Sigur Rós - Hvarf Heim - Cover
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Sigur Rós Hvarf Heim


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 73 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit der Doppel-DVD „Heima“, die zeitgleich zu diesem Album erscheint, sind die isländischen Ausnahmemusiker auf dem besten Weg, ihr bahnbrechendes Werk in Stein zu meißeln. Die atemberaubenden Bildaufnahmen ihres Heimatlandes in Verbindung mit der einzigartigen Musik sind das perfekte Instrument, um dem Anspruch dieser Band gerecht zu werden. Die hier zu besprechenden Doppel-CD „Hvarf / Heim“, die drei neue Songs und ältere Lieblinge der Isländer im neuen Gewand präsentiert, bietet auf der ersten CD (dt. „Hafen“) den sich typisch aufbauenden Sound, welcher sich zumeist bis zum verzerrten Gefühlsausbruch der Extraklasse steigert und auf der zweiten CD (dt. „Heimat“) recht nüchterne, in sich ruhende Akustikversionen bekannter Stücke.

Dabei kommen die drei, gleich zu Anfang untergebrachten, neuen Tracks am besten weg. Vielleicht auch, weil man sich als Freund der sympathischen Eigenbrödler nichts sehnlicher wünscht, als neue Songs und die damit verbundene, so oft entzückende Entdeckungsreise zu erleben. „Salka“ beginnt mit zarten Gitarren-Pickings und wohligen Percussions, die sich nicht nur durch den engelsgleichen Gesang, Violine und Glockenspiel im Songverlauf zu einem euphorisch strahlenden Epos entwickeln. Wie bei den anderen neuen Songs, fällt auch hier der direktere, näher an Pop/Rock positionierte Weg auf, welcher trotzdem nicht auf die viel zitierte Intensität im Kosmos von Sigur Rós verzichten muss. Bei „Hljomalind“ wird es danach nochmal kräftiger im Ausdruck, denn die Wechsel zwischen leisen und aufwühlenden Passagen mit sehr eingängigen, atmosphärischen Rock-Gitarren sind einfach großartig, auch wenn der Song mit seinen knapp fünf Minuten arg kurz gehalten ist.

Die Akustikversionen glänzen vor allem bei den „Hits“ der Band, die in Form von „Staralfur“ und dem Titelsong des als Start in eine sagenumwobene Karriere fungierenden Albums „Agaetis Byrjun“ ihren Höhepunkt erreichen. Obwohl für Sigur Rós-Verhältnisse nicht allzu viel Kreativität bei den neuen Arrangements angewandt wurde, sind diese Versionen ein tolles Beispiel dafür, wie die auf Effekten und diversen übereinander geschichteten Soundscapes basierende Musik heruntergefahren werden kann und dabei dennoch genügend Herz für sich beansprucht. Insgesamt bleibt aber festzuhalten, dass sich die Isländer mit dieser Compilation nicht die Kompaktheit eines Studio-Albums erarbeiten können, was in der beherrschenden Dramaturgie begründet liegt, die auf dieser Zusammenstellung nur in Ansätzen hervortritt. „Hvarf / Heim“ ist leider nur eine gelungene Ergänzung zum bisherigen Output, auf die der Interessent aufgrund der finanziellen Strapazen für die Doppel-DVD „Heima“ gut verzichten kann, während der Fan natürlich dennoch zuschlägt.

Anspieltipps:

  • Salka
  • Hljomalind
  • Staralfur
  • Vaka

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