Rhesus - The Fortune Teller Said - Cover
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Rhesus The Fortune Teller Said


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach dem überaus gelungenen Debüt „Sad Disco“ legen die Pariser von Rhesus nun ihr zweites Album vor, welches es eigentlich nur aufgrund der mittlerweile fehlenden Überraschung im ersten Atemzug schwer hat. Danach werden sich alle, die bereits das Debüt für seine unbegreifliche Lockerheit und den eleganten Charme mochten, besinnen und sich ein etwas ruhigeres Album zu Gemüte führen, das mit seinen großartigen Arrangements die langsamere Gangart wieder wett macht. Auch wenn Aurélien Marie, Laura Rosello und Simon Nodet mit dem Gedanken, möglichst alles mit dem ersten Take aufzunehmen und relativ roh zu belassen, ins Studio gegangen sind, ist davon auf „The Fortune Teller Said“ nichts zu merken. Stets klingt es ausgefeilt und durchdacht, während sich eine umwerfende Melodie nach der anderen aus den Boxen räkelt.

Hitverdächtig kommt bereits der Opener „No Directions“ um die Ecke, die durch den androgyn verruchten Gesang von Aurélien Marie und flinke Gitarreneinsätze galant genommen wird. Im zweistimmigen Refrain von „Hey Darling“ gesellt sich Laura Rosello an das Mikrophon und thront mit ihrem männlichen Pendant über dem erneut höchst eingängigen Gerüst einer perfekt inszenierten Indie-Hymne. Da stimmen die Breaks, die leichten Synthesizer-Einsätze und die herzensgute Verbeugung vor zeitlosem Wave-Pop, der mit seinen typischen Gitarren-Eskapaden stets für großes Gefühlskino sorgt. Auch wenn das vielleicht kalkuliert klingt, es sei den jungen Franzosen gegönnt, Referenzen im deutlicheren Rahmen aufzuzeigen, denn sie machen all´ das mit einem nicht unwesentlichen Verständnis von Pop-Musik und jeder Menge Gefühl im ausbalancierten Songwriting.

Euphorische Gitarrenklänge und intensive Vocals von Aurélien im schier perfekten Zusammenspiel mit Laura schmücken „I Suppose“ auf eine erneut so beherrschende Weise, dass man die glückliche Indie-Crowd vor seinem inneren Auge schon tanzen sieht. Als gelungene Abwechslung zum Hit-Feuerwerk kommt „Berlin“ gerade recht, denn das in LoFi-Qualität aufgenommene Zwischenspiel ist mit seiner Ukulele äußerst erfrischend, wie auch die Slide Guitar-Stippvisite bei „I Still Think Of You (Sometimes)“, welches balladesk, doch nicht ohne am Ende noch einmal dramatischer zu werden, ein starkes Album ausklingen lässt und die Hoffnung weiterhin am Leben hält, Rhesus auch in Deutschland mit einem größeren Erfolg bedacht zu sehen.

Anspieltipps:

  • Hey Darling
  • Little Things
  • I Suppose
  • I Still Think Of You (Sometimes)

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