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Diverse Later... Presents: Cool Britannia


  • Label: Warner Bros./WEA
  • Laufzeit: 156 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

In Zeiten, als man im Internet noch nicht jeden Song für lau herunterladen konnte, waren Hit-Compilations die großen Verkaufsschlager. Inzwischen liegen diese professionellen Versionen eines Mix-Tapes wie Blei in den Regalen. Doch auch hier naht Rettung in Form des Allheilmittels namens DVD. Besonders glücklich können sich dabei im Monat Juni die BritPop-Fans schätzen, denn aus der Serie „Later... with Jools Holland“, dem Klassiker unter den britischen Live-Musik-TV-Shows, erscheint mit „Cool Britannia: The Best Of British Pop And Rock“ der inzwischen 5. Teil, der sich ausschließlich mit der Musikszene auf der Insel beschäftigt.

Viele Künstler von Rang und Namen sowie verborgene Perlen, die vielleicht schon bald das nächste große Ding sind, konnten für dieses einzigartige Live-Musikformat gewonnen werden. Jools Holland präsentiert dabei einen repräsentativen Querschnitt der letzten zehn Jahre im BritPop mit einer 34 Bands (!) umfassenden Tracklist, die alle Fans in ehrfurchtsvolles Staunen versetzen dürfte. So gibt es unter anderem das phänomenale „In my place“ der Überflieger von Coldplay zu begutachten, Auftritte von den alten Helden des BritPop (Pulp, Oasis und Blur), wilde Nachwuchsrocker (Ash, British Sea Power, Feeder, Supergrass), heiße Newcomer der Marke Franz Ferdinand, Keane, Doves, Elbow, Starsailor und den 22-20s, All-Time-Heroes (Radiohead, The Verve, Embrace, Manic Street Preachers, Suede), lärmende Rockmatadoren (The Libertines, The Darkness) und zwei ganz besondere „alte Herren“ der britischen Musikszene (Paul Weller und Morrissey). Aufgrund der unvergleichlichen Zusammenstellung folgt eine kurze „Track by Track“-Rezension aller 34 Darbietungen.

Als da wären:

Ash „Shining light“ 27/04/01
(Die Nordiren legen einen ihrer gewohnt coolen Auftritte hin. Musikalisch einwandfrei, aber eine etwas dröge Performance – Ash eben.)

Blur „Tender“ 16/04/99
(Blur’s Live-Version von „Tender” bietet eine wunderbare Kombination aus Damon Albarns larmoyantem Gesang und der Power eines Gospelchors. Absolut cool!)

British Sea Power „Remember me“ 17/10/03
(Auf den ersten Blick vielleicht etwas unspektakulär, steigern sich British Sea Power in einen herrlich schrammeligen Independent-Pop hinein, der Lust auf das Album macht.)

Catatonia „Bleed“ 16/11/96
(Die Band ist längst Geschichte. Ihr Auftritt vor acht Jahren stellt aber eindrucksvoll unter Beweis, dass hier Musiker am Werk waren, die etwas von Riffs, Melodien und Gefühlen verstehen.)

Coldplay „In my place“ 13/12/02
(Die aktuellen Götter der britischen Pop- und Rockmusik mit dem unglaublich schönen „In my place“. Selten war eine Pop-Ballade so emotional und doch kitschfrei.)

Cornershop „Brimful of asha“ 06/12/97
(Die britischen Pioniere des Kiffer-Pop mit ihrem einzigen Hit „Brimful of asha“ in einer sehr starken Unplugged-Version.)

Doves „The cedar room“ 29/04/00
(Eine unglaublich hypnotische Vorstellung liefern die Doves mit „The cedar room“ ab. Hier wächst ganz klar eine neue Über-Band der Marke Travis oder Radiohead an.)

Echo & The Bunnymen „Nothing lasts forever“ 14/06/97
(Fast ist man geneigt zu sagen „ein Beitrag der alten Garde“. Doch gerade in solchen Performances, wie diese aus dem Sommer 1997 zeigen, wo viele jüngere Kollegen ihre Inspirationsquelle hatten.)

Elastica „Connection“ 19/11/94
(Einer der ältesten Auftritte der DVD bietet zugleich einen der schwächsten Vorträge. Vor zehn Jahren steckte der BritPop eben noch in seinen Kinderschuhen und verarbeitete diverse Einflüsse aus den 80er-Jahren, die eher verzichtbar sind.)

Elbow „Fugitive motel“ 07/11/03
(Elbow – ein neuer Stern am britischen Pop-Himmel? Das neue, soeben erschienene Studioalbum wird es langsam aber sicher beweisen müssen. Das schleppende „Fugitive motel“ kann jedenfalls noch nicht restlos überzeugen.)

