Silverchair - Live From Faraway Stables - Cover
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Silverchair Live From Faraway Stables


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 130 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Was bringt eigentlich die Rezension eines Albums, das in Deutschland im Prinzip nicht erhältlich ist? Gute Frage! Vielleicht sind es die zahlreich vorhandenen Fans, die, bevor sie 40 Euro für einen Import ausgeben, wenigstens ganz grob wissen wollen, für was sie ihr Geld investieren. Und dass die australischen Ex-Teenie-Grunger von Silverchair immer noch eine ganze Menge Anhänger haben, obwohl sie mit ihrem letzten Album „Diorama“ (2002) einen erheblichen Stilbruch begangen haben, beweisen die Hintergrundinfos zu ihrem ersten Live-Album „Live From Faraway Stables“. Am 19. April 2003 gastierten Silverchair mit der „Across The Night“-Tour in ihrer Heimatstadt Newcastle. Das Konzert im Civic Theatre war binnen Minuten ausverkauft und präsentierte das Schaffen der Band in zwei Akte unterteilt. Das erste Set zeigte Silverchair von ihrer ruhigen, experimentellen Seite, während der zweite Teil die Hard-Rock-Ära der Australier offenbarte.

Das zweistündige Konzert wurde im Oktober 2003 als opulentes Box-Set mit zwei Audio-CDs und zwei DVDs in Australien veröffentlicht und bietet einen umfassenden Querschnitt durch das Schaffen von Mastermind Daniel Johns (Vocals, Gitarre, Piano), Chris Joannou (Bass) und Ben Gillies (Drums). Angefangen beim ebenso sparsamen wie melodieverliebten Opener „After all these years“, über wuchtige Balladen („Ana’s song“) und vertrackte Kunstwerke wie „Luv your life“, klingt das Material der ersten CD/DVD streckenweise so überambitioniert („Tuna in the brine“), als hätte Brian Wilson von den Beach Boys zum zweiten Teil der „Pet Sounds“- bzw. „Smile“-Sessions geladen. So wird zu den Instrumenten des Trios ein ganzes Orchester von Band eingespielt (!), das die Musik zu der berüchtigten Wall Of Sound aufbläst. Das hört sich nicht nur komisch an, es sieht auch entsprechend eigenartig aus. Drei Leute (plus Julian Hamilton und Stuart Hunter an den Keyboards) stehen auf einer riesigen Bühne, von der die Klänge eines Orchesters dröhnen. Nun, Johns muss es ja wissen. Aber mit solchen Aktionen wandelt das unbestrittene Supertalent auch auf einem ganz schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn, der schon so manchem Künstler den Garaus gemacht hat.

Aber Songwriter Daniel Johns, der optisch an den TV-Seriencharakter „Dawson Leary“ aus „Dawson’s Creek“ (dargestellt von James van der Beek) erinnert, lässt sich nicht beirren. Hatte er bereits bei den Aufnahmen zum „Neon Ballroom“-Album (1999) extrem großen Gefallen an theatralischen Rockopern gefunden, die auf „Diorama“ endgültig den Grunge der Anfangstage ablösten, frönt er auch bei den ersten acht Songs dieses Live-Sets pseudo-orchestralen Klängen, die nicht wirklich überzeugen können. Die Wende zum Guten stellt sich erst zur Mitte des Gigs ein, wenn die Klänge etwas härter werden. Schnell zeigt sich, dass die Australier noch immer dann am besten sind, wenn sie der elektrischen Gitarre den Vorrang lassen und richtig abrocken. Dramatische Emo-Rock-Kracher wie das herausragende „Ana’s song“ oder das epochale „Miss you love“ sprechen davon Bände. Doch den klassischen Silverchair-Sound gibt es erst auf dem zweiten Silberling zu hören.

„Emotion sickness“, „Black tangled heart“, „Do you feel the same”, „Anthem for the year 2000“ („Neon Ballroom“), „Israel’s son“ („Frogstomp“), „The door” und das grandiose „Freak” („Freak Show”) zeigen eindrucksvoll die Stärken einer Band, der eine sanftere Kurskorrektur wohl besser getan hätte, als die radikale Abkehr vom Grunge-Rock. Doch jetzt ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen und Band und Fans müssen das Beste aus der Situation machen. Wie zum Beispiel sich an der starken zweiten CD/DVD von „Live From Faraway Stables“ erfreuen, die eine ansprechende Mischung aus Bombast- und Hardrock bietet und nur damit verwundert, dass die Band bei ihrem Heimspiel eine ziemlich kühle Performance abgibt, dabei kaum mit dem Publikum kommuniziert und ihren Stiefel ungerührt runterspielt. Aber man kann ja nicht alles haben, wie dieses Box-Set in mehrfacher Hinsicht beweist.

Anspieltipps:

  • Freak
  • Ana’s song
  • Miss you love
  • Emotion sickness
  • Do you feel the same
  • Anthem for the year 2000
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