R.E.M. - Perfect Square - Cover
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R.E.M. Perfect Square


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 143 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Bei dem Trio aus Athens wird Qualität noch groß geschrieben.

Im Hause R.E.M. weiß man noch, was eine amtliche Vollbedienung für den Fan bedeutet. Denn um die Wartezeit auf das nächste Studioalbum so angenehm wie möglich zu gestalten, veröffentlichten die Alternative-Pop-Götter aus Athens, Georgia vor wenigen Monaten ein opulentes „Best Of“-Set („In Time: The Best Of R.E.M. 1988 – 2003) als Doppelalbum und DVD und legen jetzt noch einmal mit einer Live-DVD nach, die besonders die deutschen Fans in absolute Verzückung versetzen dürfte. Mit dem am 19. Juli letzten Jahres auf dem „Bowling Green“ in Wiesbaden gefilmten Konzert erfüllten Michael Stipe, Peter Buck und Mike Mills die Wünsche zahlreicher Fans, die sich auf der R.E.M. Homepage für die Sommer-Tour 2003 ein paar selten gespielte Live-Stücke wünschten, die nun in Form der „Perfect Square“ betitelten DVD vorliegen. Darauf findet der Hörer 23 Songs aus der gesamten Bandgeschichte und eine ca. 40-minütige Dokumentation namens „A Stirling Performance“, die einen Rückblick auf den legendären Auftritt in Stirling Castle, Schottland, aus dem Juli 1999 bietet.

An diesem lauen Samstagabend des 19. Juli 2003 präsentierte sich R.E.M. als entspannt aufspielende Supergruppe, die aus einem unwerfenden Repertoire aus 20 Jahren Karriere auswählen kann und dies mit sympathischer Lockerheit in ein fast zweistündiges Programm aus „Greatest Hits“ und diversen Raritäten ummünzte. So gibt es im satten Dolby Digital 5.1 Surround Sound Klassiker wie „What’s the frequency, Kenneth?“, „Drive“, „The great beyond“, „The one I love“, „Losing my religion“, „Man on the moon”, „Everybody hurts” und „It’s the end of the world as we know it (and I feel fine)” zu bestaunen, aber auch neue Stücke wie das systemkritische „Bad day”, das rockige „Animal”, eine grandiose Version von „Country feedback“ oder das lang verschollene „Permanent vacation“ (einem Rocker vor dem Herrn) zu entdecken. Dabei sind R.E.M. live immer noch für Überraschungen gut und kommen um einiges spritziger, als auf ihren Studioalben daher. Stücke, die man zur Genüge zu kennen meint, wie etwa „The one I love“, erleben im Live-Gewand eine Art Wiederauferstehung. Die Band geht deutlich rockiger zu Werke, kommt ohne Umschweife auf den Punkt und stellt damit eindrucksvoll unter Beweis, warum sie in den 90er-Jahren als Vorbild für jede zweite College-Rockband in den USA galt.

Sogar relativ alte Kompositionen wie „Orange crush“ vom „Green“-Album (1988) entfachen unter Live-Bedingungen eine ganz neue Atmosphäre. Und das schöne daran: Diese Atmosphäre zieht sich durch das gesamte Konzert. So hat „Losing my religion“ einen wesentlich härteren Punch, „At my most beautiful“ mit Mike Mills am Piano und das traumhafte „Walk unafraid“ schweben wie auf Wolken durch die parkähnliche Anlage in Wiesbaden, „Electrolite“ schwingt locker flockig von jeglichem Schnickschnack befreit, sodass Michael Stipe sich bei seinen ungelenkten Tanzeinlagen ein Grinsen nicht verkneifen kann, „Imitation of life“ wird plötzlich zur gefeierten Rock-Hymne und Über-Klassiker vom Schlage „Man on the moon“ und „Everybody hurts“ entfachen auch nach Jahren noch kollektive Gänsehautstimmung.

Auch wenn die zahlreichen R.E.M.-Outputs der letzten Zeit das Budget der Fans ziemlich belastet haben, lohnt sich der Aufwand, denn bei dem Trio aus Athens wird Qualität noch groß geschrieben, sodass man auch bei „Perfect Square“ bedenkenlos zugreifen kann. Außerdem: Was andere Künstler früher als liebloses Live-Album zwischen zwei Studioalben dazwischengeschoben haben, kommt heute in prächtiger Aufmachung, mit glasklarem Stereo-Ton und gestochen scharfem Bild daher. Also ganz klar „Value for Money“, den man sich leisten sollte. Schließlich gibt man auch nicht jedes Jahr alle drei Monate einen Haufen Geld für seine Lieblingsband aus (Live-Konzert, „Best Of“-Album und DVD, Live-DVD, neues Studioalbum). Also nichts wie ran! Denn was ist schöner, als wenn Michael Stipe nach 20 dargebotenen Songs zum Publikum spricht, dass man heute länger spielt, weil die Fans an diesem Tag besonders großartig sind? Bei R.E.M. ist das nämlich kein Standardspruch, sondern pure Liebe zu ihren Fans.

Anspieltipps:

  • Bad day
  • Orange crush
  • Everybody hurts
  • Man on the moon
  • Country feedback
  • Losing my religion
  • She just wants to be
  • It’s the end of the world as we know it (and I feel fine)
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