Embrace „All you good good people“ 08/11/97
(Diese Gruppe ist und bleibt leider völlig unterbewertet und wurde nie mit den Chart-Platzierungen gewürdigt, die ihr aufgrund der bisweilen herausragenden Musik zugestanden hätte. „All you good good people“ ist ein Beispiel für das große Talent der Band, die dem Coldplay-Sound verdammt nahe kommt.)

Feeder „Just the way I’m feeling“ 29/11/02
(Feeder bewältigen auf besondere Art und Weise den Spagat zwischen sentimentalen Balladen und ziemlich hartem Rock’n’Roll. „Just the way I’m feeling“ gehört zu den ruhigeren Songs der Band und verarbeitet die „ganz großen Gefühle“ wie es nur eine Band der Extraklasse hinbekommt.)

Franz Ferdinand „Take me out“ 21/11/03
(Der letzte Schrei von der Insel – natürlich mit einem ordentlichen Hype gestartet – mit einem hymnischen Rockkracher der gut und gerne als New-Wave-Adaption durchgeht.)

Keane „This is the last time“ 31/10/03
(Für den Rest der Welt sind Keane absolute Newcomer. Für die Briten fast schon wieder ein alter Hut. Mit der Piano-Halbballade „This is the last time“ belegen Keane, warum man die Band auch bei uns unbedingt antesten sollte.)

Manic Street Preachers „A design for life“ 31/12/96
(Noch eine dieser Über-Bands der 90er-Jahre mit einer auch schon wieder acht Jahre alten Version ihres Hits „A design for life“, die nachdrücklich ins Gedächtnis ruft, warum die Manic Street Preachers zum Besten gehören, was die britische Rockmusik jemals hervorgebracht hat.)

Morrissey „Boy racer“ 11/11/95
(Im Augenblick steigt das überraschende Comeback des „The Smiths“-Mastermind. Mit „Boy racer“ kann mich sich einen Eindruck davon abholen, was Morrissey im Winter 1995 getrieben hat: ziemlich punkige Rockmusik. Cool!)

Oasis I am the walrus 10/12/94
(Oasis durften mal (fast) alles – auch die Beatles covern. Vor zehn Jahren, als sie die Speerspitze aller Musik von der Insel waren, klang dies äußerst rotzig und respektlos, auch wenn im Hintergrund ein dekadentes Orchester musiziert. Inzwischen kann man die Gallagher-Brüder nur noch wegen ihrer Anmaßungen belächeln.)

Paul Weller „Sunflower“ 09/07/93
(Der Neil Young aus dem UK mit einer gewohnt lässigen und ultra-coolen Vorstellung. Rock’n’Roll mit einfachsten Mittel und doch bzw. genau deshalb so effektiv.)

Primal Scream „Movin’ on up“ 31/12/03
(Primal Scream machten mal ein echtes Rockalbum, mit dem sie den Rolling Stones ernsthafte Konkurrenz androhten. „Movin’ on up“ schlägt nochmals in dieselbe Kerbe, kommt aber mehr nach den kürzlich aufgelösten Black Crowes. Trotzdem stark!)

Pulp „Disco 2000“ 11/11/95
(Oasis und Blur waren die Könige des BritPop und Pulp immer auf ihren Fersen, ohne jemals den ganz großen kommerziellen Erfolg zu haben. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel – und „Disco 2000“ ist so eine. Der Song wurde im Radio rauf und runter gespielt und avancierte zu einem echten Floorfiller in den Alternative-Discos.)

Radiohead „The bends“ 27/05/95
(Sie räumten den BritPop-Thron freiwillig zugunsten eines Status als Avantgarde-Combo, dich sich ein unzugängliches Album nach dem anderen leisten kann, ohne Angst haben zu müssen, jemals dafür kritisiert zu werden. „The bends“ stammt aus der Zeit vor der geistigen Verwirrung Radioheads und rockt so richtig ab.)

Spiritualized „Come together“ 17/04/98
(Psychedelische Rockmusik, selbstverständlich mit geschlossenen Augen gespielt und von einer fetten Bläser-Sektion im Rücken befeuert – ein Paradebeispiel für die Musik von der Insel. Auch Blur machten wenig später auf diese Weise von sich Reden und verließen die Singalong-Pfade ihrer Anfangstage.)

Starsailor „Good souls“ 20/04/01
(Noch haben sie den großen Durchbruch nicht geschafft. Aber lange kann es für Starsailor nicht mehr dauern. Ihr etwas weinerlicher Sound zwischen Travis und Coldplay ist dafür einfach zu einprägsam.)

Stereophonics „More life in a tramps vest“ 17/05/97
(BritPop heißt nicht nur England. Deshalb dürfen die Stereophonics auf dieser DVD nicht fehlen. Ihr an Oasis gemahnendes „More life in a tramps vest“ rumpelt und bollert vor sich hin, dass es eine wahre Freude ist.)

