Simple Plan - A Big Package For You: 1999-2003 - Cover
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Simple Plan A Big Package For You: 1999-2003


  • Label: Lava/Warner Bros.
  • Laufzeit: 157 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Kaum haben sich die Spaß-Spacken von Blink-182 der ernstzunehmenden Rockmusik zugewandt, wird der Pop-Punk-Kuchen neu verteilt. Die Anwärter auf den Thron des grenz-debilen Fun-Rock-Champions lauten Sum 41, Good Charlotte und die in Europa eher unbekannten Simple Plan aus Kanada. Das aus Montreal stammende Quintett präsentierte im letzten Jahr sein Debütalbum „No Pads, No Helmets… Just Balls”, das in den USA, Japan und Kanada Platin-Status einspielte. Dabei beginnt die Geschichte von Simple Plan bereits Mitte der 90er Jahre, als Drummer Chuck Comeau und Sänger Pierre Bouvier als 13-Jährige eine Band namens Reset gründeten - eine wilde, Punkkapelle, die sich trotz des zarten Alters ihrer Bandmitglieder schon schwer behaupten konnte und mit MXPX, Ten Foot Pole und Face To Face auf Club-Tour ging.

Nachdem die Jungs von Reset 1997 ihr Debütalbum veröffentlichten, fiel die Band recht bald auseinander. Doch die Jungs hielten untereinander Kontakt und eines Tages trafen sich Chuck und Pierre bei einem Sugar-Ray-Konzert, bei dem Chuck beiläufig erwähnte, dass er für seine neue Band noch einen Bassisten und Sänger sucht. Pierre schaute ein paar Tage später im Proberaum vorbei und das Projekt namens Simple Plan war geboren. Die Band, bestehend aus Pierre Bouvier (Vocals), Jeff Stinco (Lead Gitarre), David Desrosiers (Bass), Sebastien Lefebvre (Gitarre) und Chuck Comeau (Drums), begann mit dem Songwriting und ließ sich von Künstlern unterschiedlichster musikalischer Couleur inspirieren. Neben Lagwagon, No Use For A Name, Pennywise und Cheap Trick, stapelten sich neben der Anlage auch CDs von den Beach Boys und Elvis Costello.

Die Jungs, jetzt alle Anfang zwanzig, nahmen Demos auf, die sie selber aus Pop-Punk bezeichneten. Dabei stammen die Songs von Simple Plan fast alle aus der Feder von Chuck und Pierre, bevor ihnen die gesamte Band den unverkennbaren Fun-Sound verpasste. Das erste Simple-Plan-Album „No Pads, No Helmets… Just Balls” wurde dann im Studio des Produzenten Arnold Lanni in Toronto aufgenommen. Während der Session verabschiedeten sich Simple Plan allerdings ein paar Mal für kurze Ausflüge über die Landesgrenze, um alte Freunde und Kollegen zu treffen, mit denen sie gerne für ihr Album zusammenarbeiten wollten. Die erste Station der Band war Buffalo, New York, wo sie sich mit Joel Madden von Good Charlotte traf, der den Gesang zu „You don't mean anything“ beisteuerte. Danach trafen sie einen anderen alten Freund, Mark Hoppus von Blink-182, der für „I'll do anything“ die Background-Vocals einsang.

Mit ihrem Debütalbum im Gepäck ist die Band jetzt seit geraumer Zeit auf großer Welt-Tour, die nach den Plänen der Kanadier rund zwei Jahre dauern könnte. Da sammelt sich natürlich eine ganze Menge Bild- und Tonmaterial an, das nun in Form einer zweieinhalbstündigen DVD verbraten wurde, mit der sich die Band vor allem ihren europäischen Fans vorstellen will. So präsentiert der stilecht betitelte Silberling „A Big Package For You 1999 – 2003“ eine mehr oder weniger hart arbeitende Band in allen erdenklichen Situationen auf Tour in Europa, Japan, Australien und den USA, live on Stage, im Tonstudio, bei Promotion-Auftritten und bei den Dreharbeiten zu ihren vier Video-Clips „Addicted“, „I’d do anything“, „I am just a kid“ und der aktuellen Single „Perfect“. Doch ob dies allen Ernstes ein abendfüllendes Programm sein soll, darf zu Recht bezweifelt werden.

Das Leben auf Tour mag ja einigermaßen interessant sein (ich möchte auch mal von Avril Lavigne zur Bühne getragen werden!), die Art, wie es auf der vorliegenden DVD dokumentiert wird, vermittelt davon leider nur wenig. Klar, die fünf Burschen Anfang Zwanzig haben eine Menge Spaß, lassen ordentlich die Sau raus, treiben ihre albernen Scherze und rocken auf jedem Kontinent das Haus. Das wird in Form eines Tourfilms, der sich in eine Vielzahl unwesentlicher Kapitel unterteilt (u.a. „Meet Simple Plan“, „Making our first Video“, „Hitting the road again“, Big rock show: SP does arenas“ und „Punk rock summer camp“), in langatmigen Sequenzen dargestellt, die mit der immer gleichen Musik unterlegt werden und am Ende doch nur eines verraten: die mangelnde Substanz einer Band, die erst ein einziges Album aufzubieten hat, aber bereits eine 2½ Stunden DVD füllen muss.

Bei „A Big Package For You 1999 – 2003” handelt es sich um ein absolut verzichtbares Produkt, für das die Band keine Schuld trifft. Ihr Debütalbum ist sicher ein kurzweiliges Pop-Punk-Werk und die Video-Clips zu den ausgekoppelten Songs unterstreichen den Anspruch von Simple Plan, als legitime Nachfolger von Blink-182. Warum man daraus gleich eine extrem umfangreiche DVD stricken musste, hat einzig und allein kommerzielle Gründe, für die sich das Label der Band hinterfragen lassen muss. Natürlich ist die heutige Pop-Welt schnelllebiger denn je, weshalb man die wenigen erfolgreichen Acts so gut es geht melkt. Einen Gefallen tut man den Bands und ihren Fans damit aber nicht wirklich.

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