Avril Lavigne - My World - Cover
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Avril Lavigne My World


  • Label: Arista/BMG
  • Laufzeit: 150 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Legt doch einfach ne nette Emo-Core-Scheibe auf, aber haltet euch hier raus!

Mindestens einmal pro Jahr wird eine neue Pop- oder Rocksensation geboren. Vor zwei Jahren war dies eine gewisse Avril Lavigne aus Kanada, die wie ein Blitz auf der Bildfläche erschien. Der Teenager war der perfekte Gegenentwurf zu den aalglatten Pop-Barbies dieser Welt, machte auf Skatergirl mit verkehrt herum aufgesetzter Baseballkappe, Baggy-Pants und Metal-T-Shirt und rollte frech auf einem Skateboard durch ihr erstes Video „Complicated“ und damit direkt in die Charts auf der ganzen Welt. Als die heute 19-Jährige damals ihr Debütalbum „Let Go“ (2002) vorlegte, waren sich Fans und Kritiker bis auf wenige Nörgler und Wichtigtuer einig: die CD war ein Ausnahmewerk, wie es die Pop-Welt schon lange nicht mehr gesehen hatten. Knapp 15 Millionen Einheiten wurden bis heute verkauft. Jede Single war ein Hit: „Complicated“, „I'm with you“, „Sk8ter boi“ und „Loosing grip“ wurden rasch zu Radio-Hymnen, die nicht nur Teenager als Klingel-Töne für ihre Handys wählten.

Dass Avril Lavigne alles andere als ein Glamour-Girl ist, kommt positiv dazu. Mit einer gewissen Punk-Attitüde mied das Skatergirl Fotosessions, Interviews und Preisverleihungen. Sie ließ lieber ihre Songs sprechen und begab sich auf eine ausgedehnte Welttournee. Und siehe da, der Spagat gelang: Avril überzeugte gestandene Rocker ebenso wie die BRAVO-Leser, die Avril nicht zuletzt wegen ihrer rotzfrechen Unbekümmertheit und dem für jüngere Generationen fast schon als Retro-Look zu bezeichnenden Outfit zur Stil-Ikone erkoren. Nach ihrer Tour zog sie sich ausgepowert ins Privatleben zurück und widmete sich dem Songwriting für ihr neues Studioalbum. Doch bevor sich die knapp 1.60 Meter kleine Beauty Ende Mai mit dem Album „Under My Skin“ zurückmeldet, gilt es noch das als Zwischenmahlzeit eingeschobene Live-Album „My World“ zu rezensieren. Das Werk kam passend zum Weihnachtsgeschäft als CD/DVD-Set in die Läden und präsentiert neben einem 70-Minuten-Konzert der „Try To Shut Me Up“-Tournee eine 40-minütige „Behind The Scenes Featurette“ im Avril-Cut, DVD-Outtakes, eine Fotogalerie und nicht weniger als fünf Video-Clips („Complicated“, „I’m with you“, „Losing grip“, „Sk8er boi“ und „Knockin’ on heaven’s door“ von der War-Child Benefiz-CD). Dazu gibt es eine Bonus-CD mit raren Tracks („Fuel“, eine Metallica Coverversion aus der MTV Icon-Serie, dazu das Green-Day-Cover „Basket case“ sowie „Unwanted“ und „Sk8er boi“ live aus Dublin und die englische Single-B-Seite „Why“).

Kernstück von „My World“ ist aber das in Buffalo, New York aufgezeichnete Konzert, das eine perfekt eingespielte Live-Band, bestehend aus Evan Taubenfeld (Lead Gitarre), Matthew Brann (Drums), Jesse Colburn (Gitarre) und Charles Moniz (Bass), zeigt. Und wenn dabei wirklich jeder einzelne Song ein Hit ist, darf so eine Veranstaltung auch mal „nur“ 70 Minuten dauern. Vor einem begeisterten Publikum legt die Band ein beanstandungsfreies Programm an den Tag, das angenehm druckvoll und rau aus den Boxen perlt. Avril Lavigne zeigt, dass sie sich auf der Bühne am wohlsten fühlt und schon in ihrem jungen Alter als gestandene Performerin ernst zu nehmen ist. Deshalb richtet sich „My World“ nicht nur an alle Avril-Fans, die nach „Let Go“ nicht genug von ihrem Star bekommen können und einen stilvollen Zeitvertreib bis zum nächsten Studioalbum suchen, sonder auch alle Ungläubigen, die Fräulein Lavigne die Qualitäten als Pop/Rock-Star absprechen. Den unverbesserlichen Kritikern des Debütalbums sei aber gesagt, dass sie auch hier getrost die Finger weglassen und ihren Frust woanders ablassen können. Oder, um es mit den Worten der kleinen Kanadierin zu sagen: „Why’d you have to go and make things so complicated…..“. Legt doch einfach ne nette Emo-Core-Scheibe auf, aber haltet euch hier raus!

Anspieltipps:

  • Fuel
  • Naked
  • Basket case
  • Complicated
  • Nobody’s fool
  • Things I’ll never say
  • Anything but ordinary
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