Suede „So young“ 04/06/93
(Haben sich Suede endgültig getrennt oder nur ein schöpferische Pause eingelegt? Vermutlich weiß das selbst die Band nicht so genau. „So young“ zählt zu den ganz frühen Hits von Suede

Super Furry Animals „Something for the weekend“ 01/06/96
(Weshalb die Super Furry Animals überall üben den grünen Klee gelobt werden, bleibt für mich weiterhin ein Geheimnis. Auch dieser Auftritt vom 1. Juni 1996 gibt darüber keinen Aufschluss. Ganz nett, aber auch nicht mehr.)

Supergrass „Caught by the fuzz“ 03/06/95
(Yeah, that’s Rock’n’Roll! Supergrass machen keine Gefangenen und poltern sich durch „Caught by the fuzz“ als gäbe es kein Morgen. Ein Krach wie bei einem startenden Düsenflugzeug….)

22-20s „Devil in me“ 21/11/03
(… da können nur noch 22-20s mithalten, die ebenfalls wie bescheuert rocken und wie die englischen White Stripes auf Speed klingen. Heureka!!!)

The Beta Band „Human being“ 16/11/01
(Neil-Young-Mundharmonika und Beatles-Harmonien, gepaart mit einem eigenartigen Dialekt, das ist die Beta Band. Ziemlich cooler Independent-Pop mit starkem 60s Einschlag. Braucht etwas Zeit, aber dann wirkt „das Kraut“.)

The Charlatans „Just when you’re thinkin’ things over“ 09/12/95
(Die Charlatans waren eine ganze Zeit lang absoluter Kult. Ihr hymnischer Rave-Pop begeisterte Rock-, Pop, und Dance-Fans. So auch hier.)

The Darkness „I believe in a thing called love“ 20/06/03
(Die neue Rocksensation aus dem Königreich! Für die einen eine absolute Katastrophe, für die anderen die Rettung des Rock’n’Roll. Irgendwo dazwischen bewegt sich das Quartett ganz sicher. Auf jeden Fall benötigt es einer guten Portion Humor, um den eigenwilligen Sound von The Darkness zu mögen.)

The Libertines „Up the bracket“ 01/11/02
(Sind sie die Nachfolger von Oasis? Na ja, musikalisch wohl kaum. Aber was Eskapaden und Großmäuligkeit angeht auf jeden Fall! Mit dem Titelsong ihres ersten Albums zeigen The Libertines, dass sie zu würdigen Vertretern der „The“-Band-Welle zählen. Ob danach noch was kommt? Es darf zumindest bezweifelt werden.)

The Verve „The drugs don’t work“ 01/11/97
(„Die Drogen wirken nicht“. Klar, wenn man soviel davon in sich reingestopft hat wie „The Verve“-Frontmann Richard Ashcroft. Aber gut, dass uns der Bursche aufzuklären versucht. Wir wollen aber nicht verschweigen, dass das Stück definitiv zu den größten Hymnen der 90er-Jahre zählt und auf gar keinen Fall auf dieser DVD fehlen durfte.)

Travis „All I wanna do is rock“ 07/12/96
(Zum Abschluss gibt sich eine der großartigsten Bands der ausgehenden 90er-Jahre mit einer ungewohnt rauen Rock-Darbietung die Ehre. Das grandiose „All I wanna do is rock“ aus den Anfangstagen der Melancholiker zeigt Travis von einer ganz anderen Seite und stellt damit einen mehr als würdigen Schlusssong.)

Was soll man dazu noch sagen? Diese Songauswahl, diese Bands, dieser typisch britische Rock/Pop-Flair – einfach grandios! Eine bessere Zusammenstellung zum Thema BritPop wird es kaum geben, selbst wenn ein paar wenige wichtige Bands der Insel fehlen (Placebo). Das ändert nichts daran, dass „Cool Britannia“ nichts weiter als ein absoluter Pflichtkauf für alle Fans des Gernes ist. Hier spielen keine abgetakelten Altherren-Bands, sondern junge, hungrige Rockbands am Anfang ihrer Karrieren, die der Welt beweisen wollen, dass sie zum Besten gehören, was die britische Insel in Sachen populärer Musik zu bieten hat. Und so klingt diese DVD dann auch: Essentiell und unverzichtbar!

Anspieltipps:

  • Blur - „Tender”
  • Morrissey - „Boy racer“
  • Radiohead - „The bends“
  • Coldplay - „In my place“
  • Paul Weller - „Sunflower“
  • Doves - „The cedar room“
  • Cornershop - „Brimful of asha“
  • Travis - „All I wanna do is rock“
  • Franz Ferdinand – „Take me out“
  • Feeder - „Just the way I’m feeling“
  • The Verve - „The drugs don’t work“
  • Embrace - „All you good good people“
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