mark Medlock - Dreamcatcher - Cover
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Mark Medlock Dreamcatcher


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 59 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Zahlen lügen nicht. Aber verraten sie auch die ganze Wahrheit? Leider nicht. Denn das Prinzip „Bohlen“ schlägt erneut zu!

Drei Nummer-1-Hits (das Album „Mr. Lonely“ sowie die Singles „Now or never“ und „You can get it“), die insgesamt zehn Wochen an der Spitze der deutschen Charts standen und mehr als 850.000 verkaufte Tonträger, was gleichbedeutend mit zwei Platin- und einer Gold-Auszeichnung ist – das ist die Bilanz der Zusammenarbeit von Produzententitan Dieter Bohlen (53) mit dem Gesangsnewcomer Mark Medlock (29). Strike! Da hat unser Dieter wieder einmal alles richtig gemacht. Und dafür darf er jetzt auch mit auf das Cover des zweiten Medlock-Albums, das unter dem Banner „Medlock & Bohlen“ erscheint. Wie schön. Der große Mentor und sein Ziehsohn vereint in Glückseeligkeit – auch wenn das Cover eine verunglückte Fotomontage mit hohem Lachfaktor darstellt. Oder ist Dieters Kopf wirklich doppelt so groß wie der von Herrn Medlock?

Es ist rekordverdächtig, dass das zweite Album des DSDS-Siegers schon fünf (!) Monate nach seinem Debüt erscheint. Das riecht nach Ausverkauf, Schnellschuss und Massenware von der Stange. Typisch Dieter Bohlen eben. Doch wundert sich wirklich jemand über dieses logistische Meisterstück? Eigentlich nicht! Denn im Prinzip ist der Schachzug genial. Wissen wir doch inzwischen, dass die Halbwertzeit von Casting-Show-Teilnehmern selten über zwei Alben und einen Nummer-1-Hit hinausgeht. Also ist Eile gefragt. Denn bald ist ja auch Weihnachten (Merke: Balladenanteil erhöhen!) und der nächste „Wetten dass..?“-Auftritt muss gebucht werden (allein dadurch steigern sich die Abverkäufe um 40%).

Dürfen wir vorstellen: Hier kommt „Dreamcatcher“, der wahrgewordene Alptraum aus 15 Dieter-Bohlen-Instant-Melodien, die sich (wie immer) sowohl am eigenen Oeuvre als auch an fremden Hits bedienen – dem Plagiat immer dicht auf den Fersen. Oder wie sind Songs wie „Sing halleluja“, „My dream survive“, „Love is beautiful“, „Get out of my bed” und „Wonderful girl” sonst zu verstehen? Ach so, Künstler wie Dr. Alban, Lionel Richie, Peter André, The Supremes und The Cascades kennt ja keiner aus der Medlock-Zielgruppe. Also alles schön in einen großen Topf geworfen und ein eigenes dünnes Süppchen daraus gekocht, selbstverständlich ohne Credits an die eigentlichen Ideengeber zu verteilen. Und so steht im Booklet tatsächlich ganz ohne Witz „all Songs written by Dieter Bohlen”. Da kann einem das Lachen vergehen.

„Dreamcatcher“ ist eine Ansammlung langweiliger, austauschbarer Halbballaden, die wie aus dem Nichts kommen und genau dort wieder verschwinden. Klar lässt sich damit locker eine weitere Goldene Schallplatte einfahren. Denn Bohlen schafft es wie auch bei seinen vorherigen Produktionen zwei bis drei gute Songs unterzubringen. Das muss reichen. Der Rest besteht aus Füllmaterial, das sich „Uns Dieter“ in seinem Heimstudio in Tötensen zusammenbastelt und in dieser Menge wie kein Zweiter aus dem Ärmel schüttelt. Toll für Dieter, schlecht für Mark. Denn dieser setzt seinen guten Namen als (Soul-)Sänger aufs Spiel, wenn er Schlager-Grütze wie „When your close your eyes“ und „Feels like the first time“ singen muss, die rein gar nichts mit Soul und moderner Popmusik zu tun hat. Aber worüber regen wir uns eigentlich auf? Wo Bohlen draufsteht, ist auch Bohlen drin...

Anspieltipps:

  • Unbelievable
  • Only forever
  • Fly with me
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